Krav Maga für Kinder in Düsseldorf: Ein Besuch beim Kurs von Taifun Sports

Selbstverteidigung für Kids : „Damit wir keinen auf die Glocke kriegen!“

Nach drei versuchten sexuellen Übergriffen in der Düsseldorfer Innenstadt in den ersten Monaten des Jahres ist das Thema Schutz allgegenwärtig – auch bei Kindern. Beim Krav-Maga-Kurs lernen sie Selbstvertrauen, Koordination, Verteidigung – und Disziplin.

Yakup drischt auf Nyla ein. „Komm, Yakup, konzentrier dich“, ruft Gregor Schmitz. „Mehr Power! Jawoll, super!“ Drei Schläge oben, drei Schläge unten, Kniestoß. Drei Schläge oben, drei Schläge unten, Kniestoß. Yakup ist acht Jahre alt, er gibt alles. Und Nyla? Der Siebenjährigen gefällt das. Sie hält ihm lachend ein mit Kunstleder bezogenes Schlagpolster hin, oben, unten, so, wie er es gerade braucht.

Vor einer Viertelstunde hat der Kurs angefangen. 25 Kinder und Jugendliche haben in zwei ordentlichen Reihen Hampelmänner , Liegestütze, Sitz-ups gemacht. Sie sind auf der Stelle gelaufen, schattenboxend. „Und doppeltes Tempo“, ruft Gregor Schmitz und bläst in seine Trillerpfeife. Es folgt ein Trommelfeuer von Turnschuhen auf Mattenboden.

Schmitz trainiert seit zweieinhalb Jahren Kinder ab sechs Jahren in Krav Maga. Die israelische Kampfsportart wurde in den 1930er Jahren erfunden und sollte zunächst dazu dienen, sich gegen antisemitische Übergriffe zu wehren. Später verwendete unter anderem die israelische Armee die Technik, die Elemente verschiedener Kampfsportarten kombiniert und als besonders leicht erlernbar gilt. Bei Taifun Sports im Zooviertel sollen die Kinder allerdings nicht nur lernen, auf Polster zu schlagen. Sie sollen fit werden für die Welt – im mehrfachen Sinne.

„Für uns ist Krav Maga ein Weg zu lernen, wie man besser durch Leben geht“, sagt Rami Eslami, Erster Vorsitzender des Vereins Kampfsportfreunde Düsseldorf, der das Training hier ausrichtet. Die Kinder sollen sich ihrer Umgebung bewusst werden, aufmerksam und konzentriert durch die Straßen Düsseldorfs gehen. Sie sollen wahrnehmen, was sich in ihrem Augenwinkel abspielt, im Moment sein. „Wir wollen, dass sie schon durch ihre Körpersprache Selbstbewusstsein zeigen“, sagt Eslami. „Ein Selbstbewusstsein, das auch wirklich da ist.“ Egal, ob Mobbing in der Schule oder Belästigung durch einen Fremden auf dem Weg nach Hause: Die Kinder sollen in konfrontativen Situationen nicht in Angststarre verfallen. Klar ist: Auch mit Krav Maga kann ein Achtjähriger keinen erwachsenen Mann außer Gefecht setzen. Aber er soll in der Lage sein, sich so weit zu wehren, dass er weglaufen kann.

Auch Isabell (10) und Lotte (11) sind heute im Training. „Es geht darum, dass wir uns gut verteidigen können, wenn irgendwer auf der Straße uns komisch anspricht“, erklärt Isabell ganz selbstverständlich. „Damit wir direkt wegrennen können nach einem Unterleibstritt.“ Die beiden schauen aufmerksam zu, als Trainer Gregor eine weitere Übung demonstriert. „Wenn wir treten, welches Bein ist stärker?“, ruft er. „Das hintere“, brüllen alle 25 im Chor. „Warum?“, ruft Gregor. „Weil wir damit mehr Power haben!“, brüllt der Chor. „Und wo sind die Hände?“, ruft Gregor. „Oben!“, brüllt der Chor zurück. „Warum?“, ruft Gregor. „Damit wir keinen auf die Glocke kriegen!“ Letzte Frage und Antwort ist ein wiederkehrender Refrain im einstündigen Kurs. Einmal muss ein Mädchen zehn Liegestütze machen, weil sie die Hände in den Taschen ihrer Trainingshose hat. Sie tut es klaglos.

Zum Schluss muss sich jedes Kind einen Partner suchen, der etwas größer ist und so tut, als würde er es an den Handgelenken fortziehen wollen. Gregor Schmitz demonstriert, wie man sich mit einem Ruck befreit – über den Daumen, das schwächste Glied der Faust. „Dann schubsen, zweimal, feste“ sagt er. Dann simuliert das Gegenüber einen Schlag, den die Kinder kontern sollen. „Bei einem großen Menschen gehen wir auf den Solarplexus“, sagt Gregor. „Bei einem, der so groß ist wie wir, auf die Schultern. Guckt mal, so – dann kann er nicht mehr schlagen.“

Auch, wenn es im Kurs manchmal laut wird und Gregor energisch pfeifen muss: Eine Stunde lang üben die Kinder konzentriert, manche mit sichtbarem Ehrgeiz, das Gegenüber außer Gefecht zu setzen. Manche von ihnen können nicht mehr schreiben als ihren Namen, aber sie wüssten, wo sie hintreten müssten, um einem Erwachsenen sehr, sehr weh zu tun. Kein Kind, das im Kurs nach einem heftigen Schubser des Trainingspartners auf dem Boden landet, verzieht das Gesicht. Lachend stehen sie wieder auf, Jungen wie Mädchen. Davin ist fünf. Er muss lange nachdenken, als er gefragt wird, wie viel Power er hat – auf einer Skala von eins bis zehn. Er schaut an die Decke, dann strahlt er. „Elf!“, sagt er. Und stürmt zurück auf die Trainingsmatte.

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