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Kö-Bogen-Architekt: Was Libeskind über das Bauen sagt

Kö-Bogen-Architekt : Was Libeskind über das Bauen sagt

Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind (65), Erbauer des Jüdischen Museums in Berlin, setzt auch in Düsseldorf einen städtebaulichen Akzent. Soeben wurde der Grundstein für sein Gebäude am Kö-Bogen gelegt.

In Ihrer Kö-Bogen-Architektur spiegelt sich zum Hofgarten die Natur in Gestalt von Pflanzen, die aus dem Gebäude wachsen. Gibt es für diesen Entwurf ein Vorbild?

Kö-Bogen-Architekt: Was Libeskind über das Bauen sagt
Foto: Stadt Düsseldorf, FSWLA

Libeskind Nein, das ist eine spezielle Lösung für die Verbindung zwischen Hofgarten und Innenstadt.

Kö-Bogen-Architekt: Was Libeskind über das Bauen sagt
Foto: centertv

Welchen Rang nimmt Ihre Kö-Bogen-Architektur in Ihrem Gesamtschaffen ein — verstehen Sie sie eher als Zweckarchitektur oder als etwas Richtungweisendes?

Kö-Bogen-Architekt: Was Libeskind über das Bauen sagt
Foto: centertv

Libeskind Ich ziehe da gern einen Vergleich mit einer Stradivari: Eine Stradivari ist ein schönes, aber zugleich ein absolut funktionales Objekt. Und ich finde, ein Gebäude ist wie ein Musikinstrument.

Hätten Sie sich gewünscht, dass in Ihre Kö-Bogen-Architektur außer Cafés, Büros und Läden auch etwas Unkommerzielles wie etwa Kultur einzieht?

Libeskind Cafés, Büros und Geschäfte sind Teil des vorgegebenen Programms. Aber das ist alles auch Teil eines kulturellen Impetus. Solch ein Gebäude entfaltet seine eigene Kultur. Kultur ist keine Fußnote, sie ist das Wichtigste in jeder Stadt.

Der Tausendfüßler ist ein Wahrzeichen Düsseldorfs. Haben Sie Verständnis dafür, dass ihm einige Düsseldorfer nachtrauern werden, wenn er abgerissen wird?

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Libeskind Der Tausendfüßler hat eine wundervolle Struktur, aber es ist eine Struktur seiner Entstehungszeit. Ich kann verstehen, dass die Leute dazu ein sentimentales Verhältnis haben. Doch zugleich müssen wir auf den größeren Plan blicken, den Masterplan, der die Stadt für Fußgänger angenehmer macht, mehr Grün in die Stadt bringt und die Autos eliminiert. Aber natürlich sorgen wir auch dafür, dass die Stadt für Autos zugänglich bleibt.

Die Fußgänger bekommen in der Innenstadt künftig Vorrang vor den Autofahrern. Ist die Stadt der Zukunft eine ohne Autos?

Libeskind Wir müssen Autos unbedingt berücksichtigen. Aber es geht um Sensibilität, um die Balance zwischen Autos und den ökologischen Erfordernissen einer Stadt. Mit der Familie in die Stadt zu gehen, das gehört meines Erachtens zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Wie beurteilen Sie die Zukunft der City in einer Zeit, da die Leute ihre Einkäufe im Internet erledigen und Gespräche über Facebook führen?

Libeskind Ich finde, das spricht eher noch mehr dafür, großartige Städte zu bauen, weil Virtualität nicht den Umgang der Menschen miteinander ersetzen kann. Innenstädte mit einem kulturellen Mehrwert zu schaffen, wird daher wichtiger.

Braucht die Stadt der Zukunft noch so viel innerstädtischen Raum wie heute? Wie sehen Sie die gesellschaftliche Bedeutung des Flanierens?

Libeskind Das ist eine Schlüsselfunktion der Stadt: Wir brauchen mehr denn je Plätze, die die Seele ansprechen.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Libeskind Ich komme gerade aus Italien, wo wir in Mailand ein Hochhaus mit Verbindung zum historischen Umfeld erschaffen. Außerdem werden wir in Warschau das höchste Wohngebäude Europas bauen. Und es gibt Projekte in Singapur, Brasilien und Korea. In den USA arbeiten wir am Freedom Tower auf dem Gelände des zerstörten World Trade Center.

Würden Sie sagen, dass Sie einen internationalen Stil pflegen?

Libeskind Nein, gerade in Zeiten der Globalisierung benötigt man alles andere als Uniformität. Wir brauchen mehr Identität für Orte. Sonst gehen die unterschiedlichen Kulturen verloren.

Betram Müller führte das Interview.

(RP)