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Hauptbahnhof: Bahnhofsmission macht Reisebetrieb menschlich

Hauptbahnhof : Bahnhofsmission macht Reisebetrieb menschlich

Für Ratsuchende und hilflose Reisende haben die Kirchen eine Anlaufstelle im Bahnhof eingerichtet: die Bahnhofsmission. Sie feiert heute ihr 110-jähriges Bestehen. Ihr Ziel ist praktische Hilfe und Beratung ohne missionarische Frömmelei.

Die Bahnhofsmission ist nur ein Rädchen im großen Getriebe des Verkehrsknotenpunktes mit täglich tausenden Reisenden. Auch wenn die Leiterin der Bahnhofsmission, Barbara Kempnich, die Rolle der Anlaufstelle im Bahnhof bescheiden schildert, ist sie doch von deren großen Bedeutung überzeugt. "Wir sorgen für das Menschliche in dem Betrieb", sagt sie.

Der Beweis ist jederzeit zu sehen. Da begrüßt eine Reisende im Rollstuhl die Leiterin herzlich, bedankt sich eine Besucherin, dass sie sich im Nebenraum umziehen konnte, schildert ein Mann seine Angst vor dem Krankenhaus. Für alle hat Kempnich ein freundliches Wort, verspricht sogar einen Besuch im Krankenhaus. "Hier können Menschen über ihre Sorgen sprechen, wir versuchen, Hilfe zu vermitteln und Reisende direkt zu unterstützen, die Fahrt mit der Bahn zu bewältigen", so Kempnich.

Und das schon seit 110 Jahren. Denn bereits 1902 wurde die Düsseldorfer Bahnhofsmission als eine der ersten in Deutschland gegründet. Damals ging es in erster Linie darum, junge Frauen, die zur Arbeitssuche nach Düsseldorf anreisten, zu beraten und zu seriösen Stellenvermittlungen zu bringen.

Die Aufgaben haben sich im Lauf der Zeit geändert, aber der Kern ist gleich geblieben: "Wir bieten Reisenden Orientierung und helfen Menschen aus Düsseldorf, die einsam oder arm sind und sich am Hauptbahnhof aufhalten", sagt Kempnich. "Die Bahnhofsmission ist aber keine Suppenküche, gegen dieses Vorurteil kämpfen wir an", sagt Robert Modliborski, stellvertretender Leiter.

Hilfe zur Selbsthilfe sei der Leitsatz der Arbeit. Düsseldorfer in Not würden über Beratungsstellen informiert, Reisende bekommen Tipps für die Fahrten und handfeste Unterstützung. Senioren oder Rollstuhlfahrer bringen sie zum Zug oder holen sie ab, wenn die Mission von der Bahn informiert wird, Verbindungen werden herausgesucht oder Kontakte in der Stadt vermittelt.

Zur Betreuung stehen neun hauptamtliche, (drei Vollzeit- und sechs Teilzeitkräfte) sowie etwa 50 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung, "die für ihre Aufgaben geschult werden", so Kempnich. Sie tragen als Erkennungszeichen eine knallblaue Weste mit dem Kreuz der Bahnhofsmission. "Denn wir wollen von Hilfesuchenden erkannt werden", sagt Modliborski.

Für diese Offenheit steht auch die freundliche Gestaltung der Räume mit der großen Glasfront, die Einblicke ermöglicht und zum Betreten einlädt. "Hier ist ein besonderer Ort, an dem jeder egal welcher Herkunft Zuwendung erfährt", nennt Kempnich einen wichtigen Aspekt. Das entspreche der christlichen Forderung nach Nächstenliebe. Die werde ohne viel Aufhebens und ohne missionarische Frömmelei praktiziert.

(bro)