Vorfall in Düsseldorf-Bilk Fahrerin verursacht tödlichen Unfall und flüchtet – weil sie zur Arbeit muss

Update | Düsseldorf · Nach einem schweren Unfall in Düsseldorf-Bilk ist ein Motorradfahrer gestorben. Er musste einem Auto ausweichen. Die Fahrerin stieg noch aus, ging zu dem Verletzten und fuhr dann weiter – weil sie zur Arbeit musste.

An dieser Stelle Auf’m Hennekamp passierte der Unfall.

An dieser Stelle Auf’m Hennekamp passierte der Unfall.

Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Ein Motorradfahrer ist am Donnerstagmorgen nach einem schweren Verkehrsunfall in Düsseldorf-Bilk gestorben. Er musste einem Auto ausweichen, das verbotswidrig gewendet hatte. Die Fahrerin war wohl noch ausgestiegen, fuhr dann aber weiter.

Der Motorradfahrer war nach dem Ausweichmanöver auf der Straße Auf'm Hennekamp gestürzt und gegen einen Baumschutzbügel geschleudert. Der 60-jährige Biker aus Düsseldorf musste vorher einer Autofahrerin ausweichen, die offenbar verbotswidrig gewendet hatte. Die Fahrerin flüchtete vom Unfallort. Der Biker erlag wenig später seinen Verletzungen.

Laut Polizei fuhr die Frau am Morgen um kurz vor 6 Uhr auf der Straße Auf'm Hennekamp in Richtung Witzelstraße. Kurz hinter der S-Bahn-Unterführung, in Höhe der Redinghovenstraße, wendete sie ihr Fahrzeug verbotswidrig. Der Kradfahrer fuhr in diesem Moment in Gegenrichtung Auf'm Hennekamp und versucht, noch durch ein Brems- und Ausweichmanöver dem Fahrzeug der Frau auszuweichen. Dabei verlor er die Kontrolle und stürzte zu Boden. Laut Polizei soll es keine Berührung zwischen den beiden Fahrzeugen gegeben haben.

„Zeugen haben gesagt, die tatverdächtige Frau hätte angehalten, sei zu dem Verletzten gegangen, habe ihn angeschaut und sei dann weitergefahren“, sagte ein Polizeisprecher. Dabei habe sie gesagt, sie müsse weiter zur Arbeit. Laut ersten Informationen soll sie auch keinen Krankenwagen gerufen haben. Das hätten, so der Sprecher, die anwesenden Zeugen gemacht. Der Motorradfahrer ist dann wenig später in einem Krankenhaus gestorben.

„Die Zeugen konnten die Frau sehr gut beschreiben und haben sich auch das Kennzeichen notiert“, sagte der Polizeisprecher. So hätte die 40-jährige Düsseldorferin ziemlich schnell an ihrer Arbeitsstelle ermittelt werden können. Führerschein und Fahrzeug der Tatverdächtigen wurden sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.

Die Überfahrt der Straßenbahngleise an der Unfallstelle, an der die Fahrerin gewendet hat, darf nur von Fahrzeugen benutzt werden, die aus der Redinghovenstraße kommen und nach links auf den Hennekamp in Richtung Südring abbiegen wollen.

In Düsseldorf wurden im vergangenen Jahr knapp 6000 Fälle von Unfallflucht registriert, rund 1000 weniger als 2020. Im weit überwiegenden Teil der Fälle ging es dabei um Bagatellschäden: Nach Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kamen, entfernten sich 279 mutmaßliche Verursacher. Mehr als 66 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt.

Im Strafgesetzbuch heißt Fahrerflucht "unerlaubtes Entfernen vom Unfallort". Das gilt juristisch als Vergehen und kann mit Geldstrafen, aber auch mit bis zu dreijährigen Freiheitsstrafen bestraft werden. Kommt der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung oder gar der fahrlässigen Tötung hinzu, kann aus dem Verkehrsdelikt auch ein Verbrechen werden, das mit langjährigen Haftstrafen belegt wird.

(csr/sg)
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