Tausendfüßler : Politik ist uneins

Die Nachricht, dass nun NRW-Bau- und Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD) über den von der Stadt geplanten Abriss der denkmalgeschützten Hochstraße Tausendfüßler entscheiden muss, wird von den Ratsfraktionen kontrovers diskutiert.

Die Positionen entsprechen den Fronten beim Bauprojekt Kö-Bogen insgesamt. In dessen zweitem Bauabschnitt der Abriss vorgesehen ist: Nach Ansicht der schwarz-gelben Ratsmehrheit ist erst durch den Abriss des Tausendfüßlers ein städtebaulicher Mehrwert durch eine Neugestaltung der Innenstadt möglich, die rot-grüne Opposition lehnt den Kö-Bogen insgesamt ab und hofft nun, dass der SPD-Minister in der Frage des Denkmals ihrer Ansicht folgt.

Auslöser sind unterschiedliche Ansichten zweier Behörden: Die Untere Denkmalschutzbehörde, ein städtisches Amt, gibt dem Abriss des Denkmals statt. Landeskonservator Udo Mainzer lehnt dies ab und hat auf RP-Anfrage bestätigt, von seinem Recht Gebrauch gemacht und einen Ministerentscheid herbeigeführt zu haben.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) betont, der Landeskonservator habe "sehr früh Partei ergriffen". Die Liberale ist jedoch sicher, dass Voigtsberger, mit dem sie im Landschaftsverband Rheinland stets konstruktiv zusammengearbeitet habe, bevor er ins Ministeramt wechselte, "sachlich und nicht parteipolitisch" entscheiden werde. "Auch Ministerpräsidentin Kraft wird das Potenzial des Projekts erkennen", so die Liberale. "Dieser Minister weiß, dass Städte autonome Gebilde sind und ein Eingriff nur in absoluten Ausnahmen zulässig ist", sagt CDU-Planungsexperte Alexander Fils. Der vom Rathaus beauftragte Gutachter habe zwischen drei Denkmälern abgewogen — dem Hofgarten, der Kö und dem Tausendfüßler —, durch den Kö-Bogen aber einen klaren Mehrwert für den Park und die Königsallee erkannt. Fils weist auch darauf hin, dass die Hochstraße im Fall der nötigen Sanierung ihren Charakter verliere.

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"Für mich ist der Tausendfüßler kein Denkmal wie Schloss Benrath", so SPD-Fraktionschef Markus Raub. Die Stadt habe aber eine ausreichende Stellungnahme zum Abriss der Hochstraße versäumt: "Ein Aktenvermerk von der Unteren Denkmalschutzbehörde reicht nicht." Er rechnet nicht mit einer parteipolitischen entscheidung des Ministers. Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski begrüßt die Entscheidung des Landeskonservators. Dass der damit argumentiert, der Tausendfüßler sei ein Symbol der autogerechten Stadt, stört ihn nicht: "Die geplanten Autotunnel zeigen kein Umdenken."

(RP)