Rheinbahn bricht mit der Tradition: Bahnen fahren am Heiligabend

Rheinbahn bricht mit der Tradition : Bahnen fahren am Heiligabend

Die Rheinbahn bricht mit einer ihrer letzten Traditionen. Am 24. Dezember fahren Bahnen auf den Hauptstrecken bis zum frühen Abend, später pendeln die Nachtexpress-Linien zwischen dem Zentrum und den Stadtteilen.

Bisher war der Rheinbahn der Heiligabend heilig: Spätestens ab 17Uhr fuhren am 24.Dezember keine Busse und Bahnen mehr. Wer nicht gut zu Fuß ist und die Christmette besuchen will, wer Weihnachten feiert, vielleicht das eine oder andere Gläschen trinkt, sich nach dem Besuch bei den Eltern noch mit Freunden trifft oder einfach nur nach Hause möchte, musste sich ein Taxi nehmen.

Das ändert sich in diesem Jahr: Bis 18 oder 19 Uhr fahren die U- und Straßenbahnen auf den Hauptstrecken; von 19.30Uhr bis 3.30Uhr verkehren die acht Nachtexpress-Linien in die größten Stadtteile und drei U-Bahnen: U74, U75 und U79. Leidtragende sind die Taxifahrer. Ihnen drohen Einbußen an einem der umsatzstärksten Tage im Jahr. "Das ist nicht gut für uns", kommentiert Denis Klusmeier, Vorsitzender von Taxi-Düsseldorf diese Entwicklung. "Schön ist das natürlich für Bürger, die eine günstige Alternative zum Taxi haben wollen."

"Wir brechen mit einer Tradition", sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Die Rheinbahn nahm bisher unter den Verkehrsunternehmen noch eine Sonderstellung ein - in kaum einer anderen Großstadt fahren an Heiligabend Busse und Bahnen ins Depot. Im vergangenen Jahr regte sich jedoch massive Kritik, nicht zuletzt ausgelöst durch den damaligen Vorsitzenden der Jungen Union, Christian Rütz: "Es ist provinziell, dass in der Landeshauptstadt an Heiligabend keine einzige Straßenbahn und kein einziger Bus fährt", sagte er. Die Rheinbahn versprach, den Bedarf zu prüfen.

Am Widerstand der Fahrer würde die kleine Rheinbahn-Revolution nicht scheitern - das war klar. Menschen aus 30Nationen steuern Busse und Bahnen, darunter viele, die mit dem christlichen Fest nichts am Hut haben. Niemand, der Heiligabend im Kreis seiner Familie und Freunde feiern wolle, müsse darauf verzichten, so Schumacher.

Aufsichtsratschef Rolf-Jürgen Bräer (SPD) begrüßt die Neuerung. Die Weihnachts-Feierkultur habe sich geändert: "Erst die Bescherung mit der Familie, dann geht's ab auf die Piste." Ab 22 Uhr sei es in der Altstadt rappelvoll, weiß Bräer. FDP-Verkehrsexperte Manfred Neuenhaus hat eine andere Klientel im Blick: die Alleinstehenden: "Es wäre bitter, wenn die Leute zu Hause blieben, weil sie sich ein Taxi nicht leisten können." Uneingeschränkt positiv sieht der Liberalen-Politiker diese Entwicklung aber nicht: "Ich befürchte, dass wir irgendwann in eine 7-Tage-Woche gehen, in der alle Tage gleich sind und denen man alles jederzeit machen kann."