Düsseldorf: Beste Freunde gesucht

Düsseldorf: Beste Freunde gesucht

Unser Autor hat die Plattform Spontacts getestet, mit der man neue Freunde finden kann. Mit wechselndem Erfolg.

Jacqueline blickt irritiert auf ihre Armbanduhr, die erst 21 Uhr anzeigt. "Ich dachte, es wäre schon Mitternacht", seufzt sie. Zeit kann sich sehr lang anfühlen, wenn man sich nichts zu sagen hat. So hatte sie sich den ersten Abend mit ihren neuen Freunden aus dem Internet wohl nicht vorgestellt.

Ob Umzug in eine neue Stadt oder Trennung vom Partner - es gibt zahlreiche Gründe, nach neuen Freunden zu suchen. Doch im Berufsalltag fehlen dafür häufig Zeit und Gelegenheit. Deshalb gibt es im Internet soziale Netzwerke wie Spontacts. Dort können Menschen Kontaktanzeigen schalten, um nach Leuten mit ähnlichen Interessen zu suchen. Das können sehr spezifische Dinge wie vegane Kochabende sein - oder bloß der Wunsch, neue Leute kennenzulernen. Um herauszufinden, ob dieses Konzept aufgeht, melde ich mich versuchsweise selbst dort an.

Auf der Webseite erwarten mich unzählige Kontaktanzeigen. Nicht wenige davon lesen sich wie Hilferufe: Einige Menschen suchen nach besten Freunden, um mit ihnen von Kinobesuchen bis zu gemeinsamen Urlaubsreisen ihre gesamte Freizeit zu gestalten. Unter den zurückhaltenderen Kontaktfreudigen ist dagegen die 24-jährige Jacqueline, die nach "neuen netten Leuten" Ausschau hält, um die "Altstadt unsicher" zu machen. Ihr Text macht einen sympathischen Eindruck, so dass ich beschließe, sie zu kontaktieren. Zwei Tage später treffen wir uns mit zwei weiteren Unbekannten in einer Cocktailbar in der Altstadt.

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Doch nachdem wir Namen, Alter und Berufe abgeklappert haben, gerät das Gespräch schnell ins Stocken. Als ich Jacqueline nach ihren Interessen frage, erzählt sie, dass sie sehr vielseitig sei: "Ich lese und gucke gerne Fernsehen." Ähnlich oberflächlich bleiben auch die übrigen krampfhaften Gesprächsversuche. Die Atmosphäre liegt irgendwo zwischen Schweigeminute und Zahnarztbesuch. Mit der Zeit wird klar, dass wir abseits der Tatsache, für diesen Abend keine besseren Pläne gehabt zu haben, nicht viel gemeinsam haben. Schließlich fasst sich Jacqueline ein Herz und beendet das Experiment nach quälenden zweieinhalb Stunden. Es folgt eine kurze Verabschiedung und wir gehen unserer Wege. Still hoffend, dass sich diese so schnell nicht mehr kreuzen werden.

Ernüchtert von dieser Erfahrung ändere ich für meinen zweiten Versuch die Strategie. Statt nach unspezifischen Freundschaftsgesuchen, halte ich nach Aktivitäten Ausschau. Ich entscheide mich also für einen Spieleabend, der regelmäßig in einer Bar in Unterbilk stattfindet. Meine Idee dahinter: Selbst wenn wir uns nichts zu sagen haben, gibt es dank der Brettspiele zumindest eine Gemeinsamkeit und auch etwas zu tun. Vor Ort lässt sich der reservierte Tisch der Gruppe schnell erkennen: Mit rund 20 Brett- und Kartenspielen darauf erinnert er an die Auslage eines Kaufhauses. Ohne großartige Vorstellungsrunde geht es los. Statt Klassiker wie Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly stehen jedoch anspruchsvolle Strategiespiele auf dem Plan, die Konzentration erfordern. Das hat einen Nachteil, wie ich schnell merke: Tiefgehende Gespräche über eigene Interessen und das Zeitgeschehen sind nur schwer möglich. Stattdessen drehen sich die Konversationen um Burgen und Schriftrollen sowie die Frage, ob ein Büffel am Wegesrand oder im Gebirge meines Königreichs grasen muss, damit ich Punkte bekomme. Nur zwischen den Partien bleibt Raum für Smalltalk. Dennoch: An diesem Abend steht Spaß und nicht die erzwungene Suche nach besten Freunden im Vordergrund. Freundschaften entstehen hier eher zufällig.

Genau in diesen Momenten beweist Spontacts sein Potenzial. Eine Suche nach besten Freunden erscheint dagegen wenig aussichtsreich.

(RP)
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