Düsseldorf: Belsenpark: Wohnen auf der Baustelle

Düsseldorf: Belsenpark: Wohnen auf der Baustelle

Ins neue Wohnquartier hinter dem alten Oberkasseler Bahnhof sind die ersten Eigentümer eingezogen. Sie sind enttäuscht, weil ihnen verschwiegen wurde, dass sie noch eine Weile mit Bautätigkeiten rechnen müssen.

Das Finale für die Riesenbaustelle "Belsenpark" ist eingeläutet: Das Küchenstudio "Bulthaup" ist bereits eingerichtet, der Rewe-Supermarkt bereitet sich auf die Eröffnung Ende November, Anfang Dezember vor - und die ersten Bewohner haben ihr neues Zuhause bezogen. Und so froh sie auch darüber sind, nun allen Komfort einer modernen Wohnung genießen zu können, so genervt sind sie über das, was sich vor ihren Fenstern abspielt: Überall herrscht noch rege Bautätigkeit, es wird gepflastert, gehämmert, gelärmt, und nur über Schotterpisten und zerfurchten Wegen können sie ihre Wohnungen erreichen. Abends tappen sie im Dunkeln, weil eine Beleuchtung fehlt.

Besonders hart getroffen hat es Anna und Toni Lirsch, die seit August am Ende der Ria-Thiele-Straße wohnen. Ein Blick vom Balkon der Wohnung genügt, um zu verstehen, warum das Ehepaar so verärgert ist. Weniger ist es das Holzlager der Firma Brockmann oder die gestapelten Pflastersteine vor der Tür, die stören, vielmehr ist es die Tatsache, dass die Ria-Thiele-Straße eine Zufahrt für die Großbaustelle an der Schanzenstraße ist, die regelmäßig von der Hansaallee über den Belsenpark angefahren wird. "Schwere Lastwagen rollen täglich an unserem Balkon vorbei, den wir noch nicht nutzen konnten. Sie wirbeln bei trockenem Wetter Staub auf, und wenn es regnet, ist die Straße aufgeweicht und matschig", sagt Lirsch. "Uns schützt keiner", sagt Anna Lirsch enttäuscht, weil sich niemand um die Zugezogenen kümmert. "Jeden Tag ist der Balkon verdreckt, an den Winter mag ich gar nicht denken." Wenn es friert oder Schnee auf den unebenen Schotterweg fällt, werde der zur Rutschpartie. "Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten", gibt sie zu Bedenken.

Während sich die beiden in ihrer Wohnung sehr wohl fühlen, wundern sie sich auch über die mickrigen Hecken und Sträucher, die seitlich des Wohngebäudes angelegt sind. "Warum wurde kein Kirschlorbeer gepflanzt", fragt Lirsch bedauernd, während er im Prospekt einer schicken Wohnanlage blättert. "So wurde uns der Belsenpark schmackhaft gemacht", sagt er und zeigt auf eine Animation. "Wir haben nach Katalog bestellt, und nun wird uns täglich vor Augen geführt, wie weit entfernt wir davon sind."

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Andrea Blome, Chefin des Amtes für Verkehrsmanagement: "Es darf nicht sein, dass die Ria-Thiele-Straße als Baustellenzufahrt für die Gebäude Schanzenstraße/Greifweg genutzt wird. Wir haben das nicht genehmigt und werden mit dem Investor Kontakt aufnehmen." Denn geplant sei, mit dem Ausbau der Straße Ende November zu beginnen. Bis dahin werden auch die Pflasterarbeiten der Gehwege weitgehend beendet sein.

Der Immobilienentwickler für das gesamte 17 Hektar große Areal, die "CA Immo" (früher Vivico), bestätigt, dass es seitens der Bewohner Beschwerden gegeben habe, die an die Stadt weitergeleitet wurden. "In den nächsten Wochen werden die Bauarbeiten beendet. "Im Januar 2015 ist dann alles fertig", versichert Sprecher Markus Diekow.

(RP)
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