Messerattacke in Düsseldorf : Gericht sieht im Totschlagsprozess die Tat auf Video

Seine eigenen Überwachungskameras filmten, wie ein 35-Jähriger den Freund seiner Schwester attackierte. Er ist inzwischen in psychiatrischer Behandlung. Hintergrund der Tat soll ein Familienstreit sein.

Selten kann sich ein Gericht ein so klares Bild vom Tatablauf machen wie die Schwurgerichtskammer, die seit Dienstag wegen versuchten Totschlags gegen einen 35-Jährigen verhandelt. Das Grundstück, auf dem er mit Mutter und Schwestern lebt, ist mit etlichen Überwachungskameras ausgestattet. Und die zeichneten auf. wie der gelernte Maurer im Januar den Lebensgefährten einer der Schwestern in dessen Auto mit einem Messer attackiert.

Die Kameras habe er zum Schutz seiner Familie installiert, sagte der Angeklagte. Um die Familie soll es auch bei dem Angriff mit einem dolchähnlichen Messer gegangen sein. Seit die Schwester mit dem 45-jährigen Opfer im Familienanwesen am Höherweg lebt, gibt es dort immer wieder Streit. „Er hat meine Familie beleidigt“, sagte der Angeklagte, ohne Anlass habe der Mann randaliert und unflätige Beschimpfungen ausgestoßen. Er selbst will dem Älteren deshalb aus dem Weg gegangen sein, nur ab und zu habe man sich im Vorbeigehen Schimpfworte zugebrüllt.

Er sei in den Monaten vor der Tat sehr traurig gewesen, schilderte der Angeklagte seinen Gemütszustand. Von Freunden und Nachbarn habe er sich zurückgezogen, und als er wegen eines Bandscheibenschadens auch seinen Sport aufgeben musste,. sei er noch tiefer in die Depression versunken. Als am Tattag erneut Schimpfwörter zwischen Bruder und Schwester und deren verhasstem Freund hin und her flogen, sei zur Traurigkeit die Wut gekommen, und erst, als das blutende Opfer am Boden lag und ihn ansah, sei ihm bewusst geworden, „dass ich etwas ganz schreckliches gemacht“ habe.

Tatsächlich hatte das angeblich der Dekoration dienende Messer mit der geschwungenen Klinge Leber, Galle und Darm des Opfers verletzt, das blutüberströmt in eine nahe Flüchtlingsunterkunft geflohen war. Bis heute ist der Gerüstbauer nicht arbeitsfähig. Der „Junge“, sagte er im Zeugenstand, würde ihm nie etwas getan haben. „Er tut mir leid. Die Mutter ist die treibende Kraft.“ Sie provoziere ihn und ihre Tochter immer wieder. Und das sei im Januar vollends eskaliert.

Das Schwarzweiß-Video aus der Überwachungskamera zeigt, wie der Angeklagte das Paar, das gerade wegfahren will, von der Terrasse aus beschimpft. Er wirft dem Freund der Schwester vor, „meine Familie kaputtgemacht“ zu haben.  Als die Mutter auf ihre Tochter zugeht, schreit diese nach der Polizei. Ihr Freund wählt den Notruf. Dann, steht plötzlich der Angeklagte am Auto, sticht auf ihn ein.  Das Video zeigt, wie das Opfer flüchtet, wie der Angeklagte ihm nachsetzt und Sekunden später mit dem Messer ins Haus zurückläuft und es über eine Mauer verlässt.

Die Staatsanwaltschaft geht von verminderter Schuldfähigkeit des Angeklagten aus, der sich damals selbst stellte. Er ist inzwischen in psychiatrischer Behandlung, kann sich an die Tat selbst nicht erinnern.  Das Video setzt ihm im Gerichtssaal sichtlich zu. Sein Anwalt spricht für ihn: „Es tut ihm unendlich leid.“

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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