Tausendfüßler : "Transparenz nötig"

Die Befürworter des Erhalts der Autohochstraße sehen den Ministerentscheid als Chance, dass eine übergeordnete Instanz die unterschiedlichen Argumente gewichtet. Eine öffentliche Debatte sei sinnvoll. Die Düsseldorfer Jonges wünschen sich ein gemeinsames Vorgehen der Ämter.

Die notwendig gewordene Entscheidung des Landesbauministers Harry K. Voigtsberger über den Erhalt oder den Abriss des Tausendfüßlers sehen der Bund Deutscher Architekten (BDA) und der Rheinische Verein für Denkmalpflege als Chance, die Argumente für und gegen den Erhalt der denkmalgeschützten Autohochstraße in einer transparenten, öffentlichen Debatte deutlich zu machen. "Es geht nicht generell um den Kö-Bogen als wichtige Erneuerung der Innenstadt. Es geht nur um die Frage, ob der Kö-Bogen samt Libeskind-Bauten und Anbindung der Kö an den Hofgarten mit oder ohne Tausendfüßler gestaltet werden soll", erklärte Architekt Thomas Beucker vom BDA, der in der Initiative Lott Stonn mitarbeitet. Dieser Minister-Entscheid "ist das Beste, was erreicht werden konnte, weil die bisher abgeblockte öffentliche Debatte über Alternativen der städtischen Planung jetzt mit Bürgern geführt werden könnte", sagte Architektin Ursula Ringleben (BDA).

Diese jetzige Situation ist eingetreten, weil der oberste Denkmalschützer von NRW, Landeskonservator Udo Mainzer, von seinem Recht Gebrauch gemacht hat, in der strittigen Sache einen Ministerentscheid herbeizuführen. Er hatte stets den Erhalt des Tausendfüßlers gefordert, weil die Hochstraße ein herausragend gestaltetes technisches Bauwerk und typisch für eine Zeitepoche sei. Die städtischen Bau- und Planungsämter, zu denen die Untere Denkmalbehörde gehört, hatten dagegen den Abriss beantragt, weil es von überwiegendem Interesse sei, die Hochstraße abzubrechen, um eine herausragende Entwicklung der Stadt zu ermöglichen.

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"Es ist grundsätzlich schade, dass es so weit kommen musste", sagt Frank-Thomas Jaitner, Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege. Aber die Stadt habe das Gutachten des Landeskonservators offensichtlich nicht für allzu wichtig erachtet. Deshalb sei es absolut notwendig, dass eine übergeordnete Instanz "für eine Transparenz in der Diskussion sorgt und die Argumente gegeneinander abwägt", sagte er. Nach Auffassung von Jaitner hat die Stadtverwaltung bisher eine Alternative zum Abriss nicht ernsthaft geprüft, hat sich nicht damit auseinandergesetzt, ob der Kö-Bogen mit der Anbindung der Kö an den Hofgarten besser zu verwirklichen sei, wenn der denkmalgeschützte Tausendfüßler als Identifikationsobjekt erhalten bleibt.

Das Gegeneinander von Stadt und Landeskonservator bedauert der Heimatverein Düsseldorfer Jonges und fordert in der Frage des Erhalts oder Abrisses des Tausendfüßlers ein gemeinsames Vorgehen aller Behörden. Landeskonservator und Untere Denkmalschutzbehörde, Land und Stadt dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen, teilten Detlef Parr als Baas und Rolf Töpfer als Stadtbildpfleger des Heimatvereins gestern in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Die Entscheidung über den Abriss des bisher denkmalgeschützten Brückenbauwerks müsse deshalb schnell und streng sachbezogen getroffen werden. Für Düsseldorf wäre es zudem gut, wenn die Parteien in einer so wichtigen Frage wie in der Vergangenheit eine "Fraktion Düsseldorf" bilden und Kompromisse erzielen würden.

Das Streitverfahren kann lange dauern. Denn möglicherweise werden Gerichte entscheiden müssen, ob die Hochstraße als Denkmal erhalten werden muss oder die geplante Stadterneuerung von höherem Rang ist. Dieser Fall tritt ein, wenn Bau- und Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD) sich der Meinung des Landeskonservators anschließt und die städtischen Ämter anweist, die Hochstraße zu erhalten.

Dann würde die Stadt vermutlich vor dem Verwaltungsgericht gegen diesen Eingriff in die Planungshoheit der Kommune klagen. Die Auseinandersetzung könnte bis zum Oberverwaltungsgericht in Münster gehen und Jahre dauern.

(RP)