Düsseldorf: Autor Harald K. Hülsmann ist tot

Düsseldorf: Autor Harald K. Hülsmann ist tot

Der Düsseldorfer gewann seinen ersten Literaturpreis mit zwölf Jahren.

Der große Meister der kleinen Formen ist tot.

Wer kann schon von sich sagen, dass er mit zwölf Jahren den ersten Literaturpreis erhielt, und zwar aus den Händen von Erich Kästner? Oder dass er als erster Europäer überhaupt mit dem Hokkaido-Senryu-Preis ausgezeichnet wurde? Oder dass er einst mit Dieter Forte einen literarischen Zirkel gründete? All das konnte nur einer von sich sagen: Harald K. Hülsmann.

Der 1934 in Düsseldorf geborene Hülsmann hatte eine Zeit lang wie sein entfernter Verwandter Franz Kafka als Sozialversicherungsangestellter gearbeitet und wie Kafka eine genauen Blick für Absurdes. Er war ein kluger Mann, der sich nie vordrängelte, den seine Kollegen schätzten, ja liebten, und der immer wieder nationale und internationale Auszeichnungen erhielt. Der breiten Öffentlichkeit hingegen war Hülsmann kaum bekannt, was nicht nur an seinem zurückhaltenden Auftreten lag, sondern auch an den literarische Gattungen, die er zeitlebens bereicherte - er schrieb keine Romane, sondern Gedichte. Und Aphorismen. In beiden Gattungen entwickelte er wahre Meisterschaft. Seine zahlreichen Haiku wurden auch von Japanern geschätzt - was kaum einem Europäer widerfährt. Hülsmanns Texte wurden nicht nur ins Japanische übersetzt, sondern auch ins Koreanische, Englische, Polnische und Griechische.

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Als ich vor elf Jahren die Ehre hatte, eine Auswahl aus seinem Gesamtwerk zu treffen, staunte ich über seine Prägnanz, seinen Wortwitz - und über die Anekdoten, die er wie nebenbei erzählte und die von Waffenhändlern in Cafés genauso handelten wie von Chauffeuren der Großindustriellen und deren Schreibwerkzeugen. Auch hier bewährte sich die Genauigkeit seiner Beobachtung. Besonders lieb wurden mir seine Tiergedichte - die Zerbrechlichkeit der Welt fand hier gelungenen Ausdruck.

Seit langem war seine Gesundheit angegriffen, vor wenigen Monaten erst war er gemeinsam mit seiner Frau nach Münster in ein Pflegeheim gezogen. Dort ist er nun gestorben, wenige Wochen nach seinem 81\. Geburtstag. Wie schrieb der große Meister der kleinen Formen? "Heldenverehrung / In den Gärten beug ich mich / vor dem Rosenstrauch."

Info Der Verfasser ist Leiter des Literaturbüros NRW.

(RP)
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