Auftakt im Messerstecherprozess vor dem Düsseldorfer Landgericht

Landgericht Düsseldorf : Gedächtnislücken im Messerstecherprozess

Beim Prozessauftakt vor dem Landgericht in Düsseldorf blieb das mutmaßliche Opfer einer Messerattacke auffallend einsilbig. Er könne sich nur noch an wenig erinnern und habe ohnehin mit dem Fall abgeschlossen, erklärte Daniel V. vor Gericht.

Für den Richter eine schwer nachzuvollziehende Aussage. Denn im Prozess vor dem Landgericht geht es nicht um eine Bagatelle: Daniel V. soll Opfer einer schweren Körperverletzung sein.

Auf der Anklagebank sitzt Daniel R. aus Düsseldorf. Er wird beschuldigt, das mutmaßliche Opfer im Juni 2016 nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung zunächst ins Gesicht getreten zu haben, um dann zu verschwinden. Wenig später sei er jedoch noch einmal an den Tatort wiedergekehrt.

Dieses Mal mit einem Messer, um den Geschädigten laut Staatsanwalt von hinten erst in den Nacken, dann in den Rücken zu stechen, wo eine vier bis fünf Zentimeter tiefe Wunde entstand. Dabei soll er die Lunge des Opfers nur knapp verfehlt haben. Bei dem Versuch, den Täter zu stoppen, soll Daniel R. eine weitere Person verletzt haben.

Der Angeklagte, der vor Gericht sehr ruhig wirkte, wollte sich zunächst nicht zu den Vorfällen äußern. Doch auch das Opfer hielt sich auffallend bedeckt. Zwar bestätigte Daniel V. den Angriff des Angeklagten, aber seine Darstellungen zu den Geschehnissen blieben äußerst oberflächlich. Über zwei Jahre nach der Tat könne er sich an vieles nicht mehr erinnern, lautete seine Argumentation. In Hinblick auf das Ausmaß der Tat eine für den Richter überraschende Aussage.

Unklar ist jedoch noch die Rolle der Zeugin H., die noch im Laufe der Verhandlung vernommen werden soll. Denn sie steht in bemerkenswerter Verbindung mit Opfer und Angeklagtem. Aktuell ist sie die Freundin des mutmaßlichen Opfers. Davor war sie in einer Beziehung mit dem Vater des Angeklagten. Letzterer soll wie ein Sohn für sie gewesen sein. Ob das in Verbindung zu der Aussage des Geschädigten steht, ist aktuell jedoch noch reine Spekulation.

In der nächsten Woche wird der Prozess fortgeführt. Dann wird sich auch zeigen, ob der mutmaßliche Täter sein Schweigen bricht. Denn Daniel R. ist bereits schon wegen Körperverletzung zu einer Strafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Bei einer weiteren Verurteilung droht dem Angeklagten eine Inhaftierung.

Mehr von RP ONLINE