Düsseldorf: Bikesharing in Düsseldorf -nützlich oder störend?

Düsseldorf: Bikesharing in Düsseldorf -nützlich oder störend?

1700 Leihfahrräder gibt es inzwischen in Düsseldorf. Bald sollen es noch mehr werden. Die Radstationen nehmen immer mehr Platz ein. Wie das Angebot angenommen wird, ist unklar.

Immer mehr Leihräder sind in Düsseldorfs Innenstadt zu finden: Vor rund zwei Monaten hat Ford in Kooperation mit der Deutschen Bahn das Fahrradverleihsystem FordPass Bike eingeführt. 1200 der blauen Fahrräder können seitdem an 135 Stationen ausgeliehen werden - eine große Menge an Rädern steht etwa am Bahnhofsvorplatz.

Schon bald könnten es deutlich mehr werden: Anbieter aus dem asiatischen Raum sind schon seit einiger Zeit daran interessiert, ihre Fahrräder ebenfalls in Düsseldorf aufzustellen. Die Stadt ist bereits über asiatische Verleihsysteme informiert worden. "Ein Anbieter hat avisiert, im ersten Quartal 2018 mit einigen Hundert Fahrrädern nach Düsseldorf zu kommen" sagt ein Stadtsprecher.

Die Politik verfolgt die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Die Leihräder gelten als möglicher Baustein für die Verkehrswende, weil sie Autofahrer zum Umstieg auf kurzen Alltagsstrecken bewegen könnten. Zugleich wird die Schwemme an Leihrädern im knappen öffentlichen Raum kritisch gesehen - in einigen Städten haben die Leihsysteme schon zu größeren Debatten geführt. Die Kommunen sind dabei nur Zuschauer: Ob ein Anbieter seine Räder im Stadtgebiet aufstellen wird, liegt nicht (mehr) in den Händen der Stadtverwaltung. "Nach einem Urteil aus dem Jahr 2009 sind die Kommunen nicht mehr Herr des Verfahrens", sagt der Düsseldorfer Stadtsprecher.

In Pempelfort findet man an der Kreuzung Nordstraße/Mauerstraße/Goebenstraße vor dem Ladenlokal von "Bijou Brigitte" eine der FordPassBike-Stationen. Etwa zehn Fahrräder stehen auf dem kleinen Platz vor dem Geschäft. "Ich habe kein Problem damit, dass sie dort stehen", sagt eine Verkäuferin von Bijou Brigitte. "Auch von unseren Kunden sind uns bisher keine Beschwerden zu Ohren gekommen." Sie könne dem Prinzip "Bikesharing" etwas Positives abgewinnen, sagt sie. "Gerade in der momentanen Debatte um Diesel-Verbote in Großstädten sind Leihfahrräder doch eine umweltverträgliche Maßnahme, damit weniger Abgase produziert werden."

In die gleiche Kerbe schlägt Anwohnerin Monika Heymann. "Ich habe nichts dagegen, dass die Fahrräder hier stehen. Irgendwo müssen sie ja schließlich abgestellt werden", sagte sie. "Und wir wollen doch schließlich runter von den hohen Abgaswerten in Düsseldorf."

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Bei der Stadt Düsseldorf hat man mit Leihfahrrädern kaum schlechte Erfahrungen gemacht. Rund 1700 gibt es derzeit insgesamt in Düsseldorf. Zu den 1200 Ford-Pass-Rädern kommen demnach noch 500 Fahrräder von Nextbike, einem Anbieter, der schon seit einigen Jahren in der Stadt aktiv ist - und kürzlich nach Nutzerbeschwerden ankündigte, seine Flotte zu überarbeiten.

Nach Angaben der Stadt hat es in Düsseldorf zwar vereinzelt Beschwerden über die Räder im Stadtbild beim Amt für Verkehrsmanagement, bei einigen Bezirksvertretungen sowie beim Ordnungsamt gegeben. "Von einer Häufung kann jedoch nicht die Rede sein", sagt der Rathaus-Sprecher. "Inzwischen sind nahezu keine Beschwerden mehr zu verzeichnen."

Unklar ist unterdessen, ob das Geschäftsmodell funktioniert. Die Räder von Fordpass Bike lassen sich für einen Euro pro halbe Stunde leihen, dazu kommt eine Grundgebühr in Höhe von drei Euro pro Jahr. Wer ein Rad für einen ganzen Tag nutzen will, zahlt 15 Euro. Die Buchung erfolgt über eine App. Trägt sich dadurch die Investition - und ist wirklich eine solch große Anzahl von Rädern nötig?

Die Anbieter nennen keine Zahlen, geben sich aber zufrieden. "FordPass Bike stößt bei den Kunden auf positive Resonanz. Die Kundenzahlen entwickeln sich erfreulich", sagt ein Sprecher von Ford. Und bei Konkurrent Nextbike ist man trotz des enormen Zuwachses an Leihfahrrädern in Düsseldorf nicht besorgt. Es gebe durch die neuen Ford-Räder bislang keine Einbrüche bei den Verleihzahlen, sagt eine Nextbike-Sprecherin.

(ate)