1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Nach Insolvenz: Auto Kroymans vor dem Aus

Nach Insolvenz : Auto Kroymans vor dem Aus

An der Automeile Höherweg startete der niederländische Markenmulti vor fünf Jahren mit hochfliegenden Plänen. Düsseldorf sollte sein wichtigster Markt in Deutschland werden. Vor einem halben Jahr ging das Unternehmen in die Insolvenz. Ein Umzug von Audi-Nordrhein ist offiziell kein Thema.

Die Hoffnung haben die rund 80 Mitarbeiter am Höherweg noch nicht aufgegeben, aber sie ist zugegebenermaßen gering. Schafft Insolvenzverwalter Winfrid Andres das Kunststück noch? Findet er zumindest für Teile des vor sechs Monaten in die Insolvenz gerutschten niederländischen Automultis Kroymans noch einen Käufer? "Wir sind dabei, für die einzelnen Standorte Kaufverträge zu machen", sagt Andres. "Für den Höherweg führe ich Gespräche mit zwei Interessenten, aber alles in allem ist das schwierig."

Fünf Jahre ist es erst her, da legten die Niederländer an der damals schon vielfach bestaunten Automeile Höherweg einen fliegenden Start hin. Nachdem sie acht Monate zuvor schon in das insolvente Autohaus von Becker Nord in Lohausen eingestiegen waren, feierten sie in Flingern die offizielle Eröffnung ihres ersten von insgesamt vier Autohäusern — allesamt am Höherweg.

"Wir setzen voll auf den Standort Düsseldorf. Wir sind Freunde des Wettbewerbs im Sinne der Liberalisierung des Automarktes, sie verspricht das bessere Geschäft", sagte Kroymans' damaliger Deutschland-Geschäftsführer Johannes Cürten am Beginn einer Investition von mehr als zehn Millionen Euro. Die Marken Cadillac, Chevrolet, Corvette, Hummer und Saab waren die Appetitmacher, nicht viel später folgten Jaguar, Landrover und — eine Stufe solider — Ford, Opel, Alfa und Volvo.

  • Erzbischof Rainer Maria Woelki am 23.03.2021
    Katholische Kirche in Düsseldorf : Auszeit für Woelki macht Düsseldorfer Katholiken ratlos
  • Das Unkraut rund um Peter‘s Biergarten
    Wem gehört Düsseldorf? : Biergarten verfällt wegen eines Streits
  • Kerstin Rapp-Schwan (Schwan) und Angelina Guntermann
    Gastronomen am Burgplatz in Not : Was Düsseldorf gegen die Wanzenplage tun will
  • Armin Laschet und Angela Merkel bei
    Laschet und Merkel in Aachen : Buh-Rufe und Printen-Herzen
  • Eigentlich gelten Schüler laut Coronaschutzverordnung „aufgrund
    Für 3G-Veranstaltungen : NRW-Schüler brauchen in den Herbstferien aktuellen Corona-Test

Das Unternehmenskonzept "mit mehreren Marken unter einem Dach unter Wahrung der Identität jeder Einzelnen", sei voll aufgegangen, versicherte Cürten damals. Heute ist genau das, die Konzentration von vier Häusern auf 12 800 Quadratmetern in einer Firmenhand, für den Insolvenzverwalter das Problem. Wer will sich in Zeiten von Abwrackprämie, dramatischen Umsatzeinbrüchen und dahin schmelzenden Margen einen solch' dicken Happen noch leisten? Andres spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer "Missgeburt".

Lichter noch nicht ausgegangen

Bei Kroymans am Höherweg sind die Lichter noch nicht ausgegangen, aber fast alles deutet auf die Abwicklung des Bestands hin: Viele Autos, neu und gebraucht, so gut wie keine Interessenten, allenfalls Schnäppchenjäger. Nachdem die vor einigen Monaten eingeführte Abwrackprämie dem ins Wanken geratenen holländischen Auto-Riesen auf den letzten Metern noch einen Schub — bei allerdings schmalen Gewinnspannen — verlieh, ist heute Skepsis angesagt. "Wir fallen in einen tiefes Loch", prophezeit ein Kroymans-Angestellter an der Automeile, der namentlich nicht genannt werden will. Etwas besser sieht es an der Niederrheinstraße in Lohausen aus, wo Insolvenzverwalter Andres davon ausgeht, dass er einen Käufer findet.

Am Höherweg ist Robert Rademacher, Vater und Geschäftsführer der Automeile, überzeugt, dass es bald wieder aufwärts geht. Die Sache mit Kroymans sei "unschön", aber ändere nichts an der Strategie, nur "erstklassige Partner" auf die Meile zu lassen. Rademacher ist überzeugt, "dass es gelingen wird, in diesem Sinne jemanden zu finden". Und er gibt sogar zu, dass es ideal wäre, wenn die mit mehreren Marken (VW, Skoda, Bentley) am Höherweg vertretene Gottfried-Schultz-Gruppe auch ihr Audi-Zentrum Nordrhein von der Oberbilker Straße an die Meile verlagern würde.

Unternehmensintern wird ein solches Vorhaben diskutiert, allerdings ist das erst vor zehn Jahren realisierte Audi-Projekt steuerlich noch nicht abgeschrieben. "Zehn Jahre fehlen uns noch für den Umzug", sagt Rademacher, der bei Gottfried Schultz im Verwaltungsrat sitzt. Immerhin gibt es schon einen Vorboten für mögliche Veränderungen. Harald Fähr, zuletzt Deutschland-Geschäftsführer von Kroymans, ist bei Audi-Nordrhein bereits angekommen.

(RP)