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"Black Lives Matter" in Düsseldorf - Tausende gegen Rassismus auf der Straße

Protest in Düsseldorf : Lautstarke Anti-Rassismus Demo vor dem Landtag

Zum zweiten Mal hat die Initiative „SIlent Demo Düsseldorf“ zur Demonstration in Düsseldorf aufgerufen. Die Teilnehmer sprachen sich gegen Rassismus und für eine vielfältigere Gesellschaft aus. Anstelle der erwarteten 5000, waren nur knapp 550 Demonstranten vor Ort.

Anas Al-Qura´an steht mit ernster Miene auf der Bühne und hält zwei Buntstifte in die Luft. „Wir vom Jugendrat haben überall in Düsseldorf Menschen gefragt, welche Farbe diese beiden Stifte haben. Fast alle haben den hellen Stift als Hautfarbe bezeichnet“, ruft der 16-Jährige. „Doch das ist falsch! Es gibt keine feste Hautfarbe. Jeder Hautton ist individuell“, fährt er fort. Die Zuhörer vor der Bühne reagieren mit lautem Jubeln und Klatschen.

Gut 550 Menschen haben sich nach dem Vorbild der „Black Lives Matter“-Bewegung vor dem Landtag in Düsseldorf versammelt, um gemeinsam gegen Rassismus zu demonstrieren. Bereits Anfang Juni hatte die Initiative „Silent Demo Düsseldorf“ zu einem Protestmarsch in der Landeshauptstadt aufgerufen. Anstelle der erwarteten 2000 Demonstranten beteiligten sich damals rund 20.000 Menschen an der Aktion. Dieses Mal rechneten die Veranstalter im Vorfeld mit gut 5000 Teilnehmern, doch es kamen deutlich weniger Menschen. „Das öffentliche Engagement gegen Rassismus war leider eine Art Trend, der langsam wieder abebbt“, sagt Sephora Bidiamba, die mit zwölf anderen Aktivistinnen und Aktivisten die Demonstration organisiert. „Dabei ist es extrem wichtig, weiterhin darauf aufmerksam zu machen. Deswegen werden wir auch nicht damit aufhören.“

Wie viele hier sieht sich Bidiamba in ihrem Alltag immer wieder mit subtilen und offenen Formen des Rassismus konfrontiert. „Das beginnt bei Kleinigkeiten. In der Straßenbahn werden bei uns viel häufiger Dunkelhäutige kontrolliert“, berichtet Arafat, der mit seiner Freundin aus Duisburg angereist ist. „Auf der Straße wird mir auch gerne hinterher gerufen, dass ich in mein Land zurückgehen soll. Das tut schon ziemlich weh.“

Während der gesamten Veranstaltung wird von freiwilligen Ordnern darauf geachtet, dass Abstände eingehalten und Masken getragen werden. Das funktioniert bis auf einige wenige Ausnahmen gut. „Wir haben natürlich auch eine Verantwortung den Menschen gegenüber und sind deswegen sehr darauf bedacht, die Corona-Regelungen einzuhalten“, berichtet Sumejja Dizdarivic, die ebenfalls zum Organisationsteam gehört. Wenig später steht die 19-Jährige mit einem Megafon auf der Bühne und erklärt, dass die Demonstration dieses Mal direkt vor dem Landtag abgehalten wird, um die Politiker direkt anzusprechen. Vor allem die Entscheidung von Innenminister Horst Seehofer gegen eine „Racial Profiling“-Studie bei der Polizei ärgert sie: „Wir machen einen Schritt nach vorne und Herr Seehofer drei Schritte zurück.“

Hauptsächlich haben sich jüngere Leute vor dem Landtag versammelt, doch es gibt auch Ausnahmen. Peter-Paul Ernst sitzt ebenfalls auf der Wiese vor der Bühne und hört konzentriert den verschiedenen Rednern zu. Der 86-Jährige möchte ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. „Ich habe zwei Diktaturen erlebt und bin damals aus der DDR geflohen. Seitdem verfolge ich die Politik sehr aufmerksam“, berichtet Ernst. Er betrachtet den zunehmenden Rassismus mit großer Sorge.

Neben den Reden gehören auch Poetry-Slam Vorträge, Erfahrungsberichte von Rassismusopfern und musikalische Auftritte zum Programm bei der Demonstration. Immer wieder skandieren die Anwesenden lautstark „No Justice. No Peace“ und „George Floyd“. Der Afroamerikaner war Ende Mai in den USA von einem Polizisten getötet worden. Viele Demonstranten haben seinen verzweifelten Ausruf „I can't breathe“ auf Pappschilder geschrieben und stehen mit erhobener Faust für mehr Akzeptanz und ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft ein. Dass sich dieses Mal weniger Menschen versammelt haben, stört sie nicht. „Natürlich wäre es schön gewesen, in einer größeren Gruppe zu demonstrieren. Ich würde hier aber auch alleine stehen. Es geht schließlich darum, seine moralischen Überzeugungen und Solidarität mit den Opfern zu zeigen“, erzählt Fiora, die mit ihrer Schwester Julia bereits an der Demonstration im Juni teilnahm. „Jeder hat eine Stimme und die sollte man auch nutzen.“

Viele Teilnehmer der Demonstration trugen schwarze Oberbekleidung, um ihren Protest gegen die Tötung des 46 Jahre alten Afroamerikaners George Floyd zum Ausdruck zu bringen. Dieser war am 25. Mai von einem weißen Polizisten im US-amerikanischen Minneapolis bei einem Einsatz getötet worden.

Veranstalter der Demonstration war eine Initiative „Silent Demo Düsseldorf“. Anfang Juni hatten nach Angaben der damaligen Organisatoren gut 20.000 Menschen an einer friedlichen Schweige-Demonstration durch die NRW-Landeshauptstadt teilgenommen.