Serie "Düsseldorf wächst": Bilk, Pempelfort und Gerresheim boomen

Serie "Düsseldorf wächst" : Bilk, Pempelfort und Gerresheim boomen

Es dauerte etwas, bis die Stadt Düsseldorf die Zeichen der Zeit erkannte und auf Touren kam. Jetzt aber ist der Motor angeworfen: Es gibt den politischen Willen, rasch viele Wohnungen zu bauen und dabei für eine gesündere Mischung der Angebote und Preise zu sorgen.

Dafür steht das Handlungskonzept Wohnen, das im Sommer verabschiedet wurde. Es sieht bei Projekten von mehr als 100 Wohnungen 20 Prozent öffentlich geförderte und 20 Prozent preisgedämpfte Wohnungen vor, was Kaltmieten von 8,50 bis zehn Euro bedeutet.

Ganz wichtig ist aber auch, dass es nun in der städtischen Bauaufsicht mehr Mitarbeiter gibt und Verfahren schneller abgewickelt werden können. Ordnungsgemäß nämlich muss das Aufkommen bewältigt werden, vom Einfamilienhaus bis zur Großsiedlung.

Neue Projekte In den letzten Wochen gab es immer wieder Nachrichten über Wohnungsbauprojekte, die größer ausfallen. Sie führen dazu, dass der vorliegende und immer noch geltende Demografiebericht der Stadtverwaltung von 2011 wohl bald korrigiert werden muss. "Jede Prognose ist nur so gut wie die Annahmen, von denen sie ausgeht", heißt es in dem Bericht.

Auf unserer Grafik, die auf dem Demografiebericht fußt, werden sich deswegen einige der insgesamt 49 Stadtteile anders entwickeln als dargestellt. Beziffern wollen das die Profis der Stadt noch nicht. Bedeutende Beispiele sind Gerresheim, wo im Glasmacherviertel nun nicht rund 600, sondern 1400 Wohnungen entstehen. Die Erwartung, dass es dort 2025 lediglich 335 Neubürger gibt, muss also nach oben korrigiert werden. Ähnlich sieht es im Grafental hinter der Metro aus (300 Wohnungen mehr).

Top-Stadtteile Die Folge: Düsseldorf wird 2025 wohl mehr als die erwarteten 605 500 Einwohner — ein Plus von 17 370 gegenüber 2010 — haben. Besonderes Wachstum ist bereits heute zu erwarten in Bilk (plus 4546), Oberbilk (+ 3409) und Friedrichstadt (plus 1966), Pempelfort (+ 4268) und Derendorf (+ 2015) sowie Gerresheim zu erwarten, wo in den Plänen für das neue Viertel Gewerbe durch Wohnungen ersetzt wurde.

Verteilung Trotz dieser punktuellen Abweichungen zeigen die Zahlen insgesamt, dass die Landeshauptstadt vor allem im Ring jener Viertel wächst, die rund um die Innenstadt platziert sind. Je mehr es dann Richtung Stadtrand geht, werden auch sinkende Zahlen vorausgesagt. Wie in Holthausen (minus 1053) oder Eller (- 940), Niederkassel (- 501) und Lichtenbroich (- 449).

Zuzug Düsseldorf wächst vor allem wegen des Zuzugs junger Menschen zwischen 18 und 30 Jahren; die Stadt verliert dagegen bei Senioren und — trotz Gratis-Kita — bei jungen Menschen in der Familiengründungsphase. Die Bildungswanderung sorgt dafür, dass gewisse für Studenten und Berufsanhänger attraktive Stadtteile statistisch nicht altern. Dazu gehören etwa Ober- und Unterbilk sowie Bilk, hohe Anteile junger Menschen von um die 40 Prozent gibt es auch in Pempelfort, Hamm und Friedrichstadt. Das Durchschnittsalter in Düsseldorf liegt aktuell bei 43,2 Jahren.

Wer zieht wohin? Interessant ist auch, welche Stadtteile für jene Menschen anziehend sind, die von außerhalb in die Landeshauptstadt ziehen. Spitzenwerte erreicht etwa die Innenstadt oder Lörick, wo jeweils 66,6 Prozent der Zuzüge von außerhalb kommen, Pempelfort (60,8 %), Friedrichstadt (63,2 %), Bilk (61,7 %) und Oberbilk (60,9 %). Da kann auch das trendige Flingern-Nord mit 54,4 Prozent nicht mithalten. Am anderen Ende der Skala liegen Stadtteile, die ab vom Schuss sind oder deren Charme für Auswärtige noch zu entdecken ist: wie Lierenfeld (42 %), Lichtenbroich (35,7 %), Himmelgeist (37,5 %), Itter (27,8 %) oder aber Eller (45,2 %).

(RP)
Mehr von RP ONLINE