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Raum Düsseldorf: Racheakt: Düsseldorfer verschleppt und ausgeraubt

Raum Düsseldorf : Racheakt: Düsseldorfer verschleppt und ausgeraubt

Ein 43-jähriger Düsseldorf war sechs Tage in der Gewalt seiner Peiniger. Das Motiv war offenbar der Zorn einer von ihm verlassenen Frau.

Bei der Kripo Düsseldorf wird zur Zeit ein Gewaltdelikt untersucht, das sich nach bisherigen Erkenntnissen als räuberische Erpressung, erpresserischer Menschenraub, schwere Körperverletzung und Raub darstellt. Fünf Männer und eine Frau sind festgenommen worden, der Haftrichter wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in U-Haft schicken. Das Opfer, ein 43-Jähriger aus einem südlichen Stadtteil, ist verletzt, musste aber nicht ins Krankenhaus. Der Fall ereignete sich Mitte Oktober, die Täter wurden jetzt in Wohnungen der Städte Düsseldorf, Wuppertal, Erkrath und Langenfeld festgenommen.

Nach Beschreibung der Kripo lief die Tat wie folgt: Am Freitag, 17. Oktober, feiert der 43-Jährige den Einzug in seine neue Wohnung. Während der Party kommt es zum Streit zwischen ihm und einigen Gästen, das Ganze eskaliert, aus einer Schlägerei wird am Ende die Verschleppung des 43-Jährigen nach Wuppertal. Dort wird er für sechs Tage in einer Wohnung gefangen gehalten — zeitweise wohl angebunden, immer bewacht und wiederholt misshandelt.

Bei der Durchsuchung der verdächtigen Wohnungen stellte die Polizei mehrere Gegenstände sicher, unter anderem diesen Teleskop-Schlagstock. Foto: Polizei

Die Täter prügeln ihn mit einem Besenstiel und einem Teleskop-Schlagstock. Sie malträtieren ihn mit einem Elektroschocker, bringen ihm mit einem Teppichmesser schwere Schnittwunden bei. Als er einmal blutüberströmt da liegt, schleppen sie ihn ins Bad und duschen das Blut ab. In den sechs Tagen wird er mit Essen und Trinken versorgt, darf schlafen.

Unter der Folter überlässt er den Tätern die PIN-Nummer seiner Konto-Karte, womit einer einige hundert Euro abhebt. Während sie ihn in Wuppertal gefangen halten, schleppen die Täter nach und nach nicht nur TV-Flachbildschirm, sondern auch andere elektronische Geräte, die Spülmaschine, die Dunstabzugshaube und andere Küchengeräte aus der Wohnung ihres Opfers.

Nach sechs Tagen, am Donnerstag, 23. Oktober, lassen sie den Mann schließlich in Düsseldorf frei. Er schleppt sich zu einer Freundin, mit der er früher eine enge Beziehung hatte — und diese Frau alarmiert die Polizei. Die Ermittlungen und Aussagen des Opfers führen zu den Tätern, vor allem helfen eindeutige Spuren in der Wohnung in Wuppertal, die Leute zu finden. Bei der Überprüfung sieht man, dass alle vorbestraft sind — Delikte quer durchs Strafgesetzbuch, wird der zuständige Staatsanwalt David Bäuerle später sagen.

Weil die Gesuchten als gewaltbereit gelten, setzt die Polizei bei der Festnahme vorsichtshalber Sonderkräfte ein. Mittwochmorgen, 6 Uhr, klicken zeitgleich in Wohnungen in Düsseldorf, Wuppertal, Erkrath und Langenfeld die Handschellen.

Die Motivlage und die Beteiligung der Festgenommenen ist kompliziert. Offenbar haben die Männer sich an dem 43-Jährigen gerächt, weil er mit der Frau (die auch festgenommen wurde) und als Mittäterin gilt, eine Beziehung eingegangen war, sie aber dann verlassen hatte. Aber genau diese Frau war es auch, die das Opfer nach seiner Freilassung aufsuchte und die dann die Polizei alarmierte — was schließlich zu ihrer Festnahme führte. Warum sie das tat, und ob es weitere Motive gab, ist der Polizei noch ein Rätsel.

Fünf der Festgenommenen sind Deutsche, einer ist Italiener, und drei der Deutschen sind nordafrikanischen Ursprungs. Die Vermutung, dass es bei den Tätern Verwandte der Frau gab, wurden von der Polizei weder bestätigt noch dementiert. In den Wohnungen wurde Diebesgut aus anderen Straftagen entdeckt, unter anderem ein gestohlener Motorroller.

(ho-)