Vergewaltigung im Hofgarten in Düsseldorf: Netz-Debatte um Angsträume

Debatte um Angsträume in Düsseldorf : „Es kann Frauen immer und überall passieren“

Das Netz debattiert über Angsträume in Düsseldorf – wie den Hofgarten. Besonders Frauen äußern sich. Fazit: Angstgefühl ist niemals unberechtigt – und immer subjektiv.

Der Düsseldorfer Hofgarten: gewundene Wege, Sträucher und Bäume, eine Unterführung und Gaslaternen-Beleuchtung. Viele Menschen machen nach Einbruch der Dunkelheit einen Bogen um den Park – auch wenn er nicht mehr der Kriminalitätsschwerpunkt ist, der er vor Jahrzehnten einmal war. Inzwischen hört man seltener von Übergriffen im Hofgarten. Doch wenn etwas passiert – wie zuletzt in der Nacht zu Pfingstsamstag, als eine Frau dort von mehreren Tätern vergewaltigt wurde –, flammt die Debatte darüber auf, wie sicher der Park ist und ob insbesondere Frauen ihn nachts betreten sollten.

Auch eine Reportage der Rheinischen Post war am Wochenende Anlass für heftige Diskussionen über diese Fragen. Im Text ging es darum, wer überhaupt nachts im Hofgarten unterwegs ist. „Ich habe diesen Parkspaziergang beim Lesen mitgemacht und ich habe mich in jeder beschriebenen Situationen unsicher gefühlt!“, schrieb eine Leserin auf Twitter. „Es kann Frauen immer und überall passieren.“ Wie viele andere kritisierte auch sie, dass die Reportage ein Mann geschrieben hatte. Viele Nutzerinnen und Nutzer – nicht nur aus Düsseldorf – äußerten in den sozialen Medien das Gefühl, bestimmte Ort bei Nacht nicht betreten zu können. „Nach Einbruch der Dunkelheit läuft man/frau nicht alleine oder zu zweit durch wenig frequentierte Parks“, schrieb eine Facebook-Userin. „Davor wurde vor 30 Jahren schon gewarnt, und es hat sich bis heute leider nicht gebessert.“

Die Debatte zeigt: Das Thema ist hochsensibel. Auch deshalb, weil Angst etwas sehr Subjektives ist. Jeder Mensch hat ein anderes Sicherheitsempfinden. „Deswegen ist es auch so schwer, eine ganz objektive Meinung dazu zu haben“, sagt Etta Hallenga von der Düsseldorfer Frauenberatungsstelle. Es gebe Menschen, die sensibler auf ein Geräusch reagierten als andere, „das ist auch gut, diese Menschen sind achtsam“. Frauen wechselten in einer solchen Situation zwar öfter die Straßenseite als Männer. Aber an sich sei dieses Verhalten geschlechtsunabhängig. „Wer ein Warngefühl hat, der sollte sich in Sicherheit bringen. Und das gilt für Männer wie Frauen.“ Dass unser Reporter nachts im dunklen Hofgarten keine Frau angetroffen habe, „das ist nicht ohne Grund so gewesen“, sagt Etta Hallenga, die aber auch davor warnt, Angst zu verbreiten. Eine Frau sollte durch den Hofgarten laufen können, und sie sollte nicht die Schuld dafür bekommen, wenn ihr etwas passiert.

Susanna Heusgen leitet bei der Düsseldorfer Polizei das Präventionskommissariat. Sie sagt, es gibt keine Patentrezepte für den Umgang mit Angst und Gefahren. „Der beste Rat aus präventiver Sicht: aufs eigene Bauchgefühl hören und im Kopf auch problematische Situationen durchgehen. Das hilft, um sich - egal ob Mann oder Frau - in bestimmten Situationen etwas sicherer zu fühlen.“

Hinweis: In einer vorherigen Version des Artikels hatten wir ein nicht autorisiertes Zitat von Susanna Heusgen verwendet. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Mehr von RP ONLINE