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Bauwerk in Düsseldorf: Oberkasseler Brücke bei Hitze einen halben Meter länger

Bauwerk in Düsseldorf : Die Oberkasseler Brücke ist bei Hitze einen halben Meter länger

Die Oberkasseler Brücke ist mit 44 Jahren das jüngste Mitglied der Düsseldorfer Brückenfamilie. Bei Volllast kann sie bis zu einen Meter durchhängen, bei Hitze 50 Zentimeter in der Länge zulegen. Wir haben sie uns einmal von innen angeschaut.

Wohl fast jeder Düsseldorfer könnte die Oberkasseler Brücke aufmalen, schließlich ist sei ein prägendes Bauwerk in der Innenstadt. Zusammen mit der Kniebrücke flussaufwärts und der Theodor-Heuss-Brücke flussabwärts bildet sie die sogenannte Düsseldorfer Brückenfamilie.

Wie aber sieht so eine Brücke eigentlich von innen aus? Davon konnten wir uns bei einem von der Stadt organisierten Rundgang ein Bild machen.

Baudezernentin Cornelia Zuschke hat ein Anliegen: „Wir möchten einmal zeigen, was für ein komplexes Bauwerk eine solche Brücke ist und warum eine ausführliche Prüfung so lange dauert.“

Zusammen mit Andreas Schmitz vom Amt für Verkehrsmanagement und einer Schar Journalisten steht sie vor dem sogenannten Widerlager unterhalb der Brücke auf Oberkasseler Seite. Dort öffnet sich dann eine Tür und alle betreten das Innere. Dort ist es eng, dunkel und es verlaufen überall Rohre und Leitungen.

Brückenexperte Schmitz weiß einiges Erstaunliches über die Oberkasseler Brücke zu berichten. Etwa, dass sie sich unter Volllast um bis zu ein Meter nach unten durchbiegen kann. Oder dass sie an besonders heißen Tagen an beiden Seiten um 25 Zentimeter länger wird. „Dafür gibt es die Dehnungsfugen, an denen es immer klack-klack macht, wenn man auf die Brücke fährt.“ Und auch die Brückengeländer sind an diesen Stellen so konstruiert, dass sie sich auseinander- und zusammenziehen können.

Bei der alle sechs Jahre stattfindenden Hauptprüfung etwa kontrollieren die Ingenieure Hunderttausende Meter Schweißnähte und zahllose Schraubverbindungen. „Das benötigt dann natürlich Zeit“, sagt der Bauingenieur.

Die Brücke hat unter der kompletten Fahrbahn einen Hohlkasten. „In dem könnte man von Oberkassel bis zur Altstadtseite hinüberlaufen“, erklärt Schmitz. Allerdings sei das recht mühsam, da man oft durch kleine Luken klettern müsse und es sei teilweise auch sehr niedrig.

Ein paar Meter dürfen wir aber doch in den Hohlkasten hineinlaufen. Was dort auffällt: Es ist laut, wenn Autos über einen hinwegfahren und sehr laut, wenn eine Bahn kommt. Ein wenig mulmig wird einem dann schon, als Schmitz erklärt, dass die Decke nur aus einer zwölf Millimeter dicken Stahlplatte besteht. „Darauf fährt dann die Bahn. Von den Autos trennen uns noch zusätzlich acht Zentimeter Bitumen.“

Markierungen an den Wänden weisen auf Schäden hin, ein gelbes „R“ etwa auf einen Riss. Ist der Schaden behoben, wird das „R“ nur durchgestrichen, nicht wegradiert. Sollte dort wieder ein Schaden auftreten, müssten die Experten die Stelle genauer unter die Lupe nehmen.

Das Spannendste an der Oberkasseler Brücke liegt aber weit in ihrer Vergangenheit. Gebaut wurde sie nämlich rund 50 Meter von ihrem heutigen Standort entfernt. Als sie im April 1976 fertig und der Vorgänger abgerissen war, wurde das 12.500 Tonnen schwere Bauwerk innerhalb von zwei Tagen an seinen heutigen Platz gezogen.

„Dazu wurde ein 20 Zentimeter dickes Stahlseil in der Mitte der Brücke befestigt und dann wurde ganz langsam gezogen“, sagt Schmitz. Rund 3,60 Meter pro Stunden wurde der Brückenkoloss bewegt. „Auf dem Boden lagen Stahl-, darauf Teflonplatten. Und auf denen konnte die Brücke verhältnismäßig einfach bewegt werden“, so Schmitz. Das Verfahren wurde damals das erste Mal angewendet, sorgte weltweit für Aufsehen.

Quasi der Urahn der Oberkasseler Brücke war eine 1839 errichtete Pontonbrücke. Diese stellte damals die einzige Verbindung mit dem linken Rheinufer dar, behinderte jedoch durch ihre Bauweise den Schiffsverkehr.

Daher wurde 1896 mit dem Bau der ersten Oberkasseler Brücke begonnen, zwei Jahre später wurde sie eröffnet. Durch die stark verbesserte Verkehrsanbindung des Linksrheinischen, insbesondere durch die K-Bahn, setzte in Oberkassel ein wahrer Bauboom ein. Auch zur späteren Eingemeindung von Oberkassel und Heerdt trug die neue Brücke bei.

1933 bekam die Brücke einen neuen Namen, hieß zum Gedenken an die Seeschlacht vor dem Skagerrak im Ersten Weltkrieg „Skagerrak-Brücke“.

Am 3. März ging es dann mit der Brücke abrupt zu Ende. Soldaten der Wehrmacht sprengten die Rundbogenbrücke, wie auch alle anderen Düsseldorfer Brücken, um das Vorrücken der Amerikaner und Briten über den Rhein zumindest zu verzögern. Nach dem Krieg mussten die Düsseldorfer jahrzehntelang mit einer Behelfsbrücke leben, bis dann 1976 die heutige Oberkasseler Brücke eröffnet wurde.

„Mit ihren 45 Jahren ist sie das jüngste Mitglied der Brückenfamilie und sie ist auch am besten in Schuss“, sagt Schmitz. Ausgelegt sei solch ein Bauwerk auf bis zu 100 Jahre. „Sie wird uns also noch ein paar Jahre erhalten bleiben“, freut sich der Bauingenieur.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Innere der Oberkasseler Brücke in Düsseldorf