Blogger Markus Bock spricht an Uni Düsseldorf über Depressionen

Ein Blogger erzählt von seiner Depression : „Ich habe oft den Wunsch gehabt, mir das Leben zu nehmen“

Markus Bock bloggt über sein Leben mit Depressionen. An der Heine-Uni hat er sehr offen erzählt, wie er mit Selbstmordgedanken umgeht und wie ein Gefängnisaufenthalt sein Leben zum Positiven verändert hat.

Markus Bock wollte niemanden mehr belügen. Weder seine Partnerin, noch seine Freunde. Statt sich in Ausreden zu flüchten, sollte sein Umfeld endlich erfahren, warum er so oft kurzfristig Termine absagt – und wie es ihm geht: Meistens schlecht, denn Bock leidet unter Depressionen. So entstand der Blog „Verbockt“, in dem er über seine Erfahrungen und den Umgang mit seiner Krankheit schreibt. Auf Einladung des AStA der Heine-Uni erzählte Bock von seinem Leben mit Depression. Offen und schonungslos.

„Ich habe oft den Wunsch gehabt, mir das Leben zu nehmen.“ Zweimal habe er es schließlich probiert, jedoch habe ihn beide Male ein zufälliges Ereignis wie ein Telefonanruf seines Freundes davon abgehalten. Sein Gedanke danach: „Du schaffst es nicht einmal, dein Leben zu beenden.“ Mit dieser drastischen Schilderung machte Bock gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich, wie das Leben mit Depressionen für den Hildesheimer aussieht.

Sein Alltag ist vor allem von Selbstzweifeln geprägt. Dem Gedanken, nicht gut genug zu sein. Die Ursachen dafür verortet er in seiner Kindheit, in der er genau diese Bewertung immer wieder von seinen Eltern bekommen hatte, nachdem er die Schule geschwänzt oder in Geschäften geklaut habe. Heute sieht er darin vor allem ein Mittel, um die Aufmerksamkeit seiner alkoholabhängigen Eltern zu bekommen.

Im Verlauf seiner Krankheit kämpfte er oft mit Antriebslosigkeit. Therapien waren erfolglos. Teilweise blieb er über Monate hinweg zu Hause, verlor einen Job nach dem anderen. Schulden häuften sich an. Einzig für Einkäufe und Besuche bei seiner Oma ging er vor die Tür, fuhr dazu ohne Ticket mit dem Bus. 14 Mal stand er wegen Schwarzfahrens vor Gericht, saß am Ende sogar 3,5 Monate im Gefängnis. Das bewegte ihn zum Umdenken. Während seiner Inhaftierung begann er zu schreiben, strukturierte seinen Tag. Mittlerweile hat er eine Partnerin, wurde vor drei Jahren Vater eines Sohnes.

Dennoch ist es keine Geschichte mit Happy End. Die Depression ist noch da, Suizidgedanken begleiten ihn weiter. Doch Bock hat gelernt, damit umzugehen. Über das Schreiben in seinem Blog verarbeitet und reflektiert er seine Gefühle. Er ist auch wieder in Therapie. Mit seinem Vortrag wollte er nicht belehren. „Meine Geschichte ist nicht die von anderen“, sagte er und bezeichnete sich als „Worst-Case-Szenario“. Vielmehr ging es ihm darum, für das Thema stärker zu sensibilisieren, Betroffenen Mut zu machen und Angehörigen das Fühlen einer depressiven Person nachvollziehbar zu machen. Das ist ihm dank seiner offenen Art gelungen.

Der Blog von Markus Bock ist unter www.verbockt.com zu finden. Betroffene bekommen beim Düsseldorfer Bündnis gegen Depression unter 0211 9222766 Unterstützung.

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