Düsseldorf: Betrüger kassieren für fremde Wohnungen

Düsseldorf : Betrüger kassieren für fremde Wohnungen

Kriminelle nutzen echte Daten und Fotos von einer auf Immobilien spezialisierten Internet-Plattform und locken mit erfundenen Schnäppchenpreisen Kunden an. Von denen verlangen sie dann hohe "Reservierungsgebühren".

Als es sonntags bei Helmut Krämer (Name von der Redaktion geändert) an der Rembrandtstraße klingelte, staunte der Düsseltaler nicht schlecht. "Ein junges Pärchen wollte sich die Wohnung in unserem Haus nebenan anschauen, bevor man sie womöglich kaufe. 140 Quadratmeter für nur 210.000 Euro, und das in dieser Gegend. Das sei ja nun mal wirklich ein Schnäppchen", berichtet der Rentner von dem Gespräch. Es sollte nicht das Einzige an diesem Tag bleiben. Weitere 20 Interessenten wollten, dass Krämer Einblick in die vier Wände gewährt.

Das Problem: Krämer wollte gar nicht verkaufen, sondern vermieten - 2100 Euro kalt. Mit komplett eingerichteter Küche, Kamin, Parkett, Gäste-WC, vier großzügig geschnittenen Zimmern und allem, was für eine Luxuswohnung im gehobenen Preissegment dazugehört. Und einen neuen Mieter hatte er über die Anzeige seiner Maklerin bei der Internetplattform Immobilienscout längst gefunden.

Krämer ging der Sache auf den Grund und wurde nach dem Tipp eines Freundes schnell fündig: Betrüger hatten sämtliche Daten inklusive Fotos aus der Wohnung kopiert, ihrerseits eine Anzeige bei Immobilienscout geschaltet, die Wohnung jedoch zu einem Dumpingpreis zum Verkauf angeboten. Eine Kontaktaufnahme mit einer gewissen Frau Prüfer war nur über Umwege möglich. Die dringend erforderliche Zahlung einer "Reservierungsgebühr" von 4000 Euro auf ein Treuhandkonto war jedoch relativ einfach. Die würde dann später dem Kaufpreis gutgeschrieben. "Ein moderner Enkeltrick", erkannte Krämer richtig.

Er erstattete am Montag sofort Anzeige gegen unbekannt. "Der Polizist hat noch gescherzt, zu dem Preis würde er mir die Wohnung auch sofort abkaufen", berichtet der Hausbesitzer. Nachdem er seine Identität zweifelsfrei nachgewiesen hatte, reagierte auch Immobilienscout sofort und löschte die Anzeige. "Wie sich später herausgestellt hat, war meine auch nicht die einzige Annonce von Frau Prüfer."

Der Trick ist nicht neu, noch im vergangenen Jahr wurde ein Ein-Familien-Haus in Oberkassel für rund 300.000 Euro angeboten. 2010 wurde eine Maklerin, ebenfalls in Oberkassel für ein Objekt am Kaiser-Wilhelm-Ring, innerhalb von drei Wochen gleich zweimal auf dieselbe Art und Weise Opfer der dreisten Immobilienbetrüger.

Polizeisprecher Andreas Czogalla bestätigt, dass die Polizei Kenntnis von dem Trick hat. "Die Fallzahlen sind zwar verschwindend gering, es ist aber auch nur eine Masche von vielen." Die Vorgänge würden dezentral im Rahmen der Fahndung nach "Computer-Betrügern" bearbeitet. Diesen Kriminellen auf die Schliche zu kommen, sei, wenn sie halbwegs geschickt ihre Spuren im Internet vertuschen, jedoch äußerst schwierig.

Auch bei Immobilienscout ist man bemüht, die Tür für Internetbetrüger möglichst zu schließen. "Es gibt einen Maßnahmenkatalog, um die Plattform sauber zu halten", sagt Sprecherin Sonja May. Ein technischer Filter vergleiche Parameter wie Preis, Lage oder Größe der Wohnung, tauchten dabei Ungereimtheiten auf, schlage das System Alarm und die entsprechende Meldung werde von Menschenhand geprüft, betont May. Erhärte sich der Verdacht, werde die Anzeige sofort deaktiviert.

Dass es dennoch zu Fällen wie dem von Helmut Krämer komme, sei dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Betrügern und denen, die versuchen, sie zu überführen, geschuldet. "Die kriminelle Energie ist enorm, diese Leute lassen sich immer was Neues einfallen", so May, die an Nutzer appelliert, unrealistische Anzeigen, die einen stutzig machen, sofort zu melden. Sie rät prinzipiell davon ab, Geld in Form einer Kaution oder einer Gebühr zu überweisen, bevor man eine Wohnung überhaupt gesehen hat oder mit dem Anbieter in Kontakt getreten ist.

(RP)
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