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Aussteigerpaar sucht Neuanfang in Düsseldorf-Eller

Menschen aus Düsseldorf : Aussteigerpaar sucht Neuanfang in Eller

Nach 13 Jahren Indien und fünf Jahren Sachsen-Anhalt zeigen die Narayans jetzt in einem zur Pop-up-Galerie umfunktionierten Reisebüro Kunst in Düsseldorf-Eller.

An der Gumbertstraße 164 gibt es jetzt Kunst zu sehen. Nur für eine Weile, bis zum 31. Oktober, denn eigentlich kennen die Menschen in Eller das Ladenlokal als Reisebüro. Das soll es auch wieder werden – wenn Corona der Branche nicht länger das Geschäft verhagelt.

So lange zeigt hier Ramani Narayan seine farbenprächtigen, abstrakten Bilder mit Tiefgang. Hinter ihm steht seine Frau Renate Gruber-Narayan, „meine Managerin“, sagt der Künstler, der eigentlich in Indien Manager war, seine steile Karriere aber aufgab, um sich der Malerei zu widmen.

Wie das kam, ist eine lange Geschichte, und sie beginnt im Jahr 2001, als sich Renate Gruber und Ramani Narayan in einem Café in Pune das erste Mal gegenüberstanden. Die heute 59-Jährige wollte damals mit dem Rucksack für ein halbes Jahr Indien erkunden, das Geschäft mit selbst organisierten Hippie-Märkten in Deutschland lief nicht mehr gut.

„Wir haben uns auf Anhieb super verstanden“, sagt Gruber-Narayan über die Begegnung, bei beiden war der Wunsch, etwas ganz Neues mit dem Leben anzufangen, ausgeprägt. „Mein Vater hatte mir verboten, Kunst zu studieren, ich sollte etwas Anständiges machen, Ingenieur, Doktor, wie alle in meiner Familie“, berichtet Narayan, der sich später dennoch über den Wunsch seines Vaters hinwegsetzte. Er war gerade aus Australien zurückgekehrt, als er seine spätere Frau kennenlernte. 2004 wurde geheiratet.

Die Pendelei zwischen Deutschland und Indien hatte nach drei Jahren ein Ende, vor den Toren von Pune verwandelte das Paar ein heruntergekommenes Gartenhaus in das „Paradies auf Erden“, gibt Gruber-Narayan die Einschätzung ihrer Nachbarn wieder. „Als wir kamen, gab es kein Wasser, keine Elektrizität, wir haben das Anwesen zu einer grünen Oase gemacht, mit drei Hunden, vielen Vögeln. Mein Mann hat gemalt, wir konnten davon leben, er hatte Ausstellungen in den USA, in Irland, Spanien, Australien und Deutschland. Ich habe zusätzlich in Deutschland Weihnachtsmärkte organisiert“, erzählt die Lebenskünstlerin. 13 Jahre blieben sie in Indien, dann gab es familiäre Streitigkeiten. Das Paar entschied sich, in Deutschland neu anzufangen.

In Eller fanden die Aussteiger Zuflucht bei einer Freundin von Renate Gruber-Narayan – an der Gumbertstraße 164. Doch bevor hier das vorerst letzte Kapitel der Geschichte geschrieben werden kann, ging es zunächst nach Ostdeutschland. Im 45-Seelen-Dorf Haselhorst in der Altmark, unmittelbar am ehemaligen Todesstreifen, wie Gruber-Narayan betont, machte das Ehepaar aus einem alten Vierkanthof des Onkels einen Kunsttempel.

Dort konnte Ramani Narayan nicht nur arbeiten („Ich male nur nachts“), sondern in dem auch regelmäßig überregionale Kunstfestivals stattfanden. Da Gruber-Narayan in der Nähe geboren wurde, viele Menschen dort kannte, „konnte ich meine Beziehungen spielen lassen. Wir wurden liebevoll aufgenommen, waren voll integriert“, erzählt sie.

Nach fünf Jahren war es dann aber doch genug, mit zwei Koffern und dem Auto voller Bilder ging es zurück nach Eller zu der Freundin, der das Haus an der Gumbertstraße gehört. Und als klar war, dass das Reisebüro vorerst nur noch sporadisch genutzt wird, nahm Ramani Narayan das Angebot, dort für drei Monate seine Bilder auszustellen, sofort an.

Es sind nur auf den ersten Blick ausschließlich fröhliche Bilder. Gerne lässt der 58-Jährige hintergründig politische Botschaften einfließen, aktuelle Bilder tragen zum Beispiel den Titel „Love in Times of Corona“. In Haselhorst hat er auch schon mal eine Holocaust-Serie geschaffen.

Die Narayans möchten jetzt in Düsseldorf bleiben, suchen nach einer geeigneten Wohnung mit Atelier. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass es die beiden morgen womöglich wieder in eine ganz andere Himmelsrichtung verschlägt.

„All & Everything“, Ausstellung von Ramani Narayan, bis 31. Oktober, Gumbertstraße 164; Öffnungszeiten: Di und Do, 16-19 Uhr; Kontakt: 0157 35564086, Mail ram-art@gmx.de