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Autor Jo Stammer hat einen Roman über Kunstfälschung geschrieben

Porträt : Eine einzige Fälschung

Autor Jo Stammer hat einen Roman über Kunstfälschungen geschrieben. „Täuschend echt“ spielt vor allem in Oberkassel.

John Drewe war an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Zwischen 1986 und 1996 drehte er dem Londoner Kunstmarkt rund 200 gefälschte Gemälde an, berühmte Auktionshäuser wie Sotheby’s oder Christie’s fielen auf den smarten Hochstapler herein, der eigentlich John Cockett heißt und sich auch schon mal als Geheimagent mit direktem Draht zu Margaret Thatcher ausgab. Sechs Jahre lang wanderte Drewe, nachdem er überführt war, ins Kittchen.

Jo Stammer las im Spiegel einen Artikel über den ungelernten Münchhausen („Kujau in Nadelstreifen“) und fühlte sich inspiriert. Zumal zu dieser Zeit auch in Düsseldorf ein Kunstskandal für Furore sorgte: Ein vermeintliches Meisterwerk des russischen Konstruktivisten Kasimir Malewitsch in der Kunstsammlung NRW wurde vor anderthalb Jahren von Experten als plumpe Fälschung enttarnt. Auch Wolfgang Beltracchi, der in einem der größten deutschen Kunstfälschprozesse 2011 zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, passt in diese Reihe. Stammer, gelernter Industriekaufmann, seit langem aber als Pfleger in der Gerontopsychiatrie tätig, entschloss sich, endlich seinen ersten großen Roman zu schreiben, nachdem zuvor vieles unveröffentlicht blieb.

„Täuschend echt“ lehnt sich inhaltlich an die Geschichte von John Drewe an, Schauplatz des Geschehens ist aber vor allem Düsseldorf und insbesondere Oberkassel. Sein Protagonist Christian Mohn ist ein ebenso skrupelloser wie phantasievoller Aufschneider, „seine Biografie ist eine einzige Fälschung“, sagt Stammer. Der angebliche Regierungsvertreter Dr. Schmitz-Spiekermann mietet eine viele zu teure Wohnung am Kaiser-Wilhelm-Ring an. Den Pfarrer von Sankt Antonius überredet er dank seiner Überzeugungskraft, drei gefälschte Lüpertz zu beglaubigen.

Jedenfalls: Wie John Drewe heuert er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Kunstmaler an und gibt bei ihm Kopien von Gemälden in Auftrag. Angeblich, um den Kampf gegen Terrorismus zu bekämpfen, in Wirklichkeit aber, um sie in Galerien an Kunstliebhaber zu verhökern. Der Terrorismus-Aspekt sei ebenfalls eine Anspielung aufs Linksrheinische, wurde Detlev Rohwedder doch 1991 in Oberkassel von der RAF getötet. Bis heute ist der Mord ungeklärt.

„Mohn durchlebt eine Metamorphose, nimmt immer mehr die Gestalt der von ihm ausgedachten Personen an, zu denen auch ein israelischer Wissenschaftler zählt“, erklärt Stammer, der mit seinem Buch verdeutlichen will, wie einfach es sein kann, andere Menschen übers Ohr zu hauen, wenn der eine nur über die entsprechenden Talente verfügt und der andere zu leichtgläubig ist. Ob „sein“ Betrüger am Ende überführt wird, darf natürlich noch nicht verraten werden.

Jo Stammer ist in Gerresheim großgeworden, hat noch mit Klaus Allofs beim TuS Gerresheim gekickt, wohnt jedoch schon seit 36 Jahren am Fürstenplatz in Friedrichstadt. Dort fühlt der 61-Jährige sich ein bisschen wie in den Städten, die er liebt – New York, Paris, Nizza oder Brest. „Hier ist alles so fußläufig erreichbar, auch das eigentliche Zentrum. Es gibt tolle Kneipen, der Fürstenplatz ist so bunt und lebendig. Viele Menschen erkennen gar nicht, wie schön sie es direkt vor der eigenen Nase haben.“ Stammer hat inzwischen bereits ein zweites Buch geschrieben, „Die Allesfresserin“, ein Psycho- und Rosenkrieg-Drama. Schreiben, das macht er vorzugsweise am Morgen, denn er hat oft Schichtdienst, „morgens habe ich dann den Kopf frei“, sagt er.

Das Cover seines Fälscher-Romans ziert übrigens die Mona Lisa. Sieht täuschend echt aus, ist aber natürlich eine Fälschung. Die Dame schaut in die falsche Richtung.