Boot 2019 in Düsseldorf: Messe-Mitgründer Herbert Dahm und seine Jacht "Inspiration"

Besondere Jacht auf der Messe Boot : Herbert Dahm verkauft „das vollendete Schiff“

Vor 50 Jahren gründete der 89-jährige Herbert Dahm die Messe Boot mit. Auch in diesem Jahr ist er dabei – mit einer besonderen Jacht im Angebot.

„Entschuldigung, ich will nicht stören“, sagt ein Herr zu Herbert Dahm. Der posiert gerade für den RP-Fotografen. So viel Zeit hat der Herr, der nicht stören will, offenbar gerade nicht. Als Herbert Dahm sich zwei Minuten später umdreht, ist er verschwunden.

„Schade“, sagt Dahm. „Der sah aus wie ein Käufer.“ Woran er das erkennt? Am Gesicht, an der Kleidung. „Der war interessiert.“ Interessiert an der einzigen Jacht, die Herbert Dahm in diesem Jahr auf der Messe anbietet. Der Jacht der Jachten – jedenfalls für ihn. Die „Inspiration“.

„Sie ist ein vollendetes Schiff“, sagt Dahm. Er steht vor einem Modell der „Inspiration“ – das Original liegt gerade in „Palma de Mallorca“, „nur zum Verkaufen wollte ich sie nicht hier rauf bringen.“ 35 Jahre lang ist Dahm mit der „Inspiration“ gesegelt, bis zum vergangenen Jahr. Nun muss er sie verkaufen – aus gesundheitlichen Gründen. Dabei wirkt der 89-Jährige noch sehr fit, nur will der Rücken halt nicht mehr so.

12 Knoten unter Segeln, 12 Knoten mit dem Motor – so schnell läuft die „Inspiration“. Sie ist ein eigentümlicher Hybrid: Auf der einen Seite eine Renn-Jacht, mit der Dahm 20 Mal an Weltmeisterschaften teilgenommen hat – davon fünf Mal mit einem Platz auf dem Siegertreppchen. Gleichzeitig ein hochkomfortables Cruising-Schiff, das unter Deck alles zu bieten hat, was man sich auf See – oder an Land – wünschen könnte: Küche, Bar, Salon, Waschmaschine, Fernseher, ein begehbarer Maschinenraum, eine Kabine mit Doppel- oder Einzelbetten (je nach Wahl). Am Heck hat die „Inspiration“ eine hydraulische Klappe, hinter der man sein Beiboot aufbewahren kann. Ist sie ausgefahren, kann das Beiboot dort elegant festgemacht werden – oder man klettert von dort für ein Bad ins Meerwasser. Die Bugschraube ist ausfahr- und drehbar – als Notantrieb, falls sich mal eine Leine im Propeller verfängt. Und die Liste geht noch weiter. „Man könnte noch eine Stunde über all die Besonderheiten dieser Jacht sprechen“, sagt Dahm.

Vier Schiffe ließ er bauen, bevor dieses, das fünfte, ihn endlich zufriedenstellte. Mit Ende dreißig hatte er sich zur Ruhe setzen wollen.  Angefangen hatte er als Fernseh- und Radioverkäufer; später entwickelte seine Firma Software für die Bundesdruckerei und das Gerichtswesen. Herbert Dahm, der Selfmade-Millionär. Nun wollte er die Welt umsegeln. Auf der Suche nach dem richtigen Schiff zog er über die internationalen Messen. In Holland stieß er auf die kleine Werft Jongert, 15 Angestellte. Zwischen ihm und dem Inhaber sei eine Freundschaft entstanden – da habe er sich überlegt, er könnte doch die Generalvertretung für Jongert übernehmen. So einfach erzählt Dahm das. Als er vor ein paar Jahren bei Jongert ausstieg, hatte die Werft 250 Mitarbeiter – und Dahm war bekannt als Mr. Jongert. Denn 1969 hob er mit anderen Mitstreitern die Messe Boot aus der Taufe – und versetzte die Besucher über die Jahre immer wieder mit seinen Ideen in Staunen.

Sein Ziel sei immer gewesen, Schiffe zu bauen, die etwas besonderes sind, sagt Dahm. Seine zweite Yacht beispielsweise hatte Fenster im Rumpf. „Meine Frau wäre nicht mitgesegelt, wenn sie in so einen fensterlosen Keller hätte hinabsteigen müssen.“ Inzwischen, sagt er verschmitzt, gebe es praktisch keine Jacht mehr ohne Fenster im Bug.

So sollte die „Inspiration“, sein Meisterstück, genau das sein: Inspiration für die Branche. Ob er einen Käufer auf der Messe findet, weiß er nicht. „Nur mit einem Modell ist es ein bisschen schwierig.“ Traurig sei er nicht, dass er sie verkaufen müsse, sagt er. „Solange ich sie an den richtigen abgeben kann...“

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