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Nach dem Amoklauf: Bahnhof: Händler geschockt

Nach dem Amoklauf : Bahnhof: Händler geschockt

Am Tag nach dem Amoklauf sind viele, die am Hauptbahnhof arbeiten, noch immer fassungslos: Einige merkten erst, dass etwas nicht stimmte, als die Polizei den Tatort bereits absperrte – andere mussten den Angriff mit ansehen.

Am Tag nach dem Amoklauf sind viele, die am Hauptbahnhof arbeiten, noch immer fassungslos: Einige merkten erst, dass etwas nicht stimmte, als die Polizei den Tatort bereits absperrte — andere mussten den Angriff mit ansehen.

Sofia Pechagia ist immer noch geschockt. Von ihrem Geschäft aus hat die Filialleiterin der Fleischerei Pick&Goertz die Straßenbahnhaltestelle vor dem Hauptbahnhof direkt im Blick — den Ort, wo am Dienstag ein 48-Jähriger eine junge Frau als Geisel nahm und ihr in den Kopf schoss.

"Ich habe alles mit ansehen müssen", sagt Sofia Pechagia. Der Mann habe die junge Frau an der Straßenbahnhaltestelle gepackt und ihr eine Pistole an den Kopf gehalten. "Dann gab es einen Knall und die Leute haben geschrien." Während die Polizisten den Mann überwältigten, sei sie nach draußen gelaufen, wo einige Passanten bereits die stark blutende Frau versorgten.

Erst im Nachhinein habe sie realisiert, was vor ihrer Ladentür passiert sei. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagt Pechagia. Ihre Mitarbeiterinnen nicken. Eine von ihnen war aus Panik in den hinteren Teil des Geschäfts gerannt, als sie den Schuss hörte. Auf dem Bahnhofsvorplatz direkt neben dem Tatort ist das Attentat auch heute Gesprächsthema Nummer Eins.

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"Aber eigentlich habe ich an dem Tag selbst gar nichts mitkommen", sagt Beate Enders, die an ihrer Bude Kartoffelpuffer und Grillwürste verkauft. Erst als die Polizisten aus dem Bahnhof heraus an ihr vorbeirannten, bemerkte sie, dass etwas passiert sein musste. "Abends ist mir dann richtig mulmig geworden, dass so ein Verrückter da draußen rumgelaufen ist."

Sie habe sich gewundert, dass viele ihrer Kunden seelenruhig stehenblieben und zusahen, wie die Polizei den Mann überwältigte. Schocksymptome, wissen Experten, können auch ein oder zwei Tage nach dem Geschehen noch auftreten. Rolf Peter Hoppe, der den Polizeieinsatz am Dienstag geleitet hat, rät, das durchaus ernst zu nehmen. Schlafstörungen, Nervosität, die Unfähigkeit an etwas anderes zu denken — all das können Anzeichen für eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung sein.

Dann sollten Betroffene Hilfe suchen — beim Hausarzt oder den geschulten Notfall-Helfern, die sich auch während des Polizeieinsatzes um die Zeugen kümmerten.

Nichts vom Amoklauf bemerkt

Die Mitarbeiter des Ibis-Hotels im Hauptbahnhof bekamen von dem Schuss auf die Polizisten und die Hektik, die daraufhin direkt vor ihrer Tür ausbrach, gar nichts mit. Erst als ein Gast hereinstürmte und aufgeregt von einer vermeintlich toten Frau auf den Gleisen berichtete, fanden sie im Internet die Eilmeldung.

"Ich glaube, die Hälfte der Leute hat gar nicht realisiert, was da abgelaufen ist. Es ging einfach zu schnell", sagt Sebastian Schmitte von Imbissstand Damisch direkt am Eingang der Bahnhofshalle. Er habe zwar einen Knall gehört, aber nicht einordnen können, woher das Geräusch kam. Nur einige Meter vom Würstchenstand entfernt markieren zwei gesprayte rote Kreuze die Stelle, an denen der Täter den ersten Schuss abgab. Kaum ein Passant bleibt stehen, die meisten hasten mit ihren Taschen und Koffern einfach darüber hinweg.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mann schießt am Bahnhof auf Passantin