Prozess in Düsseldorf: Zwang Müllmann Radfahrerin zu gefährlicher Vollbremsung?

Unfallprozess in Düsseldorf : Brachte Müllmann Radlerin zu Fall?

Im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk verletzte sich eine Radfahrerin bei einem Sturz schwer. Sie sagt: Ein Müllmann mit Tonne habe sie zur Vollbremsung genötigt. Der Awista-Mitarbeiter steht deshalb vor Gericht.

Eine Alltagssituation im Straßenverkehr beschäftigt nun schon in zweiter Instanz das Amtsgericht. Ein Müllmann will vom Vorwurf, für den Sturz einer Radfahrerin verantwortlich zu sein, freigesprochen werden. Vier Zeugen hat das Gericht am Mittwoch gehört, jetzt soll ein fünfter, der bislang als unauffindbar gilt, gesucht werden.

Am frühen Morgen des 27. April 2018 war der Angeklagte als Vorkommando im Einsatz. Sein Job besteht dann darin, noch bevor der Müllwagen in Sicht ist, die Mülltonnen aus den Schächten zu holen und an die Straße zu bringen. Wenn das „Nachkommando“ später die geleerten Tonnen zurückstellt, ist der 37-Jährige längst ein paar Straßen weiter. Kurz nach siebenUhr hatte er an jenem Morgen gerade die zweite Tonne aus dem Müllkeller eines Hauses an der Ellerstraße über den Geh-und Radweg gezogen und zwischen zwei geparkten Autos abgestellt. Auf dem Weg zum nächsten Haus will er aus den Augenwinkeln eine schnell herankommende Radfahrerin bemerkt haben und stehen geblieben sein. Die Frau aber habe sich offensichtlich erschreckt, eine Vollbremsung gemacht und sei dann vornüber vom Rad gestürzt. So schildert ausführlich Verteidiger Torsten Timm die Sicht des Angeklagten.

Ganz anders erinnert sich die Radlerin, eine 26-jährige Physiotherapeutin, die auf dem Weg zur Arbeit war. Sie fahre immer „gemütlich“ über die Ellerstraße, so auch an jenem Morgen, als dann plötzlich der Müllmann ihren Weg kreuzte. Zwei oder drei Meter vor ihr habe der eine Mülltonne von der Straße in Richtung Haus gerollt und sie so zu der Vollbremsung gezwungen,. bei der sie stürzte. Sie hatte sich beide Handgelenke gebrochen, mehrere Zähne waren an- oder ausgeschlagen. Noch als sie blutend am Boden lag, habe sich der Angeklagte bei ihr entschuldigt, sagte die Frau. Verteidiger Timm hält dagegen, dass sein Mandant an jenem Tag eben gar keine Tonnen von der Straße geholt habe., folglich auch nicht von links ihren Weg gekreuzt haben könne. Die Notbremsung sei also nicht nötig gewesen, meint Timm, aber: „Bei einer angemessenen Geschwindigkeit führt ein Bremsmanöver auch nicht zum Sturz. Man muss im Straßenverkehr immer damit rechnen, dass man plötzlich bremsen muss.“

In einer früheren Aussage hatte das Unfallopfer angegeben, mit der Mülltonne sogar kollidiert zu sein, die sie als viereckig mit Rädern beschrieb. In dem Haus an der Ellerstraße gibt es solche Tonnen aber gar nicht. Nun sollen objektive Zeugen die Lage klären. Die anderen Müllwerker waren erst zum Unfallort gekommen, als alles schon passiert war. Eine Ersthelferin blieb damals unbekannt. Eine Schlüsselrolle hat nun ein Augenzeuge, dessen Personalien zwar bekannt sind, der aber seither nicht erreichbar ist. Ihn lässt die Justiz jetzt suchen.

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