Handwerksbäcker aus Düsseldorf Eine Brot-Brücke für die Ukraine

Düsseldorf · Viele Handwerksbäckereien aus Düsseldorf sind Teil der bundesweit tätigen Brot-Brücke in die Ukraine. Verladen werden die Spendenbrote aktuell in Reisholz bei der Stadtbäckerei Westerhorstmann.

 Rudi Willemsen, Mitarbeiter der Bäckerei Puppe (l.), und Frank Bachhausen von der Stadtbäckerei Westerhorstmann.

Rudi Willemsen, Mitarbeiter der Bäckerei Puppe (l.), und Frank Bachhausen von der Stadtbäckerei Westerhorstmann.

Foto: Bachhausen

Brot backen ist ihr Handwerk, und jetzt helfen sie mit diesem Grundnahrungsmittel auch den Menschen in der Ukraine. Von der Backstube des Stadtbäckers an der Nürnberger Straße in Reisholz bringen Handwerksbäckereien aus Düsseldorf und der Umgebung ihre Spenden-Brote zur Stadtbäckerei Westerhorstmann. Dort werden sie auf Paletten an den Spediteur übergeben und auf einen Lkw verladen.

„Es ist gut, dass wir einen Beitrag leisten können”, sagt Frank Bachhausen von der Stadtbäckerei Westerhorstmann. Die mittlerweile sechste Lieferung der Brot-Brücke geht diese Woche in die Ukraine. In die Kornkammer Europas, von der niemand dachte, dass dort einmal gespendetes Brot die Not der Menschen lindern müsste.

Das konnte sich auch Bäckermeister Thomas Puppe nicht vorstellen. Er freut sich über das große Engagement: „Wir haben verschiedene Bäckereien angesprochen und es machen viele mit”, sagt er. 300 bis 350 Brote pro Bäckerei gehen in die Ukraine-Lieferung. Einmal wöchentlich wird ein Transport organisiert. Die beteiligten Bäckereien aus Düsseldorf und der Umgebung liefern nach einem Einsatzplan ab. Vertreten sind aktuell: Behmer, Busch, Pass, Hinkel, Puppe, Schüren, Westerhorstmann und Terbuyken.

Zuständig für die Organisation ist die gemeinnützigen Gesellschaft Atelier Ernährungswende gUG zusammen mit dem Berufsverband Die Freien Bäcker. Anke Kähler, Bäckermeisterin und Vorstand: „Brot kann man gut transportieren und es macht lange satt.“ Sie erlebt die Bäcker als handfest und solidarisch. Viele hätten vorher Back- und Verpackungstests gemacht, damit das Brot lange frisch bleibt und nicht schimmelt. „Bäckereien und Brotfabriken wurden in der Ukraine zum Teil zerstört. Es macht also Sinn, Brot zu liefern. Dazu, dass die Waren ankommen wo sie benötigt werden, haben wir verlässliche Informationen“, sagt Kähler.

Viele der beteiligten Bäckereien beliefern auch schon Flüchtlingsunterkünfte in ihrer Umgebung mit Backwaren. Die zusätzlichen Brote, die direkt in die Ukraine gehen, sind ein weiteres Angebot. „Meine Mitarbeiter backen diese nach ihrem Feierabend und schreiben die Stunden nicht auf”, sagt Thomas Puppe. Solidarität, die auch Frank Bachhausen in seinem Betrieb erlebt. „Das ist für uns doch das Geringste; wir müssen ja schließlich nicht im Keller schlafen”, sagt er.

Wenn der Lastwagen das Betriebsgelände in Reisholz verlässt, fährt er zu weiteren Stationen, um Brot auf Paletten zu zuladen. Die Brot-Brücke arbeitet mit der Koordinierungsstelle für Lebensmittelhilfen der Ernährungswirtschaft in die Ukraine, zusammen und ist eingebettet in Maßnahmen des bilateralen Kooperationsprojektes Agritrade Ukraine des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

„Wir bekommen Feedback, wissen, dass es klappt und die Brote ankommen“, sagt Bäckermeister Thomas Puppe. In nur einem Monat wurden bundesweit für die Hilfs-Aktion bisher 30.500 Brote, 2016 Nussecken und 855 Panettone von den beteiligten Bäckereien für die Versorgung von Menschen in der Ukraine gebacken.

Für die Brot-Brücke kamen am Dienstag Weizenmischbrote aus Düsseldorf auf den Transporter. Neben den Handwerksbäckereien, die alle Zutaten und ihre Arbeitszeit spenden, unterstützen auch viele weitere Partner die Aktion. Die Brotlieferungen werden zeitlich und logistisch gebündelt und in kürzester Zeit von staatlichen Stellen in der Ukraine in die notleidenden Regionen transportiert.