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Behandlungsfehler eines Säuglings: Babytod - Justiz ermittelt

Behandlungsfehler eines Säuglings : Babytod - Justiz ermittelt

Neuer Skandal am Klinikum Essen: Sechs Monate nach dem "Fall Broelsch" soll wegen eines Behandlungsfehlers ein Säugling aus Düsseldorf gestorben sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Die kleine Lara war erst sechs Monate alt, aber schon sehr schwer krank. Das Baby litt unter einer lebensgefährlichen Schädigung der Leber. Dennoch waren seine Eltern, Klaus Gerecke und Bianca Buckowski aus Düsseldorf, voller Hoffnung, dass Lara bald wieder gesund sein würde. Ihre kleine Tochter lag im Uni-Klinikum Essen und sollte dort durch eine Transplantation gerettet werden. Die Operation stand kurz bevor, da erhielten die Eltern aus der Intensivstation der Klinik die schreckliche Nachricht: "Ihre Tochter liegt im Sterben." Zwei Tage kämpften die Mediziner noch um das Leben der Kleinen - vergeblich. Lara starb am 20. Oktober.

Für die behandelnden Ärzte war laut einem Kliniksprecher die Ursache für den plötzlichen Tod ihrer Patientin unklar. Polizei und Staatsanwalt wurden informiert, eine Obduktion angeordnet.

Fatale Folgen einer Infusion

Das Ergebnis liegt nun vor. Es macht die trauernden Eltern noch fassungsloser, als sie der Tod ihres Kindes bereits gemacht hat. Eine fehlerhaft dosierte Glukose-Infusion habe zu Laras Tod geführt, so ein Sprecher der Essener Staatsanwaltschaft. Statt 15,8 seien 158 Milligramm pro Stunde in die Blutbahn des Kindes geflossen. Die fatalen Folgen: Der Blutzuckerwert erhöhte sich dramatisch und löste eine Gehirnblutung bei dem Baby aus, an der es starb.

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Wer die Infusionspumpe möglicherweise falsch eingestellt hat, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt -wegen fahrlässiger Tötung. Wie lange die Ermittlungen dauern werden, ist laut Staatsanwaltschaft nicht absehbar. "Wir müssen nun Krankenunterlagen sicherstellen und Beteiligte vernehmen", so der Sprecher.

Das Klinikum bestätigte den Tod des Babys, wollte ansonsten aber keine Stellungnahme abgeben - zumal das Ergebnis der Obduktion der Klinik noch gar nicht vorliege. Der Haftpflichtversicherer sei über den Fall informiert.

Transplantationsskandal am Klinikum Essen

Bereits vor einem halben Jahr war das Klinikum Essen in die Schlagzeilen geraten. Es war ein Einzelfall bekannt geworden, in dem das Sekretariat des international anerkannten Transplantationsspezialisten Christoph Broelsch, Chefarzt am Klinikum Essen, den Angehörigen einer 67-jährigen Patientin gegen Zahlung einer Spende in Höhe von 5000 Euro eine zeitnahe Organverpflanzung angeboten haben soll. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen möglicher Vorteilsnahme, Nötigung und Erpressung auf und stieß so auf weitere Verdachtsfälle. Der Uni-Rektor eröffnete ein Disziplinarverfahren gegen den Chefarzt. Nach einer Razzia in der Privatwohnung des Mediziners und in der Klinik Mitte Oktober, bei der Hunderte von Datenträgern und Akten beschlagnahmt wurden, suspendierte der Uni-Rektor Christoph Broelsch. Der Spezialist darf seither nicht mehr am Klinikum operieren. Ein Ende der Ermittlungen ist laut der Staatsanwaltschaft in Essen derzeit noch nicht absehbar. "Die Sichtung der Akten wird sicherlich noch bis zum Ende des Jahres dauern", sagte der Justizsprecher gestern.

Die Frage, ob der tragische Tod der kleinen Lara für das Essener Klinikum nach dem "Fall Broelsch" einen weiteren, schweren Image-Verlust bedeutet, wollte der Sprecher der Essener Uni-Klinik gestern nicht beantworten.

(RP)