Düsseldorf: MEK fasst falsche Polizisten bei Geldübergabe

Telefonbetrug : Falsche Polizisten bei Geldübergabe gefasst

Zwei Teenager wollten Geld und Schmuck einer alten Dame. Sie sind wohl nur die Kuriere der eigentlichen Betrüger, die angeblich vom Notruf 110 aus der Türkei deutsche Senioren anrufen und sich als Fahnder ausgeben.

Auf der Irmgardstraße sollten ein 16- und ein 17-Jähriger am Freitagnachmittag das Geld einer alten Dame abholen. Statt der erhofften fetten Beute eines Trickbetrugs erwarteten die beiden allerdings maskierte Männer mit Handschellen – ein mobiles Einsatzkommando der Düsseldorfer Polizei.

Der entscheidende Hinweis kam aus einer Bank. Der Sachbearbeiter einer Düsseldorferin  wurde stutzig, als die wohlhabende alte  Dame einen hohen Geldbetrag abheben wollte und alarmierte die Polizei. Die hörte fortan mit, wie angebliche Kollegen tagelang die Seniorin am Telefon terrorisierten.

„Man redete der Frau ein, dass  die Polizei Hinweise auf  eine Bande habe, die gezielt ihr Vermögen rauben wolle“, berichtet Polizeisprecherin Susanna Heusgen. Die falschen Polizisten wollten Geld und Schmuck der Frau angeblich  in Sicherheit bringen. Die Anrufer machen sich dabei eine technische Möglichkeit zunutze, die eigentlich für im Ausland sitzende Callcenter deutscher Unternehmen erdacht wurde: Call-ID-Spoofing. Bei Anrufen aus dem Ausland kann man so in den Displays in Deutschland jede beliebige Nummer erscheinen lassen. Die Betrüger verwenden oft die 110, weil diese Nummer für Jedermann in Deutschland als Polizeinotruf bekannt ist.

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„Natürlich würde die Polizei niemals von der Notrufleitung aus jemanden anrufen“, sagt Heusgen. Aber die Nummer, gepaart mit den meist eindringlichen Warnungen vor einer unmittelbaren Gefahr durch Kriminelle, denen die Polizei angeblich gerade auf die Spur gekommen sei, lässt offenbar vor allem ältere Menschen schnell an die Echtheit des Anrufs glauben.

So ging es auch der Dame, die die Jugendlichen im Visier hatten. Zweimal hatten die falschen Polizisten am Telefon – die mutmaßlich irgendwo in der Türkei sind – sie schon  dazu überredet, Geld und Wertsachen an die Kuriere zu übergeben. Jedesmal war die Seniorin  zu Übergabeorten irgendwo im Stadtgebiet gelotst worden – angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit, tatsächlich aber, damit die Täter nicht Gefahr liefen, in der Nachbarschaft aufzuffallen. Weil sie offenbar glaubten, mit der Seniorin leichtes Spiel zu  haben, setzten sie sie derart unter Druck, dass die Frau nun auch noch Geld von ihrem Konto abheben wollte. In vergleichbaren Fällen hatten falsche Polizisten ihren Opfern eingeredet, sie seien gerade betrügerischen Bankern auf den  Fersen, die Privatkonten plündern würden.

Dank des aufmerksamen Bankmitarbeiters waren am Freitag Fahnder des Betrugskommissariats und  das MEK dabei, als die –eingeweihte – Seniorin das Geld übergab. Als die Täter mit ihrer Beute in ein Taxi stiegen, griffen die Polizisten zu. Dabei wurde einer der Jugendlichen und auch der ahnungslose Taxifahrer leicht verletzt. Die beiden Jugendlichen werden noch vernommen.  Die Ermittlungen zu ihren Hintermännern dauern noch an.

Bereits seit einigen Tagen  hat die Polizei registriert, dass die Betrüger offenbar gezielt in Düsseldorf auf Opfersuche sind. Täglich gingen Anzeigen über entsprechende Anrufe ein, am Donnerstag allein acht aus Unterbach. „Zum Glück haben die Angerufenen die Masche durchschaut und sofort aufgelegt“, sagt Susanna Heusgen. Das ist nicht immer so. Allein 2017  haben die Betrüger in Düsseldorf mehr als eine halbe Million Euro erbeutet.

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