Urteil in Düsseldorf: Messerstecher Ali S. aus Friedrichstadt muss lebenslang in Haft

Messerangreifer aus Düsseldorf : Lebenslange Haft für Mord aus verschmähter Liebe

Ein 44-jähriger Kiosk-Betreiber kann nicht ertragen, dass die von ihm mit Geschenken und Komplimenten bedachte Frau sich jegliche Annäherung verbittet. Er ersticht sie. Seine Tat stelle die Grundsätze des Zusammenlebens infrage, sagt nun ein Richter.

Als Blumen im Briefkasten und Komplimente nicht fruchteten, griff er zum Messer: Für den Mord an seiner Angebeteten ist der 44-jährige Ali S. in Düsseldorf zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er habe die 36-Jährige umgebracht, weil sie nicht seine Freundin werden wollte, sagte Richter Rainer Drees am Donnerstag bei der Urteilsbegründung des Düsseldorfer Landgerichts. Die Tat sei „extrem eigensüchtig“ gewesen und habe eine besonders verachtenswerte Einstellung gezeigt. Sie stelle die „Grundsätze menschlichen Zusammenlebens“ infrage, so der Richter.

Der Iraner hatte gestanden, die Frau im August 2018 in der Düsseldorfer Innenstadt erstochen zu haben. Sie hatte sich seine Annäherungsversuche aber ausdrücklich verbeten, seine Anrufe blockiert und ihm ausrichten lassen, dass sie sich von ihm bedroht und belästigt fühle: „Er soll mich in Ruhe lassen, ich werde ihn sonst anzeigen.“

Daraufhin beschaffte Ali S. sich ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge und lauerte der 36-Jährigen in der Nähe ihrer Wohnung in der Düsseldorfer Innenstadt auf. Er habe sie zu Boden gerissen und dann 27 Mal auf sie eingestochen, so das Gericht. Äußerlich ungerührt nahm der Kiosk-Betreiber das Urteil am Donnerstag zur Kenntnis.

Der Iraner hatte die Tat beim Prozessauftakt gestanden. Zahlreiche Passanten hatten die verzweifelten Schreie der schwer verletzten Frau gehört und versucht, ihr zu helfen. Andere verfolgten den Täter, blieben aber zurück, als der sie mit dem Messer bedrohte. Das Verbrechen in der Innenstadt hatte für Entsetzen gesorgt. Am Tatort hatten Passanten Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt.

Nach der Tat habe der 44-Jährige mit dem Handy einen Bekannten angerufen, berichtete der Staatsanwalt: „Es ist erledigt“, sagte er. „Was?“, fragte der Angerufene zurück. „Die Frau“, sagte Ali S.

Verteidiger Stefan Tierel hatte eine psychische Erkrankung seines Mandanten angeführt und für eine Unterbringung in der Psychiatrie oder zehn Jahre Haft wegen Totschlags plädiert. Doch die Richter verwarfen ältere Diagnosen von Psychiatern als „Gefälligkeits-Atteste“. Es sei „höchst erstaunlich“, wie die Mediziner Diagnosen bescheinigt hätten, ohne auch nur annähernd Symptome dafür gefunden zu haben.

Der 44-Jährige ist anerkannter Flüchtling aus dem Iran. Er war 2001 nach Deutschland gekommen und nicht vorbestraft. Er hatte in einem Kiosk nahe der Wohnung der Frau gearbeitet. Nach der Tat hatte er sich nach Spanien abgesetzt. Eineinhalb Wochen später war er in Sevilla festgenommen worden.

Tat und Flucht seien geplant gewesen, betonte der Staatsanwalt. Der 44-Jährige habe dann im Gefängnis eine psychische Erkrankung simuliert, wie er das auch schon früher getan habe. „Der Angeklagte fährt auf dem Psycho-Ticket und versucht, sich damit Vorteile zu verschaffen.“ Die besondere Schwere der Schuld, wie vom Staatsanwalt beantragt, verhängte das Gericht aber nicht.

Hier mehr über den Mord auf der Bachstraße in Düsseldorf nachlesen.

(dpa)
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