Tuningszene in Düsseldorf an der Königsallee kontrolliert

Polizeikontrolle bei Tuning-Szene in Düsseldorf: „Wir haben überhaupt nichts gegen Autotuning“

Am Samstag hat die Düsseldorfer Polizei mehrere Autos aus der Tuning-Szene kontrolliert. Unter die Lupe genommen hat sie zum Beispiel Autos der Marken Porsche, Lamborghini und Mercedes. Insgesamt wurden 17 Anzeigen geschrieben.

In den 1980er Jahren war Autotuning noch ganz einfach. Man fuhr zu D&W nach Bochum und kaufte sich für seinen Manta, Kadett-C-Coupé oder 3er BMW einen schönen Spoiler, eine Lufthutze für die Motorhaube und für das Heckfenster selbstverständlich einen "Kenwood" Aufkleber. Heute werden die meisten Autos schon ab Werk so ausgeliefert, dass man sich schon ganz schön anstrengen muss, um mit seinem Wagen überhaupt aus der Masse hervorzuragen. Wer unbedingt will, kann mit Gewindefahrwerk oder Motorsteuergeräten auch heute noch eine ganze Menge verändern, Ziel bleibt nach wie vor: "Tiefer, breiter, schneller."

"Wir haben überhaupt nichts gegen Tuning - nur müssen die Regeln und Vorschriften eingehalten werden, damit niemand gefährdet wird", sagt Ludger Walther. Gemeinsam mit einem Team aus elf Beamten hat der Leiter der Arbeitsgruppe Tuning am Samstag in der Innenstadt zwischen 10 und 18 Uhr eine Kontrollstelle auf dem Martin-Luther-Platz aufgebaut. Ziel der Polizeiaktion: Autofreunden, die es mit dem Aufrüsten ihrer Wagen übertreiben, die Grenzen aufzuzeigen. Wir waren bei der Kontrolle dabei, hier exemplarisch einige Fälle.

Der Hobby-Tuner Schon von weitem fällt die knallrote Corvette ins Auge. Die Abgase des 5,7 Liter Achtzylinders finden über zwei große Sidepipes unter den Türen den Weg in die Luft. Ludger Walther holt eine zwei Meter lange Wasserwaage raus und tritt mit geübten Blick an den Wagen heran. Von oben sieht er, dass die BF Goodrich Reifen etwas über den Kotflügel herausstehen. Darüber hinaus sind die Nummernschilder nicht gut lesbar und an den falschen Stellen angebracht. Das Lenkrad ist auch nicht das, was ursprünglich eingebaut war. In der Summe macht das 80 Euro und einen Punkt in Flensburg. Der Fahrer hat nun Zeit, die Mängel zu beseitigen. "Das ist mein Traumwagen, den fahre ich seit 37 Jahren", sagt der Fahrer. Normalerweise halte ihn die Polizei nie an. "Dann war ich wohl heute zur falschen Zeit am falschen Ort."

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Die Supercars Autos, die man sonst nur aus dem Internet kennt, kann man an der Kö live bestaunen. Lamborghini Aventador, Porsche 911 GT3 RS. Dagegen ist der Mercedes C63 AMG schon fast ein Massenauto. Die Polizisten halten im Laufe der Kontrolle einige Exemplare an. Der Fahrer eines Lambos saß offenbar barfuß am Steuer. "Das ist nicht verboten, aber sehr gefährlich, wenn man stark bremsen muss", sagt Polizeisprecherin Susanna Heusgen. Bei einem anderen Lamborghini ist der Auspuff zu laut. Und zwar mit annähernd 100 Dezibel so zu laut, dass der flotte Italiener nicht mehr weiterfahren durfte und ganz vorsichtig auf einen Abschleppwagen verladen wurde. Im Polizei-Deutsch heißt das Sicherstellung und Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Der Fast-Normalo Ob 3er oder 5er BMW oder Golf III bis VII - von Außen sieht man das Tuning gar nicht. Die Beamten sehen trotzdem was. Die Wagen sind ein bisschen tiefer oder die Felgen irgendwie anders. Bei einem 5er BMW aus Essen fallen Felgen auf, die offenbar sandgestrahlt wurden. Sieht besser aus, als in Silber und man sieht den Bremsstaub nicht. Doch in den KFZ-Schein eingetragen sind die Felgen so nicht. Durch das Sandstrahlen könnten sie ihre Festigkeit verlieren und bei 220 km/h auf der Autobahn kaputt gehen. "Wollen Sie nicht", sagt der Polizist zum Fahrer.

Insgesamt beanstandete die Polizei 17 Fahrzeuge, erhob 15 Anklagen, unter anderem wegen rechtswidrigen Veränderungen an Fahrzeugen, und erteilte sechs Verwarngelder. Zwei weitere Anzeigen wurden außerdem erhoben, weil Fahrer auf der Kö an der roten Ampel warteten und dabei ihre Wagen mehrfach "aufheulen" ließen.

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(see/wie)