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Düsseldorf: Auf Stimmenfang im Stadtteil

Düsseldorf : Auf Stimmenfang im Stadtteil

Kurz vor der Bundestagswahl arbeiten die Helfer der Parteien besonders hart. Sie verteilen auf Marktplätzen und vor Supermärkten Geschenke und Informationen, diskutieren mit Passanten und kämpfen um jede Stimme.

Die Wahlkämpfer in Angermund sind früh auf an diesem Wochenende: Es ist Samstagmorgen, halb neun, eine Woche vor der Bundestagswahl. Die Helfer von CDU und SPD haben sich - ausgestattet mit Kugelschreibern und Post-it-Blöckchen als Geschenkgaben - in der Nähe von Supermarkt und Bäcker postiert. Es herrscht viel Betrieb.

Die SPD hat es in einem der nördlichsten Stadtteile traditionell schwer und kämpft etwas abseits um Wählerstimmen: Denn der begehrte Platz vor Supermarkt und Bäcker ist Privatgrundstück - und wer hier stehen darf, entscheidet der Eigentümer. Trotzdem gibt man sich am Stand kämpferisch: "Umfrageergebnisse sind das eine, die Realität ist das andere", sagt Sarah Fenger. Politisches Engagement findet die junge Frau wichtig, egal für welche Partei. Dass die sozialdemokratischen Schokocroissants hier allerdings eher wenige Wählerstimmen gewinnen werden, ist auch Dieter Horne klar: "In Angermund kennt man sich, und bei bestimmten Gesichtern weiß man eben, zu welcher Partei sie gehören." Kugelschreiber gibt es trotzdem auch für die Konkurrenz von der FDP - wobei es sich Dieter Horne nicht nehmen lässt, seinen liberalen Kollegen Harald-Friedrich Austmeyer am Straßenrand in eine Diskussion über die Pläne zur RRX-Einhausung zu verwickeln.

Die CDU hingegen hat in Angermund eine komfortable Ausgangsposition. "Ich wähl' euch auch ohne das Zeug", sagt Wilfried Kallenberg mit Blick auf den Berg kleiner Präsente und bleibt für ein Pläuschchen unter dem orangefarbenen Sonnenschirm stehen. "Zu spät, Briefwahl", hört man von vielen anderen im Vorbeigehen. Trotzdem geben sich die Parteien überall überzeugt, die bis zu 40 Prozent unentschlossenen Wähler durch den Straßenwahlkampf noch auf ihre Seite ziehen zu können.

Mit mehr Diskussionsbedarf sieht sich die Gerresheimer CDU konfrontiert. Ihre Mission: Aufklärungsarbeit leisten. "Viele sind mit den heutigen Lösungsansätzen von Angela Merkel im Bereich Flüchtlingspolitik grundsätzlich zufrieden. Wie die Situation vor der viel kritisierten Öffnung der Grenzen damals wirklich aussah, wissen sie aber gar nicht", sagt Ratsherr Rolf Buschhausen.

Wolfgang Ohneck (l.) und Thors Haedecke diskutieren am etwas abseits gelegenen Stand der SPD. Foto: Endermann Andreas

Auch bei der SPD fehlt es nicht an Gesprächsstoff. Wieder haben sich die Sozialdemokraten, diesmal sogar freiwillig, etwas abseits positioniert. Während die anderen Parteien direkt zwischen den Marktständen am Neusser Tor ihre Wahlwerbung an den Mann bringen, muss man erst die Straßenbahnschienen überqueren, um zu dem rotbeschirmten Stand zu gelangen. Davon lässt sich Passant Wolfgang Ohneck jedoch nicht abhalten, er macht bei den Straßenwahlkämpfern seinem Ärger über die Große Koalition Luft: "Es ist einfach nicht genug dabei rausgekommen, Angela Merkel hat alle sozialdemokratischen Erfolge für sich verbucht", bemängelt er. Rot-rot-grün wäre seine Wunsch-Koalition.

20 Meter weiter herrscht am Stand der FDP beste Stimmung. Die Textmarker in den neuen Partei-Farben sind gefragt, und Sönke Willms-Heyng spricht vom "Popstar Christian Lindner", der wieder mehr Menschen zu den Liberalen zieht. "Das sind wir ja durchaus anders gewöhnt aus den letzten Jahren", gibt Dagmar Neugebauer zu. "Jetzt können wir das Material gar nicht schnell genug rausgeben."

Etwas ruhiger geht es bei den Grünen in Friedrichstadt zu. Dort hat man sich darauf beschränkt, die Stammwähler zu mobilisieren und am Stand mit klassischen grünen Themen aufzuwarten. Kein Wunder, dass man die Partei auch am "grünen Hot-Spot" Fürstenplatz findet, wie Dietmar Wolf den Platz nennt. "Heute läuft es erfrischend gut, es scheint die Sonne, alle sind gut gelaunt", freut sich der Bezirkspolitiker. Ganz andere Bedingungen also als tags zuvor an der Corneliusstraße, wo sie alle klitschnass geworden seien. Aber auch das gehört zum Leben eines Wahlkämpfers. Und so gibt er als einziger zu, was wohl alle denken: "Ich bin hundemüde."

(RP)