Nach Großeinsatz in Düsseldorf: Staatsanwaltschaft prüft Warnschüsse der Polizei

Nach Großeinsatz in Düsseldorf : Staatsanwaltschaft prüft Warnschüsse am Supermarkt

Ermittler in Zivil schossen bei der Verfolgung von vermeintlichen Autoknackern in die Luft – das hat nun womöglich Konsequenzen für die Beamten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Fall.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft, ob die Warnschüsse am späten Mittwochnachmittag in der Düsseldorfer Innenstadt gerechtfertigt waren. Noch am Abend war sogar eine Mordkommission gebildet worden, doch da hatte die Staatsanwaltschaft schnell abgewunken: Ein versuchtes Tötungsdelikt sei nicht im Ansatz zu erkennen, heißt es. Wohl aber müsse geprüft werden, ob es verhältnismäßig war, im Rahmen einer Verfolgung von Autoaufbrechern überhaupt zu schießen. Die Warnschüsse hatten am Mittwoch einen Großeinsatz ausgelöst.

Was war passiert? Zivilfahnder eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) waren in der Düsseldorfer City im Einsatz. Das MEK gehört nicht zur Düsseldorfer Polizei, die auch deshalb nichts über den Grund dieses Einsatzes sagen kann. In dessen Rahmen jedenfalls beobachteten die Beamten in Zivil die beiden Männer, die sich an einem Fahrzeug zu schaffen machten. Sie gaben sich als Polizisten zu erkennen, die Verdächtigen flüchteten. Die Zivilfahnder nahmen die Verfolgung auf, gaben dabei Warnschüsse in die Luft ab und verfolgten die Männer. Einen der Flüchtenden stellten sie an der Charlottenstraße, der zweite hatte sich mutmaßlich in den Supermarkt Zurheide geflüchtet.

Wo ist das Problem? Deutsche Polizisten sind dazu ausgebildet, ihre Arbeit möglichst ohne Schüsse zu tun. Ob scharfe Schüsse – auch in die Luft – im Verhältnis zu der Tat stehen, um die es hier ging, nämlich einen mutmaßlichen Autoaufbruch, ist zumindest fraglich.

Wenn es doch nur um KfZ-Aufbruch ging, warum kamen dann noch so viele schwer bewaffnete Uniformierte dazu? Weil niemand wusste, worum es überhaupt ging. Während das MEK seine Verdächtigen verfolgte, meldeten aufgeregte Passanten über den Notruf „Schüsse am Supermarkt“. Die Leitstelle setzte deshalb sofort alle verfügbaren Einheiten in Bewegung. Tatsächlich waren die Hundertschaft und der Eingreiftrupp Prios binnen weniger Minuten in voller Montur am Tatort. Dort erfuhren die Polizisten, dass sie es nicht mit einem Anschlag, sondern mit Warnschüssen auswärtiger Kollegen zu tun hatten. Der Großeinsatz wurde daraufhin abgebrochen.

Was erwartet die Beamten des MEK nun? Wenn sie plausibel machen können, warum sie den Warnschuss für nötig hielten, wird die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellen, weil dann keine Straftat begangen wurde. Das gesamte Vorgehen aber werde in jedem Fall „intern aufgearbeitet“, sagte ein Polizeisprecher. Denn so richtig zufrieden ist die Düsseldorfer Polizei mit dem Geschehen nicht.

Sind die Autoaufbrecher in Haft? Nein. Der 34-Jährige, den das MEK festgenommen hatte, kam noch am Mittwochabend wieder auf freien Fuß. Denn das Auto, an dem sie hantiert hatten, war nicht abgeschlossen, einen Autoaufbruch kann man ihnen also nicht vorwerfen. Für U-Haft reicht aber versuchter Diebstahl nicht aus. Der Komplize, der vermutlich in dem Durcheinander aus dem Supermarkt entkam, ist unterdessen identifiziert: Der 26-Jährige ist wegen Drogen- und Eigentumsdelikten aktenkundig. Er soll heute vernommen werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: MEK-Einsatz in Supermarkt in Düsseldorf

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