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Zugunglück in Düsseldorf: "Auf einmal war der Bus nicht mehr da"

Zugunglück in Düsseldorf : "Auf einmal war der Bus nicht mehr da"

Am Tag nach der Beinahe-Katastrophe von Düsseldorf untersucht die Polizei die Trümmer eines von zwei Güterzügen zerfetzten Linienbusses. Fahrgäste retteten sich Sekunden vor dem ersten Zusammenstoß an den Straßenrand.

Mit seinen Gedanken war Rafael Lassak (54) schon zu Hause. Er hatte seine Schwester besucht, fuhr, wie so oft, im Linienbus 721 in Richtung Innenstadt. Gerade hatte der Fortuna-Fan noch die Gartenlaube registriert, die ihm immer wieder wegen der rot-weißen Vereinsfahne aufgefallen ist, als der Bus plötzlich mitten auf dem Bahnübergang stehen blieb.

Plötzlich schlossen sich die Schranken

"Der Fahrer hat noch ein paar Mal probiert, ihn wieder zu starten, wurde ganz hektisch. Da hab ich gesagt, das hat doch keinen Sinn, lasst uns aussteigen", erzählt Lassak. Noch während er, eine Frau und ein weiterer Fahrgast gemeinsam mit dem Busfahrer ausstiegen, schlossen sich plötzlich die Halbschranken, die Warnlampen blinkten rot.

Keine zehn Meter weit waren die vier Menschen gekommen, als der erste Güterzug nahte. "Es war ein unglaublicher Knall. Und in der nächsten Sekunde war der Bus nicht mehr da." Der erste Knall war noch nicht verklungen, da schlug ein entgegenkommender Güterzug in die Trümmer ein. Was Lassak erst später erfuhr: zu den 22 Waggons des knapp 500 Meter langen ersten Zuges, der von Duisburg nach Österreich unterwegs war, gehörten Kesselwagen mit Gefahrgutresten: flüssiges Propan- und Butangas, brennbar und explosiv. "Wir wollen erst gar nicht über das nachdenken, was alles hätte passieren können", sagt ein Unfallermittler der Düsseldorfer Polizei gestern.

Auch Christiane Plewka will darüber nicht nachdenken. Noch hat sie nur auf Fotos gesehen, dass eine Lok in ihr Gartenhaus am Bahndamm gerutscht ist. Solange der 90-Tonnen-Koloss noch in den Trümmern steht, darf sie den Kleingarten nicht betreten, der ihrer Familie seit 55 Jahren gehört. Bloß eine Wand steht noch, und auf den Regalen, die daran hängen, sind sogar die Fortuna-Gläser heil geblieben.

Aber das ist wahrscheinlich alles, was von der Sommeridylle der Familie noch erhalten ist. "Es sieht ziemlich schlimm aus", sagt Christiane Plewka. Aber ihr ist auch klar: Wenn sie dort gewesen wären, wären vermutlich alle tot. Mit Wärmebildkameras hatte die Feuerwehr schon kurz nach dem Unfall die Trümmer nach Verletzten abgesucht.

Danach war auch den Rettern klar: Auf dem Bahnübergang ist ein kleines Wunder geschehen. Denn abgesehen von dem schweren Schock, den der Busfahrer erlitten hat, ist niemand verletzt worden. "Wir sind sehr glimpflich davon gekommen", sagt der Sprecher der Bundespolizei. Auf der Güterstrecke sind bis zu 80 Kilometer pro Stunde erlaubt. "Langsamer fährt selten mal ein Zug", berichten die Kleingärtner am Bahndamm.

Polizei untersucht, wie schnell die Züge waren

Wie schnell die beiden Unglückszüge waren, deren Fahrer unverletzt blieben, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Auch die Frage, ob Notbremsungen eingeleitet wurden, ist noch ungekärt. Mit schwerem Gerät sind Bahn-Spezialisten unterstützt von Feuerwehr und THW seit dem Unglück im Einsatz. Einen Großteil der insgesamt 55 Waggons, von denen vier entgleist waren, haben sie bereits weggeschleppt. Was vom Bus übriggeblieben ist, hat die Polizei beschlagnahmt.

Spezialisten werden versuchen, anhand der Trümmer herauszufinden, warum der 15 Jahre alte Linienbus, der im August vom TÜV abgenommen wurde und erst vor wenigen Wochen einem Sicherheitscheck unterzogen wurde, plötzlich stehenblieb.

(jco/das/jco)