Appell für Abriss: Tausendfüßler: Kritik an Jonges

Appell für Abriss : Tausendfüßler: Kritik an Jonges

Der Appell der Spitze des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges für einen Abriss der denkmalgeschützten Hochstraße Tausendfüßler hat viele und vielfältige Reaktionen hervorgerufen.

Doch NRW-Bauminister Harry K. Voigtsberger (SPD), der innerhalb der nächsten Wochen über den Abriss entscheiden wird, hat ihn wohl noch nicht zur Kenntnis genommen: "Er ist auf Dienstreise in den Vereinigten Arabischen Emiraten", so Sprecherin Heike Dongowski auf RP-Anfrage. Der Ministerentscheid solle aber noch vor Weihnachten erfolgen.

Der Baas der Jonges, Detlef Parr, und Rolf Töpfer, Stadtbildpfleger des Vereins und Vermessungs-Ingenieur, verweisen darauf, dass sich durch den Kö-Bogen und den Abriss des Tausendfüßlers die Fläche für Grün und Fußgänger im Vergleich zu vorher verdoppeln werde. Sie halten den Denkmalschutz der Parkanlage Hofgarten für wichtiger als den der Hochstraße und begrüßen, dass der Park Fläche zurückbekommt.

Diese Begründung ist für den Bund Deutscher Architekten (BDA) verwunderlich. "Wieso haben die Jonges nicht für den Hofgarten gekämpft, als das Grundstück für die Libeskind-Bauten verkauft wurde mit den Flächen, die 1961 dem Hofgarten genommen wurden?", fragt Architekt Thomas Beucker. Im Übrigen könne die Fläche unter der Hochstraße ein urbaner, künstlerisch gestalteter Weg sein, der sogar Schutz vor Regen bieten würde.

Manfred Droste, Mitglied der Initiative Lott Stonn, erklärt: "Als langjähriges Jonges-Mitglied kann ich nicht akzeptieren, was zwei Vorstandsmitglieder als Meinung der Jonges angegeben haben. Eine Umfrage oder Abstimmung zum Abriss hat im Verein niemals stattgefunden." Umfragen in Düsseldorf hätten jedoch ergeben, dass eine Mehrheit gegen den Abriss der Hochstraße sei. Droste bezweifelt, dass dies bei den Jonges anders sei.

Auch die rot-grüne Opposition, die das Projekt Kö-Bogen insgesamt ablehnt, überzeugen die Argumente der Jonges nicht: Norbert Czerwinski (Grüne) bezweifelt, dass die Fläche seriös berechnet wurde. "Aber selbst wenn es stimmt, ist das für mich kein Grund, 150 Millionen Euro auszugeben." Ähnlich argumentiert SPD-Fraktionschef Markus Raub. "Mit dem gleichen Argument könnte man auch das Schloss Benrath abreißen, dann hätte man auch mehr Fläche für Fußgänger oder Grün", so Raub. Die Frage "Abriss oder nicht?" lasse sich nicht mit dem Baugesetzbuch, sondern nur denkmalschutzrechlich lösen. Der Mehrwert durch zusätzliche Fläche sei nicht ausschlaggebend.

(RP/jco)
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