Düsseldorf: Polizei gibt Tipps für den sicheren Heimweg

Zu später Stunde allein unterwegs : Polizei Düsseldorf gibt Tipps für sicheren Heimweg

Die Überfälle auf zwei Frauen im Hof- und im Volksgarten haben in diesem Jahr vor allem die Düsseldorferinnen verunsichert. Aber auch immer mehr Männer fühlen sich unwohl, wenn sie zu später Stunde allein unterwegs sind.

Firmen und Vereine laden in diesen Tagen zur Weihnachtsfeier. Was in der Regel als feucht-fröhliche Tradition beliebt ist, wird für viele zum Problem. Denn irgendwie muss man hinterher ja auch nach Hause kommen.

Auch wenn die Zahl der Überfälle auf den Düsseldorfer Straßen seit Jahren sinkt, machen Fälle wie der einer 22-Jährigen, die im vergangenen November im Volksgarten von vier Männern vergewaltigt wurde, vor allem den Frauen Angst. Manch eine bleibt abends lieber zu Hause, als sich alleine auf den Weg zu machen.

Peter Werkmüller gibt Tipps für den sicheren Nachhauseweg. Foto: Bauer, RP

Das Präventionskommissariat der Düsseldorfer Polizei kennt diese Ängste, die übrigens nicht nur Frauen betreffen. „Auch einige Männer haben die Informationsveranstaltung besucht, die wir kürzlich speziell zu diesem Thema erstmals angeboten haben“, sagt Peter Werkmüller.

Der Kriminalhauptkommissar hat eine ganze Reihe von Empfehlungen auf Lager, die vor Straftaten schützen können. Wobei die Betonung auf „können“ liegt, denn „absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagt Werkmüller. Auch, wer alle seine Anregungen befolgt, könnte also zum Opfer werden. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer.“

Besser Planen Wer abends ausgeht, sollte nicht nur den Hin-, sondern auch den Heimweg vorher planen. Denn nach zwei oder drei Glühwein trifft man nicht unbedingt vernünftige Entscheidungen. Deshalb: Verabreden Sie sich mit anderen Gästen, damit Sie nicht allein los müssen, teilen Sie sich vielleicht ein Taxi. Und wenn das nicht in Frage kommt, sagt Werkmüller: „Legen Sie vorher fest, welchen Weg Sie nehmen.“ Denn das kurze Stück zum Bahnhof, das am Tag ganz harmlos wirkt, kann in der Nacht zum einsamen Angstraum werden.

Helle Wege Die sichersten Wege, sagt der Hauptkommissar, erfüllen die drei L-Kriterien: Lärm, Licht, Leute. „Gehen Sie lieber einen Umweg als durch einen dunklen Park.“ Und bevorzugen Sie belebte Straßen. In Bus und Bahn sollte man sich möglichst einen Platz in der Nähe von Schaffner oder Fahrer suchen, wenn das nicht geht: Bleiben Sie in der Nähe des Notrufknopfs. Das gilt auch für den Bahnsteig.

Handy laden Zur Vorbereitung gehört heutzutage unbedingt: Laden Sie Ihr Handy auf. Und lassen Sie es nicht in der Handtasche verschwinden, sondern halten Sie es immer griffbereit. Wer sich unsicher fühlt, kann auf dem Heimweg mit Freunden telefonieren. „Wenn wir mit anderen reden, macht uns das stärker, die Ausstrahlung ändert sich“, sagt Werkmüller Und wer selbstbewusst wirkt, wird von Straftätern seltener als Opfer auserkoren.

Hilfsmittel Wer nicht mitten in der Nacht Freunde ans Telefon holen will, kann sogenannte Heimweg-Telefonservices oder Begleitapps nutzen. Die Polizei empfiehlt unter anderem Wayguard, Vivatar und MyBodyguard. Einige dieser Dienste sind kostenfrei, „die wollen natürlich Daten – das muss jeder für sich selbst abwägen“ sagt Werkmüller, der von Bewaffnung mit Pfefferspray oder gar Schreckschusswaffen dringend abrät. „Wer damit nicht geübt umgeht, gibt schneller dem Angreifer auch noch eine Waffe in die Hand.“

Der Hauptkommissar hat selbst immer eine kleine, aber leistungsstarke Taschenlampe dabei, zum Ausleuchten des Weges, aber auch, weil man Angreifer damit blenden kann. Nützlich außerdem: Ein Schrillalarm in der Handtasche, der per Reißleine ausgelöst wird und laut genug ist, um die Nachbarschaft aufzuschrecken.

Im Ernstfall Wer sich verfolgt fühlt, sollte seine Richtung ändern. „Überqueren Sie die Straße im rechten Winkel“, sagt Werkmüller, versuchen Sie, den Verfolger abzuschütteln und einen belebten Platz aufzusuchen. Wenn keiner da ist, gehen Sie zielstrebig auf ein Wohnhaus zu und klingeln Sie. „Egal wie spät es ist: Schlimmstenfalls schimpft von oben einer, dass er wegen Ruhestörung die Polizei ruft – das schreckt den Verfolger ja auch ab.“

Wenn Sie angegriffen werden: Keine Handtasche ist es wert, dafür sein Leben zu riskieren, lassen Sie sie lieber los. Fordern Sie den Belästiger auf, Sie in Ruhe zu lassen, und wahren Sie dabei auch sprachlich die Distanz. Denn duzt man einen Täter, werden zufällige Zeugen glauben, dass man sich kennt und sich nicht einmischen.

Sicher helfen Apropos einmischen: Wer das tut, tut das Richtige. Aber nur, wenn er sich nicht selbst gefährdet. Zivilcourage ist auch der Anruf beim Notruf aus sicherer Entfernung, sagt Werkmüller. „Es nützt niemandem, wenn wir am Ende zwei Verletzte versorgen müssen.“