Bernd Desinger beendet Roman-Trilogie "Doppelweg"

„Die Runde der Raben“ : Im Kino Schreiben gelernt

Bernd Desinger leitet das Filmmuseum und hat nebenbei eine Fantasy-Roman-Trilogie abgeschlossen.

Was kommt dabei heraus, wenn ein Film-Experte, der mal Gitarrist einer Art-Rock-Band war, Romane zu schreiben beginnt? Auf eine moderne Artus-Geschichte kommt man vermutlich auch nach längerem Nachdenken nicht. Bernd Desinger, Leiter des Düsseldorfer Filmmuseums, transportiert die mittelalterliche Legende in eine Fantasy-Trilogie, die in der Gegenwart spielt und deren letzter Band „Die Runde der Raben“ gerade erschienen ist.

Für Sprache begeisterte sich Desinger schon während seines Film- und Literaturstudiums. Zum Romaneschreiben kam er jedoch über die Musik. Inspiriert von Gruppen wie Genesis oder Yes schrieb er lange Zeit „Rocklyrik“ für die Bands, in denen er spielte. 2006 begann Desinger dann mit der Arbeit an der Artus-Trilogie. In ihr begeben sich Jannifer, Falk, Eric und Lance auf die Suche nach ihrem entführten Freund Arthur. Die vier Helden, die am Ende ihres Studiums stehen, werden von den Kidnappern mit Geld ausgestattet, um auf der ganzen Welt nach Arthur zu fahnden. Dabei geraten sie immer wieder in surreale Situationen: Ein Bild, in das man hineinsteigen kann, oder ein Sturz in eine andere Epoche – der Alltag der vier Helden wird ins Wanken gebracht. Genau darin liegt für Desinger auch der besondere Reiz: „Es ist spannend, die Protagonisten Wesen und Erscheinungen auszusetzen, die nicht von dieser Welt sind“, sagt er.

Doch die Bücher um Arthur und seine Freunde sind nicht nur Fantasy-Geschichten. Die außergewöhnlichen Begegnungen bringen die Charaktere zum Nachdenken über sich selbst, genau wie die Figuren der mittelalterlichen Artus-Epik. „Der Ritter kommt irgendwann an einen Punkt, an dem er sich fragt, ob dieser Weg für ihn richtig ist“, sagt Desinger. Der Held muss sich besinnen und seinen Kurs ändern. Der so beschrittene „Doppelweg“ ist typisch für die Artusromane und findet sich deshalb auch im Untertitel von Desingers Trilogie. Seine moderne Artus-Adaption ist somit auch ein Entwicklungsroman: „Es ist eine Coming of Age-Geschichte, die aber zehn Jahre später als gewöhnlich angesetzt ist.“ Aus jungen Erwachsenen werden hier Erwachsene, eine Entwicklung, die laut Desinger auch das Interesse älterer Leser findet.

Jeder dieser Figuren auf dem Weg ins Erwachsenenleben verlieh Desinger eine komplette Biografie. Für ihn hat jeder Charakter Eltern, Geschwister, einen eigenen Musikgeschmack – kurz: eine eigene Geschichte, auch wenn sie nicht vollständig zur Sprache kommen. Auf unzähligen Karten, Zetteln und Storyboards entwickelten die Figuren mit der Zeit ein Eigenleben. „Daher musste die Geschichte wie ein guter Rotwein ein bisschen liegen.“

Doch die Erzählung muss nicht nur reifen, sondern auch aufs Papier. Daher hieß es auch an sommerlichen Wochenenden und im Urlaub: Schreiben statt Schwimmen. Auf die küssende Muse wartete Bernd Desinger dabei nicht. „Auch wenn ich keinen guten Tag hatte, habe ich mich hingesetzt und vielleicht nur eine halbe Seite geschrieben.“ Zum Teil war dafür auch seine Detail-Liebe verantwortlich, denn Desinger verliert sich gerne bei der Recherche: Artus-Anspielungen, Exkurse zur Mythologie nordamerikanischer Völker oder Landschaftsbeschreibung – Desinger legt Wert auf Genauigkeit.

Doch er will nicht nur sachlich richtig, sondern auch anschaulich schreiben. Dabei habe er einiges von seiner langjährigen Beschäftigung mit Filmen lernen können, sagt er. Perspektivwechsel, Kamerafahrten Draufsichten: All diese Kunstgriffe nutzt er und hat sich laut Rezensenten eine „filmische Schreibweise“ zugelegt.

Am Ende des dreizehnjährigen Schreib- und Reifeprozesses stehen nun drei Bände mit insgesamt ungefähr 1400 Seiten, die sich schwer kategorisieren lassen: Abenteuerroman, Entwicklungsroman, Fantasyroman – die Doppelweg-Trilogie bedient viele Genres. Doch der „Fantasy-Faktor“, wie Desinger es nennt, ist gewichtig: Leser sollten für Schwertkampfszenen, fantastische Wesen und Sprünge in andere Epochen aufgeschlossen sein, um die vier Helden auf ihrer Suche nach Arthur und sich selbst begleiten zu wollen.

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