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Düsseldorf: Awo muss 15 Stellen streichen

Düsseldorf : Awo muss 15 Stellen streichen

Die Arbeiterwohlfahrt betreibt seit drei Jahren die Berufs-Einstiegs-Begleitung von Jugendlichen. Jetzt hat die Agentur für Arbeit den Auftrag überraschend an einen Konkurrenten vergeben. Der neue Anbieter ist billiger - laut Verdi, weil er keine Tariflöhne zahlt. Die Agentur bestreitet das.

Seit drei Jahren gibt es die Berufs-Einstiegs-Begleitung. Jugendliche, die Schwierigkeiten beim Wechsel von der Schule zum Beruf haben könnten, werden von speziellen Lehrern mehrere Jahre intensiv begleitet. Seit es diese Einrichtung gibt, übernimmt die Arbeiterwohlfahrt diese Aufgabe. Doch jetzt hat sich die Agentur für Arbeit, die diese Maßnahme finanziert, einen anderen Anbieter gesucht. Der Auftrag ging an die Paderborner Firma Inbit. Die Arbeiterwohlfahrt war davon ausgegangen, die Ausschreibung zu gewinnen - eine Fehleinschätzung.

"Dass wir den Zuschlag für die Einstiegsbegleitung nicht bekommen haben, hat uns alle schockiert", sagt Wolfgang Förster, Geschäftsführer des zuständigen Awo-Berufsbildungszentrums. Insgesamt müssen 13 Stellen gestrichen werden. 15 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, weil einige der Jobs nur mit Halbtagskräften besetzt sind. Acht Stellen laufen zum 31. Januar aus, der Rest 2014. "Die Lehrer der sieben betreuten Hauptschulen haben uns stets versichert, dass sie sehr zufrieden mit unserer Arbeit sind", sagt Förster. Die Mitarbeiter der Awo sind schwer enttäuscht.

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"Ausschreibung nach Vorschrift"

Hintergrund der Entscheidung für einen anderen Anbieter ist das Ausschreibungsverfahren. "Wir haben den Auftrag so ausgeschrieben, wie es vorgeschrieben ist. Bei gleicher Qualifizierung erhält der billigere Anbieter den Zuschlag, und das war in diesem Fall Inbit", sagt Peter Wege, Pressesprecher der Düsseldorfer Agentur für Arbeit. Formal sei also alles richtig gelaufen.

Dennoch erhebt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi jetzt schwere Vorwürfe. "Der neue Anbieter Inbit ist nicht tarifgebunden. Nur deshalb war das günstigere Angebot möglich", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Röhrhoff. "Die Arbeiterwohlfahrt bezahlt ihre Beschäftigten nach einem ordentlichen Tarifvertrag. Das bedeutet rund 16 bis 18 Euro pro Stunde für die Lehrer in der Berufs-Einstiegs-Begleitung. Der Anbieter Inbit zahlt gerade mal den Mindestlohn von 12,60 Euro. Das ist ein gewaltiger Unterschied", sagt Röhrhoff. Außerdem gebe es weder Sonderzahlungen noch turnusmäßige Lohnsteigerungen. "Es ist eine schlimme Sache, dass die wertvolle Arbeit der Mitarbeiter in dem so wichtigen Bereich für junge Leute nicht angemessen bezahlt wird", so der Gewerkschafter weiter. Außerdem sei es verwunderlich, wenn die Landesregierung oder die Agentur für Arbeit so demonstrativ den Tarifvertrag umgehe.

Die Agentur weist die Schuld von sich. "Nach unseren Angaben zahlt Inbit zwar nicht den Tariflohn für den öffentlichen Dienst, dafür existiert aber ein Haustarifvertrag. Das ist nach unseren Vorschriften ausreichend", so Wege.

Ob es einen Haustarifvertrag gibt und wie er ausgestaltet ist, ist unklar. Bei der Firma Inbit war gestern weder telefonisch noch per E-Mail jemand erreichbar.

DGB: Systemfehler bei Vergabe

Der Gewerkschaftsbund DGB sieht in dem Düsseldorfer Fall einen systematischen Fehler. "Es kann nicht sein, dass bewährte Träger nach mehreren Jahren ausgewechselt werden, nur weil ein Anbieter billiger ist", sagt DGB-Regionsvorsitzender Klaus Reuter. Das Problem müsse auf Bundesebene gelöst werden. "Wir müssen zu anderen Kriterien bei den Ausschreibungen kommen, die qualitative Gesichtspunkte bei solchen Maßnahmen mehr in den Vordergrund stellen", sagt Reuter, der selbst Mitglied verschiedener Gremien bei der Arbeitsagentur ist.

(ila)