Prozess vor Landgericht Düsseldorf: Mutter von getöteter Tochter sagt unter Tränen aus

Prozess vor Landgericht Düsseldorf : Mutter von getöteter Tochter sagt unter Tränen aus

„Mami, Mami, bitte hilf’ mir!“ Das waren die letzten Worte, die eine 44-Jährige an einem Julivormittag 2018 von ihrer siebenjährigen Tochter zu hören bekam. Der Vater steht unter Verdacht, das Kind getötet zu haben. Der Prozess läuft in Düsseldorf.

Damals hatte der 32-jährige Vater das Kind in der Ehewohnung in Düsseldorf-Rath offenbar gefangen gehalten und die gemeinsame Tochter mit einer Revolver-Attrappe bedroht – nur, weil er glaubte, seine Frau sei ihm untreu geworden mit einem Arbeitskollegen. Um die Ehefrau und Mutter zum „Geständnis“ zu zwingen, hatte er das Kind bedroht.

Als die Polizei ihn doch zur Aufgabe bringen konnte, fanden Beamte das kleine Mädchen nur noch leblos vor. Als Zeugin im Mordprozess gegen den Vater hat die Mutter der Siebenjährigen am Montag beim Landgericht als Zeugin der Anklage ausgesagt. Hier kamen auch erschütternde Details zur Sprache, die die 44-Jährige teils nur unter Tränen hervorbrachte.

Zu Prozessbeginn vor einer Woche hatte der Vater über seine Anwälte ausrichten lassen, er werde vorerst schweigen. Doch im Scheidungsverfahren Ende 2018 hatte er über seine Verteidiger erklären lassen, der Tod seiner geliebten Tochter sei kein Mord gewesen aus Eifersucht, also aus niederen Beweggründen, sondern ein Unglücksfall. In Panik vor einer Erstürmung der Wohnung durch die Polizei habe er das Kind in einen Abstellraum schieben wollen, sei dabei aber zwei Mal über die Siebenjährige gefallen. Zuletzt sei noch ein schweres Metallregal auf das Kind gestürzt.

Ein Rechtsmediziner befand allerdings: Das kleine Mädchen war erstickt worden, was eine „längere Zeit“ gedauert habe, also mit einem Unfallgeschehen nicht zu vereinbaren sei. Dazu konnte die Mutter des Mädchens nun als Zeugin nichts sagen. Nur so viel: „Immer wieder habe ich den Angeklagten (wie sie ihren Ex-Mann jetzt nennt) gebeten, lass’ unsere Tochter ‚raus, sie hat doch damit nichts zu tun!“ Gemeint war damit ein Streit der Eheleute um eine angebliche Beziehung der Frau zu einem Kollegen. „Aber das war niemals mehr als ein Kollege“, sprudelte es aus der trauernden Mutter nun heraus.

Spürbar aufgeregt, sprach die 44-Jährige im Zeugenstand fast ohne Punkt und Komma, ließ in ihrer Nervosität Worte ineinander fließen – und bemühte sich spürbar doch sehr darum, sachlich zu bleiben, aufrichtig und fair gegenüber ihrem Ex-Mann. Doch wenn sie mittendrin urplötzlich trotzdem zu weinen begann, sprach sie auch dann noch weiter – und war nun kaum mehr zu verstehen. Auch eine Polizistin, die am Tattag vor Ort im Einsatz war, brach am Montag vor Gericht in Tränen aus.

Sicher ist nur: 2006 hatte sie den Angeklagten in dessen ägyptischer Heimat kennen gelernt, hatte sich ein Jahr danach in ihn verliebt und mit ihm zusammen getan. Anfang 2010 kam er nach Düsseldorf, das Paar heiratete, sie beschaffte ihm eine Arbeitsstelle bei einem Entsorgungsunternehmen. Die gemeinsame Tochter, geboren im November 2010, „war unser Ein und Alles“, so die Mutter vor Gericht. Bis der eifersüchtige Vater seiner Frau unterstellte, sie sei ihm untreu, sie überwachte, ihr Handy kontrollierte und ihr beständig Vorwürfe machte.

Am Tag vor einem geplanten Urlaub der Kleinfamilie eskalierte dann die Situation. Als der junge Vater erfuhr, dass der vermeintliche Nebenbuhler vertretungsweise wieder in einem Großraumbüro mit seiner Frau arbeitete, ist der 32-Jährige offenbar ausgerastet. In einem Video-Telefonat mit seiner Frau bedrohte er die kleine Tochter vor der Kamera mit einer Waffe: „Muss ich das wirklich tun, bevor du mir sagst, dass du mit dem schläfst“, habe der 32-Jährige „geschrieen wie am Spieß“, erinnert sich die Kindesmutter. Sie sei sofort nach hause gefahren, habe unterwegs den Polizei-Notruf gewählt – und auch dabei so hastig gesprochen, dass kaum etwas zu verstehen war.

Vor der Ehewohnung in Rath habe sie per Handy dann „alles versucht“, um ihren Mann zu besänftigen, ihre Tochter aus seiner Gewalt zu holen. Sie sei damals, so sagte sie nun, sogar bereit gewesen, zu lügen – also eine Beziehung mit dem Kollegen zu erfinden, weil ihr Mann das so hören wollte. „Er wollte ein Geständnis von mir erzwingen!“ Über Handy, das er damals auf eine Fensterbank legte, blieb die vor Sorgen fast betäubte Mutter vor der Haustür mit ihm und ihrem Kind in Kontakt. Beruhigen konnte sie ihn aber nicht: „Ich konnte sagen, was ich wollte!“ Kurz danach habe sie dann zum letzten Mal die Stimme ihrer Tochter gehört: „Mami, Mami, bitte hilf’ mir!“

Als das leblose Mädchen wenig später von Polizisten aus dem Haus direkt in einen Krankenwagen gebracht wurde, durfte die Muter nicht hin zu ihrem Kind. Man sagte ihr, das Mädchen sei ohnmächtig. Sie habe sich lange getröstet mit dem Gedanken „es war nirgendwo Blut an ihr zu sehen, es wird schon alles gut sein!“ Laut Arztbericht war die Siebenjährige zu diesem Zeitpunkt aber schon erstickt.

Düsseldorf: Vater soll sieben Jahre alte Tochter getötet haben, um Mutter zu bestrafen

Wie und warum, versucht jetzt, das Landgericht aufzuklären. Und wie hat der Angeklagte auf diese schrecklichen Details und die Weinkrämpfe seiner Ex-Frau reagiert? Zu Beginn ihrer Aussage wagte er nicht mal, zum Zeugenstuhl hinüber zu sehen, hielt bei gesenktem Kopf die Hand vor Augen.

Manchmal liefen ihm einige Tränen über das Gesicht. Danach aber – und speziell, als es um den Tattag ging – hielt er immer wieder wispernd Rücksprache mit seinen Anwälten über das, was seine Ex-Frau gerade schilderte. Der Prozess geht in einer Woche weiter.

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