Landesprojekt: Bahnhöfe: Kampf dem Graffiti

Landesprojekt: Bahnhöfe: Kampf dem Graffiti

Die Deutsche Bahn und das Bundesland haben am Montag ein Projekt gestartet, das Schmierereien aus Bahnhöfen verbannen soll. Auch an sieben Düsseldorfer S-Bahnhöfen soll Speziallack und eine Hotline für Sauberkeit sorgen.

Mit einem Sofortprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro will das Land in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn gegen Graffiti-Schmierereien vorgehen. Wie NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper gestern mitteilte, sollen landesweit 100 verschandelte Bahnhöfe und Haltepunkte optisch aufgewertet werden -- sieben allein in Düsseldorf. Sie seien das "Eingangstor zur Bahn” und sollten einen guten Eindruck hinterlassen, so der Minister.

"Mit unserer Aktion wollen wir für die Fahrgäste eine angenehme Atmosphäre schaffen”, so der CDU-Politiker. Er zog gestern an der S-Bahn-Haltestelle Friedrichstadt selbst Schutzhandschuhe an und demonstrierte mit Besen und Hochdruckreiniger, wie solche Verunzierungen nahezu mühelos entfernt werden können. Auch die S-Bahnhöfe Bilk, Derendorf, Eller-Mitte, Gerresheim, Hellerhof und Wehrhahn werden mit dem neuen Mittel bearbeitet.

Die Betonwände, die offenbar magisch Sprühdosen-Attacken auf sich lenken, tragen eine spezielle Farbgrundierung, von der sich Sprühfarben viel leichter und deswegen auch kostengünstiger als bisher entfernen lassen. Vor allem soll die Reinigung aber auch schneller gehen. Denn über eine Hotline soll der Fahrgast künftig die Mitarbeiter auf die Schmierereien aufmerksam machen. Das Versprechen der Bahn: Binnen 72 Stunden sind die Wände sauber. Und sollen es auch möglichst lange bleiben. "Wir senden den Sprayern ein Zeichen, dass es sich nicht lohnt, die Anlagen zu beschmieren”, so der Verkehrsminister.

Ratsherren sind kritisch

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Mitglieder aus dem Düsseldorfer Stadtrat sind von der nachhaltigen Wirkung dieser Kampagne jedoch wenig überzeugt. "Dafür hat die Bahn in der Vergangenheit zu oft versäumt, ihre Anlagen in Ordnung zu bringen”, sagt ausgerechnet Parteikollege des Ministers Andreas Hartnigk. Zusagen zur Verbesserung der Sauberkeit und Infrastruktur seien in vielen Fällen nicht eingehalten worden.

Kritik kommt auch aus dem Oppositionslager. Zwar begrüßt man bei der SPD das Graffiti-Programm --­ hält aber andere Probleme für dringlicher. "Zunächst muss die Bahn ihre Informationspolitik ändern und mehr Geld in die dafür benötigte Infrastruktur investieren”, sagt Martin Volkenrath, Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses (OVA). Ein entsprechender Antrag ist in der vergangenen OVA-Sitzung erarbeitet worden, um die Informationsqualität für den Bahnkunden in Düsseldorf zu erhöhen. Immerhin hat die Bahn mit ihrem Programm den sonst eher kritischen Fahrgastverband auf ihrer Seite. "Schmierereien am Bahnhof schüren bei den Kunden Unsicherheiten und schrecken sie ab”, sagt Pro-Bahn-Vorsitzender Karl-Peter Naumann, der die Reinigungsaktion auch aufgrund der mutmaßlich präventiven Wirkung für sinnvoll hält.

Das Vergehen ist kein Kavaliersdelikt, betonte auch Lienenkämper. Seit 2005 werden sie in NRW als Sachbeschädigung bestraft. Seither sei ein rasanter Anstieg an Anzeigen zu verzeichnen, so das NRW-Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung. Der Anteil der Graffiti an den Sachbeschädigungs-Delikten liegt bei 16 Prozent. Wer erwischt wird, muss damit rechnen, die Kosten für die Reinigung der beschmierten Flächen zu übernehmen, die leicht mehrere Tausend Euro betragen können.

Die Aufklärungsquote ist mit 19 Prozent ­ -- das heißt: jeder fünfte Sprüher wird erwischt --­ allerdings noch recht gering. "Wir setzten auf die örtlichen Ordnungspartnerschaften”, so das Düsseldorfer Innenministerium.

(RP)