Metalldiebstahl in Düsseldorf: Säule vom Poensgen-Grab auf Nordfriedhof doch gestohlen

120-Kilo-Säule gestohlen : Metalldiebe vom Düsseldorfer Nordfriedhof tricksen Stadt und Polizei aus

Die Metalldiebe vom Nordfriedhof waren besonders dreist: Wie jetzt bekannt wurde, stahlen sie dem Gartenamt ein 120-Kilo-Säule vom Poensgen-Grab praktisch unter der Nase weg. Eine Lösung für das Diebstahlproblem ist nicht in Sicht.

Einem der prunkvollsten Gräber auf dem Nordfriedhof fehlt eine dekorative Säule – und wie es aussieht, bleibt das auch so. Nachdem am vergangenen Mittwoch bekannt geworden war, dass wohl Diebe die 120 Kilo schwere Kupferfackel vom Familiengrab der Poensgens entfernt hatten, folgte ein kurzes Aufatmen: Die Polizei meldete, das Gartenamt habe die Säule im Gebüsch sichergestellt. Wie sich jetzt herausstellte, war das falsch. „Die Fackel ist leider definitiv weg“, sagt Doris Törkel, Leiterin des Gartenamts.

Offenbar hatte tatsächlich ein Mitarbeiter die Fackel am Morgen im Gebüsch entdeckt. Er entfernte sich daraufhin, um Kollegen mit einem Fahrzeug zu holen, um die Kupferdekoration einzusammeln. „In dieser Zeit muss der Dieb zugeschlagen haben“, sagt Törkel. Als die Kollegen zurückkamen, war die Fackel weg. Es sei nur wenig Zeit vergangen, so Törkel. Wie viel genau, lasse sich aber nicht ermitteln. Sie mutmaße, dass der Dieb im Gebüsch gewartet habe. Die Amtsleiterin spricht von einer „Kommunikationspanne zwischen Polizei und Stadt“.

Die Ermittlungsbehörde hatte ihrerseits am Dienstag keine Neuigkeiten zu den Metalldiebstählen, die seit Beginn des Jahres bekannt geworden sind. Mehrfach schlugen Diebe am Schwanenhaus im Hofgarten zu. Dort verschwanden mindestens vier Mal neu verlegte Kupferrohre. Mitte März fiel auf, dass Diebe einen Metallzaun von einem Familiengrab auf dem Nordfriedhof gestohlen hatten. Neun Tage später wurde dann der Diebstahl der Säule vom Poensgen-Grab bekannt.

Beim Gartenamt ist man betrübt – aber auch ratlos. Zunächst sei Grabschmuck nicht Eigentum des Friedhofs, sondern der Menschen, die das Nutzungsrecht der Gräber erworben haben. Letztlich seien die Nutzer dafür verantwortlich, sagt Doris Törkel. „Aber natürlich setzen die Menschen, die Gräber prächtig schmücken, damit den ganzen Ort in Wert.“ Bei Diebstählen rate das Gartenamt stets dazu, die Polizei einzuschalten. Darüber hinaus gibt es aber keine konkreten Ideen, wie Friedhöfe und Parks vor Metalldieben geschützt werden können. „Oft gibt es den Ruf: Schließt die Friedhöfe nachts ab“, sagt Jörg Deter, zuständiger Abteilungsleiter im Gartenamt. Seine Recherchen zeigen jedoch: Das würde nichts bringen. Er hat im Netz nach Fällen von Metalldiebstählen auf Friedhöfen in ganz Deutschland gesucht und anschließend die entsprechenden Satzungen konsultiert. „In 62 Prozent der Fälle war der Friedhof laut Satzung nachts zu.“

Auch eine Überwachung per Video oder durch einen Wachdienst hält man beim Gartenamt für unrealistisch. Deter verweist zum einen auf das Persönlichkeitsrecht. „Vielleicht wollen Trauergäste nicht gefilmt werden.“ Zudem nütze eine Videoüberwachung nichts ohne Personal, das die Bilder auswerte. „Allein der Nordfriedhof hat 680.000 Quadratmeter Fläche, das sind über 95 Fußballfelder“, sagt Deter. „Die Frage ist, was man da mit vereinzelten Wachleuten ausrichten könnte.“

Diese Frage kann Peter Figgen beantworten. Er ist Abteilungsleiter für die Friedhöfe beim Kölner Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. Kurz nach Allerheiligen 2017 hatte er das gleiche Problem wie Jörg Deter: immer wieder Metalldiebstahl. Daraufhin beauftragte sein Amt einen Wachdienst. Zwei Doppelstreifen mit Hund patrouillierten abends und nachts auf gefährdeten Friedhöfen. „Direkt am ersten Abend wurde ein Dieb auf frischer Tat ertappt“, berichtet er. „Insgesamt gingen die Diebstähle zurück.“ Das Grünflächenamt habe die Bewachung zur Abschreckung offensiv öffentlich kommuniziert und ansonsten intensiv mit der Polizei zusammengearbeitet, die tagsüber den Friedhöfen vermehrt Aufmerksamkeit schenkte.

Das Feedback der Bürger sei sehr positiv gewesen, sagt Figgen. „Aber wir haben auch immer gesagt: So etwas lässt sich nicht dauerhaft umsetzen, sondern nur in besonderen Situationen.“

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