Bienenprojekt bei der Awo in Düsseldorf-Eller

Bienenprojekt in Düsseldorf : Geleé Royale für die Königin

Im Paul-Gerlach-Haus in Eller führt die Arbeiterwohlfahrt mit psychisch Erkrankten ein Bienenprojekt durch.

Es begann mit einem Weihnachtsgeschenk: Adham Dalgamoni erhielt einen Gutschein für einen Schnupperkurs bei den Stadtbienen, „die haben sich zum Ziel gesetzt, Bienen in der Stadt salonfähig zu machen“, erklärt der Krankenpfleger im Paul-Gerlach-Haus der Awo Vita. Dort leben 31 Menschen, die eine psychische Erkrankung aufweisen, wobei der Träger darauf bedacht ist, dass die Bewohner einen strukturierten Tagesablauf haben und sinnvollen Beschäftigungen nachgehen. So gibt es zum Beispiel einen Kaninchenstall auf dem Außengelände am Büllen­kothenweg, „die Bewohner kümmern sich um die Tiere, haben so eine Aufgabe“, erklärt Einrichtungsleiterin Andrea Pesch. Es gibt auch zwei Therapiehunde, darüber hinaus ein Pflanzenprojekt.

„Und ich dachte mir, so eine kleine Imkerei im Garten geht in eine ganz ähnliche Richtung“, sagt Dalgamoni. Die Awo stellte die finanziellen Mittel, und die erste Box wurde angeschafft – mit 40.000 Bienen, die bis zu 40 Kilogramm Honig pro Saison produzieren. „Wir werden aber gut 15 Kilo im Stock belassen, damit die Bienen gut durch den Winter kommen“, erläutert der Pfleger, denn nur von April bis Juli wird „gearbeitet“ und eingetragen, die Zeit der Unproduktivität ist demnach lang.

Im Paul-Gerlach-Haus fand er jedenfalls schnell Sympathisanten, die gerne bereit waren, mit anzupacken. Helmut Damaschke zum Beispiel, Bewohner seit fünf Jahren, ist handwerklich sehr begabt, und der ersten folgte schnell eine zweite Box, „da fällt immer etwas an“, erzählt Dalgamoni, zumal auch zweimal im Jahr eine Milbenbehandlung erfolgen muss. Markus Böhne wiederum ist als ausgesprochen tierlieb bekannt und in dieser Hinsicht für alles zu haben. Für die Therapiehunde kauft er sogar von seinem wenigen Taschengeld immer Leckerli.

Während mit der ersten großen Ernte im Paul-Gerlach-Haus nicht vor nächstem Jahr zu rechnen ist, hat Adham Dalgamoni für die erste Begegnung mit den Bienen seine private Box mit zur Arbeit gebracht. Böhne durfte ernten. „Wir machen alles mit der Hand, der Honig wird nicht geschleudert“, erzählt er. „Wir nutzen vielmehr so eine Art Kartoffelstampfer, stampfen den Brei direkt aus der Wabe heraus, der läuft dann mehrfach durch verschiedene Siebe in Schüsseln. Und das dauert, bis der sämige Extrakt nur aufgrund der Schwerkraft seinen Weg nach unten gefunden hat.“ Und als „Abfallprodukt“ bleibt dann auch immer noch ausreichend Wachs übrig, der für Kerzen verarbeitet wird. „Ich kann mich auf jeden Fall voll mit diesem ökologisch anspruchsvollen Projekt identifizieren“, betont Böhne.

 Während in Dalgamonis privaten Garten viele Kräuter wachsen, der Honig entsprechend einen würzigen Beigeschmack annimmt, geht der Krankenpfleger davon aus, dass der im Paul-Gerlach-Haus geförderte Honig eher fruchtig schmecken wird. „Hier gibt es Apfel- und Pflaumenbäume, dazu Brombeersträucher“, nennt er als ausschlaggebenden Grund.

Die Abläufe in dem bewusst naturnah gehaltenen Bienenstock haben ihn zunehmend fasziniert. „Immer im April oder Mai teilt sich der Stock, um sich zu vermehren, das ist eine natürlicher Trieb“, erzählt er. Auch das Heranziehen neuer Königinnen, die von Ammenbienen nur mit dem von ihnen erzeugten Futtersaft, dem Gelée Royale, ernährt werden, um sie gebührend auf ihre Zeit auf dem Thron vorzubereiten, hat ihn verblüfft. Nicht zuletzt die Existenz von Wächterbienen, die den Stock vor gierigen Schnorrer-Wespen schützen, hat bei Dalgamoni den Eindruck hinterlassen, „dass Bienen den Menschen sehr viel ähnlicher sind, als viele denken“.

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