Andreas Kraemer: "Automeile soll echtes Ausflugsziel werden"

Andreas Kraemer : "Automeile soll echtes Ausflugsziel werden"

Der Geschäftsführer der P&A Autozentren über die Automeile Höherweg und die Probleme mit Elektroautos in Düsseldorf.

Der Geschäftsführer der P&A Autozentren über die Automeile Höherweg und die Probleme mit Elektroautos in Düsseldorf.

Herr Kraemer, Ihr Wettbewerber Daimler will verschiedene Standorte von werkseigenen Niederlassungen im Rheinland an private Investoren verkaufen. Wie schätzen Sie die Pläne ein?

Kraemer Das Problem der Niederlassungen der großen Autohersteller ist, dass sie kein Geld verdienen. Daher können die Niederlassungen meines Erachtens auch nicht verkauft werden. Daimler wird sich schwer tun, einen Investor zu finden. Ich rede nicht von Top-Standorten wie Düsseldorf, Köln oder Berlin, sondern von solchen in der Peripherie oder in kleineren Großstädten. Man darf nicht vergessen, dass die Niederlassungen so etwas wie Outlets bei Modeketten sind. Sie dienen dazu, die Produktion zu steuern und neue Produkte im Markt zu platzieren.

Seit zehn Jahren ist die Automeile Höherweg das Düsseldorfer Autozentrum. Was fehlt Ihnen hier?

Kraemer Konkret fehlen die eben angesprochenen Niederlassungen. Es ist schade, dass weder Mercedes noch BMW hier ihre Standorte haben. Aber als Premiummarke wird Audi nach meinen Kenntnissen bald an die Automeile kommen. Die Automeile entwickelt sich am Wochenende zu einem echten Ausflugsziel für Autointeressierte.

Aber die wollen auch essen und trinken...

Kraemer In der Tat, das ist ein Manko am Höherweg. Am liebsten hätten wir hier einen neuen McDonald's.

Befruchten sich die verschiedenen Autohäuser am Höherweg, oder ist es so, dass sich durch die unmittelbare Nachbarschaft eher der Wettbewerb zu Gunsten der Kunden verschärft?

Kraemer Natürlich besteht die Gefahr, dass der Kunde fußläufig zur Konkurrenz wandert und sich dort von einem anderen Fahrzeug begeistern lässt. Aber erstens kommt der Kunde heute ohnehin bereits gut informiert zum Autohändler. Und zweitens ist das gut vergleichbar mit der Königsallee oder der Flinger Straße. Dort sind auch verschiedene Modehäuser, echte Konkurrenten, direkt nebeneinander. Erst dadurch, dass der Kunde eine breite Auswahl an Angeboten hat, wird der Standort attraktiv. Und so ist das auch mit der Automeile Höherweg. Die ist die Königsallee der Fahrzeughändler.

Ihr Autohaus P&A tritt hier mit einem Bündel an Marken an. Neben Nissan, Renault, Kia oder Dacia auch mit der Premium-Marke Infiniti. Aber Hand auf's Herz, können Sie mit dem unbekannten Luxuxjapaner bei Oberkasseler Kunden punkten, die auf Benz und Porsche oder BMW setzen?

Kraemer Allerdings, besonders dort. Denn der Infiniti-Käufer ist ein Autofahrer, der BMW und Mercedes überdrüssig geworden ist. Und da ist Infiniti eine individuelle Alternative. Fernab von dem Wagen, der als Standard-Firmenwagen infrage kommt. Aber es ist natürlich so, dass das Image von Infiniti als Oberklasse-Marke in Düsseldorf erst noch aufgebaut werden muss. Wer Infiniti fährt, der fällt auf.

Die Konjunktur brummt, die Beschäftigung ist hoch, die Zinsen niedrig. Warum verkauft Ihre Branche nicht mehr Autos?

Kraemer Investiert wird von den privaten Haushalten vor allem in Bau-Steine-Erden. Der Neuwagenabsatz in der ganzen Branche hat definitiv noch Nachholpotenzial.

Oder ist die Zeit des eigenen Autos vorbei?

Kraemer Tatsächlich verkaufen wir heute eher das Gut Mobilität, als den Traum vom eigenen Fahrzeug. Vor 20 Jahren war der eigene Wagen noch der ganze Stolz junger Fahranfänger. Die junge Generation heute legt dagegen vor allem Wert auf ständige Erreichbarkeit und Flexibilität. Das Smartphone hat das Auto als Prestige-Objekt und Weg zur individuellen Freiheit bei jungen Kunden abgelöst.

Wie entgegnen Sie diesem Trend?

Kraemer Wir arbeiten gerade an einer Flatrate für Autos. Der Kunde zahlt eine bestimmte Summe, und dafür stellen wir ihm ein Fahrzeug hin, er muss sich um nichts kümmern, Versicherung, Wartung, Auto, alles kommt aus einer Hand. Es gab auch Versuche, verschiedene Fahrzeuge in einer Flatrate anzubieten, etwa einen Geländewagen im Winter, ein Cabrio im Sommer - alles mit einem Vertrag. Aber das überforderte etwas die Kapazitäten.

Wie schätzen Sie denn die Zukunft der Elektromobilität in Düsseldorf ein?

Kraemer Die Stadt hat das Potenzial für 10 000 Elektroautos. Wir sind auf gutem Weg. Wir bieten etwa den Renault Twizzy, ein kleiner Elektroflitzer, bei dem die beiden Passagiere hintereinander sitzen. Allerdings ist so etwas eine Lösung für die Großstadt. Bei größeren Strecken bietet die Elektroflotte noch keine praktikable Lösung. Die Reichweiten sind zu niedrig.

Reicht die Zahl der Ladestationen?

KraEmer Nein, da gibt es noch einen Riesenbedarf. Denn wer keine eigene Garage mit Steckdose hat und im fünften Stock wohnt, hat ganz schlechte Karten, seinen Elektroflitzer aufzuladen. Und das Verlängerungskabel vom Balkon ist keine Alternative (lacht).

Was halten Sie von Carsharing, was Daimler und BMW hier anbieten?

Kraemer Das brummt, und das zu recht. Ich denke, da gibt es noch mehr Potenzial außerhalb von DriveNow und Car2go. Warum sollten sich nicht drei Familien in Pempfelfort einen Pkw auf privater Ebene teilen - auch mit Blick auf die wenigen Parkplätze ein Gewinn.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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