Düsseldorf: Libanesischer Clan zerlegt 110 gestohlene Autos

Schlag gegen Organisierte Kriminalität in Düsseldorf : Verbrecher-Clan schlachtet 110 gestohlene Autos aus

Libanesischer Clan zerlegt hunderte gestohlene Autos in Düsseldorf

Im Umfeld der Düsseldorfer Automeile betrieb die libanesische Großfamilie offenbar einen schwungvollen Handel mit den Einzelteilen gestohlener Fahrzeuge. Die haben einen Gesamtwert von mindestens vier Millionen Euro.

Die Ermittlungskommission „Metzger“ hat am Dienstag mit der vorerst letzten von 21 Durchsuchungen der Clan- und der internationalen Kfz-Kriminalität einen bedeutenden Schlag versetzt. In mehreren Hinterhofwerkstätten und -hallen haben die Fahnder unzählige Autoteile sichergestellt, die Asservatenliste umfasst derzeit 1208 Teile, die von mehr als 100 gestohlenen Autos stammen. Gegen 15 Männer, die einem aus dem Libanon stammenden Familienclan angehören, wird wegen Bandenhehlerei und auch wegen schweren Diebstahls ermittelt.

Nicht zuletzt, weil sämtliche Beschuldigte auf freiem Fuß sind, bleiben die Urheber des Ermittlungserfolgs anonym. „Wir haben es mit einem schwierigen und auch gefährlichen Milieu zu tun“, sagte Polizeisprecher Markus Niescery. Neben all den Einzelteilen gestohlener Autos hat die Polizei auch eine scharfe Waffe samt Munition bei einem der Beschuldigten sichergestellt.

Anders als im Ruhrgebiet, wo kriminelle Clans sich teils offene Revierkämpfe im Rotlicht- und Drogengeschäft liefern, blieben sie in Düsseldorf eher im Verborgenen beim Geschäft mit Autoteilen, sagte Kriminaldirektor Dietmar Kneib. Ein lukratives Geschäft: Allein die 110 gestohlenen Fahrzeuge, denen sich die sichergestellten Teile zuordnen lassen, haben einen Gesamtwert von rund vier Millionen Euro. Wieviel die Bande mit dem Verkauf der Einzelteile verdiente, auf welchen Wegen diese weiterverkauft wurden – dazu schweigen die Ermittler aus taktischen Gründen. Denn auch wenn sie seit April etliches über den Clan und seine Strukturen herausgefunden haben: „Wir kratzen da noch an der Oberfläche, sind mit den Ermittlungen noch lange nicht am Ende“, sagt Kneib.

Im April hatte die Polizei erstmals einen anonymen Hinweis auf die Aktivitäten des Clans erhalten, der bevorzugt BMWs aller Baureihen, Audi- und Mercedes-Limousinen verwertete, die in der Region Düsseldorf, im Großraum Aachen und dem benachbarten Ausland gestohlen wurden. Doch erst eine Anfrage aus Belgien brachte die „EK Metzger“, die so heißt, weil die Beschuldigten die Fahrzeuge regelrecht ausschlachten, auf die konkrete Spur. An einem Juli-Montag um 10 Uhr traf ein Fax ein, berichtet die Ermittlerin. „Die belgischen Behörden hatten einen Mercedes in Düsseldorf geortet, der einen Tag zuvor in Belgien gestohlen wurde. Um 11.30 Uhr standen wir vor dem bereits zerlegten Wagen.“

Einen 27-Jährigen nahmen die Beamten in der Werkstatt am Tichauer Weg fest, wegen Hehlerei in zwei Fällen (auch ein gestohlener BMW wurde bei ihm gefunden) wurde er inzwischen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Verhaftung focht die übrigen Mitglieder des Clans offenbar nicht an. Im Schatten der Düsseldorfer Automeile, in unscheinbaren Hallen am Tichauer Weg, der Königsberger und der Posener Straße gingen die Geschäfte des Clans aber unverdrossen weiter. Zehn Tage nach der Entdeckung des Mercedes hob die Polizei weitere Lager der Bande aus, vier Wochen später wurden Wohnungen durchsucht, darunter auch die eines Schrotthändlers, der nach dem Ausschlachten die Karossen der Autos entsorgt haben soll.

Haftbefehle wurden vorerst nicht beantragt. Die Ermittlungskommission muss erst ihr umfangreiches Beweismaterial auswerten. Dietmar Kneib erklärt: „Wir arbeiten auf  Verurteilungen hin“ Und die könnten auf bis zu zehn Jahre Haft lauten.

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