Polizei Düsseldorf erhält täglich rund 600 Notrufe auf der 110 - Besuch in der Leitstelle

Besuch in der Leitstelle : Polizei Düsseldorf erhält täglich rund 600 Notrufe

Wenn viele Zeugen denselben Unfall melden, kann es unter der 110 schon mal zu Wartezeiten kommen. Unnötige Anliegen blockieren die Leitung für echte Notfälle. Worauf Anrufer beim Notruf achten sollten.

Die meisten Anrufer, die in Düsseldorf den Notruf der Polizei wählen, bekommen in weniger als zehn Sekunden Antwort. Das ist die gesetzliche Vorgabe, aber Peter Peters, Dienstgruppenleiter in der Leitstelle, weiß aus den Protokollen, dass sein Team fast immer darunter bleibt. Wenn‘s wirklich einmal länger dauert, liegt das daran, das an allen sieben Tischen im obersten Stockwerk des alten Polizeipräsidiums die rote Lampe brennt. Peters: „Wenn alle unsere Leitungen belegt sind, hört der Anrufer kein Besetztzeichen, sondern den Rufton.“

Was die Anrufer nicht wissen: Sie sind dann automatisch in der Warteschleife. „Wer dann auflegt, verliert sozusagen den Platz in der Schlange,“ sagt Peters und rät zu einem Augenblick Geduld. „Wir sehen ja, dass ein weiterer Anrufer in der Leitung ist, und sind natürlich bemüht, den so schnell wie möglich anzunehmen.“ Womit auch deutlich wird, warum der Notruf nicht für Fragen nach der Verkehrslage oder dazu da ist, mal seine Meinung über die Polizei loszuwerden: Jedes Mal, wenn die Beamten mit jemandem sprechen, dessen Anliegen nicht gerade eilig ist, könnte in der Leitung einer warten, in dessen Nebenzimmer sich gerade ein Einbrecher zu schaffen macht.

Dass auf 221.668 eingegangene Notrufe 2017 nur rund 193.000 Polizeieinsätze folgten, heißt nicht zwangsläufig, dass mehr als zehn Prozent der Anrufer keine Notrufer sind. „Größere Ereignisse wie etwa ein schwerer Unfall werden uns meist von mehreren Anrufern gleichzeitig gemeldet“, sagt Peters.

Und auch dann kann man nicht einfach sagen „Wissen wir schon, danke“ und wieder auflegen. „Jeder Anruf kann neue Erkenntnisse bringen, die für unsere Arbeit wichtig sind.“ Etwa, wenn in einem Wohngebiet ein fremdes Auto oder verdächtige Gestalten die Aufmerksamkeit gleich mehrerer Anwohner erregen. „Jeder hat unter Umständen etwas anderes gesehen, dass uns nützen kann“, sagt Peters. Solche Hinweise gibt es heutzutage deutlich häufiger als noch vor einigen Jahren. Das liegt nicht zuletzt an den Kampagnen gegen den Wohnungseinbruch, mit denen die Polizei immer wieder an die Bürger appelliert, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anzurufen.

Wenn dann ein Streifenwagen ins betreffende Gebiet fährt, ist es Sache der Leitstelle, den Einsatz zu koordinieren und aus den Informationen der Anrufer die richtigen Schlüsse zu ziehen. Vor allem wenn es um schwere Verbrechen geht, ist das nicht einfach. „Die Leute stehen unter Schock, sind panisch, manche können auch nicht gut deutsch – da müssen wir schon sehr konzentriert bleiben“, sagt Peters. Wie er selbst waren auch seine Kollegen alle früher selbst im Außendienst, haben viel erlebt und gesehen. Peters: „Da hat man dann bei so einem Anruf sofort Bilder im Kopf“.“

Tagsüber haben es die Beamten in der Leitstelle vor allem mit Verkehrsunfällen zu tun. Wie die Kollegen auf der Straße erleben auch sie eine Veränderung im Umgang. „Der Ton ist fordernder und respektloser geworden – vor allem bei Bagatellen.“ Oder wenn es länger dauert. Dabei steht die Polizei nicht selten selbst im Unfallstau. Peters hat da einen einfachen Rat: „Mit der Kreide aus dem Verbandskasten die Fahrzeugstellung markieren und die Unfallautos dann zur Seite fahren – man muss nicht wegen eines Blechschadens eine ganze Kreuzung blockieren .“

Zu denen gehören die Anzeigen über Ruhestörungen, die pünktlich um 22 Uhr jeden Abend eingehen. „Persönlich zum Nachbarn zu gehen, macht man offenbar nicht mehr“, sagt Peters und gibt zu bedenken: „Das nachbarschaftliche Verhältnis wird sicher nicht besser, wenn wir mit dem Streifenwagen kommen.“

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