Düsseldorf: Polizei stellt mutmaßliche SUV-Diebe - 20 Range Rover geklaut

1,5 Millionen Euro Schaden: Düsseldorfer Polizei nimmt mutmaßliche SUV-Diebesbande fest

Laut Düsseldorfer Polizei ist ein Schlag gegen eine Bande von Autodieben gelungen. Sie soll sich auf teure Range Rover spezialisiert haben, die mit Keyless-Go-Technologie ausgestattetet sind. Der Schaden: 1,5 Millionen Euro.

Ein hochwertiger SUV steht unter der Rheinkniebrücke auf dem Parkplatz vor dem Apollo. Einen Tag, zwei Tage lang. Kein ungewöhnlicher Anblick: In keiner deutschen Großstadt sind so viele SUVs gemeldet wie in Düsseldorf. Dann, am 20. Dezember gegen 13 Uhr, fährt ein Auto mit bulgarischem Kennzeichen auf den Parkplatz. Drinnen sitzen drei Männer und eine Frau. Einer der Männer steigt aus, läuft direkt auf den Range Rover zu, hantiert am Fahrzeug, will losfahren. In diesem Moment schlagen die Zivilfahnder der Düsseldorfer Polizei zu: Sie stellen sowohl den Mann im Range Rover als auch die Insassen des bulgarischen Autos.

Derzeit gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass in diesem Moment eine Diebstahlserie endete, die im September 2018 begonnen hatte. Bis zum 17. Dezember verschwanden aus Stockum und Oberkassel 20 hochwertige Autos, alle Range Rover, alle ausgestattet mit Keyless-Go-Technologie. Das bedeutet: Sie alle haben keinen Zündschlüssel, stattdessen trägt der Fahrer einen Chip bei sich. Nähert er sich dem Fahrzeug, erkennt es die Funkwellen und lässt sich auf Knopfdruck starten. Ein Komfortmerkmal, das viele teurere Autos mittlerweile haben – und das sich die Besitzer meist viel kosten lassen.

Doch die Technik ist anfällig – und das machen sich hochspezialisierte Autodiebe zunutze. „Bei der Serie war uns schnell klar, dass es sich nicht um irgendwelche Junkies handelt, die x-beliebige Autos knacken“, sagte Kriminalhauptkommissarin Martina Sandfort, Expertin für Kfz-Diebstahldelikte, bei der Pressekonferenz der Polizei am Freitag. Keyless-Go-Diebe besitzen Funkstreckenverlängerer. Mit einem sogenannten Keyscanner postieren sie sich möglichst nahe an dem Ort, wo sie den Schlüsselchip vermuten – also beispielsweise vor dem Haus, dem Café oder dem Friseur, in dem sich der Autobesitzer aufhält. Ein Komplize nähert sich mit einem Carscanner dem Auto. Die Funkwellen des Chips werden verlängert – das Auto lässt sich öffnen und starten. Die Diebe fahren davon.

„Das Problem der Diebe ist, dass die Autos sich nur einmal starten lassen“, sagt Sandfort. „Sie müssen das Auto also irgendwo hinstellen und technisch umrüsten, um es dann weiterfahren und verkaufen zu können.“

Genau das taten auch die mutmaßlichen Diebe der 20 gestohlenen SUVs nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft: Sie stellten die Autos irgendwo in Düsseldorf ab und bauten das Keyless-Modul aus, das auf den Chip reagiert. Dann verschickten sie es in Ausland – per Post. In diesem Fall ging die Sendung nach Bulgarien. Dort wurde das Modul umgerüstet und ein neuer Schlüsselchip programmiert. „Nach drei oder vier Tagen sind die Module wieder da“, sagt Sandfort.

Das machten sich die Fahnder der Ermittlungskommission 7 im vergangenen Jahr zunutze. Das Auto, das am frühen Morgen des 17. Dezember gestohlen wurde, konnten sie noch am gleichen Tag unter der Rheinkniebrücke orten. Mit Hilfe eines Ziviltrupps der Düsseldorfer Polizei legten sie sich auf die Lauer – und konnten schließlich die vier Bulgaren festnehmen. Ein weiterer Mann wurde später in einer Wohnung in der Elisabethstraße erwischt. Der Fahrer des bulgarischen Autos und der des Range Rovers befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Man warte noch auf Dokumente aus dem Ausland, sagte Staatsanwältin Laura Hollmann am Freitag, gehe aber davon aus, dass einer der beiden bereits in Belgien wegen ähnlicher Delikte in Haft gewesen sei.

Mindestens zehn der 20 Fälle führen die Ermittler auf die Bulgaren zurück. „Wir konnten durch die Festnahme die Serie stoppen“, sagt Kriminalhauptkommissarin Sandfort. Es habe bis Februar keine weiteren Taten gegeben. Dann verschwanden innerhalb von zwei Tagen wiederum zwei Range Rover aus Oberkassel. Die Polizei beobachtete eins der gestohlenen Autos und nahm zwei Ukrainer und einen Georgier fest. Seitdem habe es keine weiteren Diebstähle ähnlicher Art gegeben.

289 Autos werden jedes Jahr in Düsseldorf gestohlen – nicht alle davon sind hochwertige SUVs. Doch auch wenn bei teuren, neuen Autos die technischen Hürden sehr hoch sind, greifen die Diebe gerne zu. „In Afrika und Asien kosten die gestohlenen Autos teils mehr als der Neupreis“, so Sandfort. Einen gestohlenen SUV fand die Polizei in Spanien wieder, einen gar in Burkina Faso. Einer war in Antwerpen – bereit zum Verschiffen.

Düsseldorf sei bekannt unter Osteuropäern als lohnenswerte Destination. „Im Düsseldorfer Norden haben die Täter die Auswahl“, sagt Sandfort. „Hier müssen sie nur einmal die Straße rauf- und wieder runterfahren und finden direkt mehrere teure Fahrzeuge.“

Den Besitzern von Autos mit Keyless-Go-Technologie rät die Polizei, ihre Schlüsselchips in Blechdosen mit Deckel aufzubewahren. Diese blockieren die Funkwellen. „Man sollte außerdem bei einem so teuren Auto auch noch ein paar tausend Euro in Ortungstechnologie investieren“, sagt Sandfort. Dann habe die Polizei eine Chance, das Fahrzeug zu finden, wenn es gestohlen werde. Immerhin: Sechs von 20 der Ende 2018 gestohlenen Autos haben ihren Weg zum Besitzer zurückgefunden.

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