Düsseldorf: Falschparker behindern die Feuerwehr

Falschparker blockieren den Weg : Warum es für die Feuerwehr in Düsseldorf schwer ist, zum Einsatzort zu kommen

So behindern Falschparker die Feuerwehr in Düsseldorf

Immer wieder behindern Falschparker Feuerwehr und Rettungskräfte auf der Fahrt zu Einsätzen. Abschleppen hilft nur bedingt.

„Ich komm hier nicht durch“, ruft der Feuerwehrmann am Steuer des rot-weißen Buses. Er klingt resigniert. Die T-Kreuzung Oldenburger Straße/Rendsburger Weg in Unterrath ist gnadenlos zugeparkt. Fünf Minuten muss er mit Hilfe eines Kollegen rangieren, um um die Ecke zu kommen. Zum Glück hat er es nicht so eilig wie sonst immer. Er transportiert heute keine Brandretter, sondern Journalisten - auf dem Weg zu einem Pressetermin, bei dem es um völlig zugeparkte Straßen geht, und die Schwierigkeiten, die sie der Feuerwehr machen.

„Autos behindern Feuerwehr“, „Falschparker behindern Feuerwehr bei Einsatz“, „Falschparker bremsen Löschzug der Feuerwehr aus“ – Monat für Monat finden sich diese Schlagzeilen auf RP Online und in der Rheinischen Post. Es könnte auch öfter sein – denn die Feuerwehr hat regelmäßig ein Problem mit Autos, die im Weg stehen. „Dass tagsüber Kurzzeitparker im Weg stehen, ist fast täglich der Fall“, sagt Pressesprecher Christopher Schuster. „Etwa einmal im Monat haben wir Fälle, wo wir abends oder nachts gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten an geparkten Autos vorbeikommen.“

Schmale Straßen, breite Autos, Falschparker

Bei der Rundfahrt durch Unterrath zeigt sich schnell: Selbst wenn Autofahrer regulär parken, hat die Feuerwehr mit ihren Autos oft keine Chance. Kein Wunder: Der durchschnittliche Pkw wird immer breiter und länger. Viele fahren halt gerne SUV. Die Straßen sind aber nicht mitgewachsen. In vielen Teilen von Düsseldorf sind sie schmal, aber aus gewissermaßen historischen Gründen weiterhin beidseitig beparkbar. Dann bleibt nicht mehr genug Platz für die Awista, für Linienbusse – oder eben die Feuerwehr, wenn es brennt.

Ein großes Problem sind aber auch Falschparker. Allein 2017 sprach die Verkehrsüberwachung wegen zugeparkter Feuerwehrbewegungszonen und -zufahrten 2708 Verwarnungen aus. Das waren 40 Prozent mehr als 2016 (1918). 436 Mal wurde abgeschleppt (2016: 309). Vergleicht man die erste Jahreshälfte 2018 mit der des Vorjahres, zeigt sich eine leicht steigende Tendenz bei den Abschleppungen: Von Januar bis Juni 2018 waren es 287, im Vorjahr 212.

Vielen Autofahrern in Düsseldorf sei gar nicht bewusst, wie viel Platz ein Feuerwehrauto brauche, sagt Feuerwehrsprecher Schuster: Die Fahrzeuge seien 2,50 Meter breit. Drei Meter brauche man daher auf gerader Strecke, um auch noch aussteigen und entladen zu können. In Kurven brauche ein zehn Meter langer Drehleiterwagen bis zu fünf Meter Platz in der Breite, um rangieren zu können. Doch häufig genug parken Autofahrer im Kreuzungsbereich - obwohl eigentlich fünf Meter im Einmündungsbereich frei bleiben müssen. Dazu kommt das Problem mit den immer breiter werdenden Autos. In der Irenenstraße, durch die es an diesem Nachmittag bei der Demonstration auch geht, wird das Amt für Verkehrsmanagement demnächst ein Parkverbot auf einer Straßenseite aussprechen. Dass die so verdrängten Autos dann woanders die Straßen verstopfen werden, ist dabei jedem Beteiligten klar. Rat der Verkehrsmanager und des Ordnungsamts: Quartiersgaragen nutzen oder aufs Auto ganz verzichten. Derzeit steigen aber die Zulassungszahlen in Düsseldorf noch.

Stadt muss zahlen, wenn Feuerwehr Autos beschädigt

Wenn sie nicht durchkommt, versucht die Feuerwehr normalerweise erst, einen anderen Weg zum Einsatzort zu finden. Das kostet Zeit. Wenn keine Alternativroute möglich ist, drücken die Feuerwehrfahrzeuge im Extremfall die falsch geparkten Autos aus dem Weg. Das ist aber nicht nur schlecht für die Falschparker – auch die Feuerwehrautos nehmen dadurch Schaden. Die Computersensoren an der Drehleiter geben im schlimmsten Fall den Geist auf. Dann ist das Hightech-Gerät umsonst am Einsatzort, es ist unbrauchbar. Hinzu kommt: Beschädigt ein Feuerwehrauto einen Privat-Pkw, muss die Stadt den Schaden begleichen - selbst bei Falschparkern. Meist werden Ordnungsamt und Polizei gerufen, um die Fahrzeughalter zu ermitteln und die Autos abzuschleppen. Nur nützt das im Brandfall wenig – es dauert zu lange.

Besonders groß ist das Problem in innenstadtnahen Stadtteilen, wo viele Menschen wohnen, aber es wenig Parkplätze gibt: Mitte August beispielsweise kam der Einsatzwagen mit Drehleiter in Düsseltal nicht weiter. Auf der Kreuzung Scheidtstraße/Speldorfer Straße mussten die Feuerwehrleute erst langwierig rangieren, bevor sie einen Küchenbrand in einem Mehrfamilienhaus löschen konnten. Im Juli gab es einen ähnlichen Fall in Unterbilk: Vier Falschparker auf der Kreuzung Lorettostraße/Weiherstraße blockierten den Weg, auch auf der Alternativ-Route über die Bilker Allee und die Konkordiastraße wurde die Feuerwehr behindert. In den nächsten fünf Tagen nahm das Ordnungsamt die Weiherstraße mal genau unter die Lupe – und verteilte 266 Knöllchen.

In keinem der fünf Fälle, die die Feuerwehr 2018 veröffentlicht hat (siehe Kasten), sind Menschen zu Schaden gekommen. Doch das ist wohl eher eine Frage des Glücks. „Wenn Menschen über die Notrufnummer 112 Hilfe rufen, geht es oft genug um wenige Sekunden“, sagt Christopher Schuster von der Feuerwehr. „Wenn die Einsatzwagen dann verspätet oder gar nicht am Unglücksort ankommen, kann das schlimme Folgen für die Menschen haben.“

Das ist kein Spruch. Schafft es ein Bewohner nicht, eine verrauchte Wohnung alleine zu verlassen, können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. In den zwei Minuten, die es die Feuerwehr kostet, an einem Falschparker vorbeizurangieren, kann sich ein entstehender Zimmerbrand zu einem Vollbrand entwickeln. Der im Zweifel auch mal Menschenleben kosten kann.

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