Düsseldorf: Bieber will Frieden fürs Photo Weekend

Düsseldorf : Bieber will Frieden fürs Photo Weekend

Die Kulturpolitiker des Stadtrats bemühen sich darum, eine Spaltung des Festivals zu verhindern. Der neue Leiter Alain Bieber erläutert seine ersten Ideen. Er lädt für Dienstag zur großen Aussprache ins NRW-Forum.

So friedlich wie gestern Nachmittag gegen 16 Uhr ist es selten im Kulturausschuss. Alexander Fils (CDU) rief alle Beteiligten dazu auf, in der öffentlichen Diskussion zum Photo Weekend "nicht weiter Porzellan zu zerschlagen" - und erntete allgemeine Zustimmung. Die Kulturpolitiker hatten offensichtlich vereinbart, nicht die nächste Runde in dem heftigen Streit einzuläuten.

Stattdessen präsentierte der Chef des NRW-Forums, Alain Bieber, seine ersten Ideen für die Zukunft. Bieber will das Festival rund um die Fotokunst weiterentwickeln zu einer Veranstaltung, die konkurriert mit etablierten Namen wie dem Europäischen Monat für Fotografie in Berlin oder der Foto-Triennale in Hamburg. Künftig sollen Teilnehmer keine Gebühr mehr zahlen, dafür wählt eine Jury nur Ausstellungen aus, die die nötige künstlerische Qualität haben. Weiterhin sollen sich Galerien und Kulturinstitute der öffentlichen Hand beteiligen können.

Darüber hinaus will Bieber neue Formate entwickeln, etwa Ausstellungen an besonderen Orten wie der leerstehenden Alten Kämmerei. Das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP begrüßte die Pläne. Man träumt sogar von einer "Photo Week", die eine "Leitmesse der Fotografie" werden könnte. Sie soll nach dem Willen der Politik der Nachfolger für das gestrichene Festival Quadriennale werden.

Die Euphorie ist allerdings getrübt. Die Galeristin Clara Maria Sels, die das Festival nach dem Abschied von Biebers Vorgänger Werner Lippert geleitet hatte, fühlt sich ausgebootet. Es läuft eine Schlammschlacht, man droht sich sogar mit dem Gang vor Gericht.

Als Folge steht jetzt eine Aufspaltung im Raum: 20 Galeristen haben sich mit Sels solidarisiert. Sie lassen verlauten: "Das Photo Weekend findet im kommenden Februar weiterhin unter der Leitung von Clara Maria Sels statt." Heute wollen sie bei einer Pressekonferenz ihre Position erläutern.

Für den jungen Museums-chef ist das eine heikle Situation. Bieber ist plötzlich als Diplomat gefragt. Die Kulturpolitiker hoffen weiter darauf, dass sich der Streit lösen lässt. Man wolle die Weiterentwicklung des Festivals, sagte etwa Clara Gerlach von den Grünen. "Und zwar mit allen Beteiligten."

Alain Bieber will jetzt zur großen Aussprache ins NRW-Forum laden - jeden, der will. Am Dienstag ab 16 Uhr soll diskutiert werden. "Und zwar notfalls bis in die Nacht", wie Bieber ankündigt.

(arl)
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