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Düsseldorf: Auf ein Bier und eine Physik-Lektion

Düsseldorf : Auf ein Bier und eine Physik-Lektion

Bei der "Nerd-Nite" in Bilk erzählen Fachleute von der Relativitätstheorie und Luftschiffen. Was zu trinken gibt es auch.

Der Hund dehnt sich und gähnt. Professor Kühn von Sondermann, über den man nicht genau weiß, ob er tatsächlich so heißt oder ob er tatsächlich Professor für Anthropologie, Soziologie und Philosophie ist, wie er behauptet, redet unverständlich in ein Mikrofon. Er spricht vom unentdeckten Toulouser Syndrom in der Midlife-Crisis.

Die Verhältnisse seines hierfür notwendigen Zeitstrahls seien "egal", erklärt er. Bis Kühn von Sondermann daran erinnert, dass er diese Veranstaltung eröffnet. Es ist das erste Mal, dass klar wird, was er meint.

Wirre Zahlen und Buchstaben fliegen durch die Luft, so dass es nicht verwundern würde, wenn jemand die Frage stellte, was eigentlich die kahle Sängerin machte. Mario Buchinger greift ein, der Doktor der Physik. Er sagt: "Der Wahnsinn des Daseins ist eine spannende Größe." Und bevor der Besucher völlig den Faden verliert, fängt er endlich mit seinem Vortrag über die Physik bei Star Trek an.

Es ist "Nerd-Nite" im Boui Boui Bilk. Das heißt, dass Hipster - also szenebewusste junge Erwachsene - in eine alte Fabrikhalle kommen, um Bier zu trinken und Street Food zu essen. Auf der Bühne reden dabei so genannte "Nerds" - was sich am besten mit Besessenen oder Fachidioten übersetzen ließe - über ihre Fachthemen. Sie sprechen über die spezielle und einfache Relativitätstheorie, über Luftschiffe, Drohnen und den urbanen Raum oder warum "League of Legends" den Computerspielemarkt eroberte. Der Hipster lauscht, lernt Physik, zahlt fünf Euro Eintritt und trinkt dabei irgendetwas aus einer Glasflasche. Bier oder Cola, jedenfalls keine Bionade.

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Um die Pointe vorweg zunehmen: Star Trek ist tatsächlich unrealistisch. Es gibt gar keine Trägheitsabsorber, lernt der Hipster im Vortrag des Star Trek-Kenners Mario Buchinger. Etwa zweieinhalb Monate bräuchte man, um so schnell zu werden wie ein Raumschiff aus Star Trek. Den flinken Start dort würde niemand überleben. Man erfährt, dass eine Portion Pommes etwa 300 Kalorien hat, versteht aber bereits nicht mehr, was das mit dem schwarzen Loch zu tun hat. Buchinger ist ein exzellenter Redner, der über einen wahnsinnigen Inhalt spricht.

Fünf Nerds halten Vorträge, die jeweils etwa eine Viertelstunde dauern. Dann können die Besucher Fragen stellen. Jedenfalls könnten sie das, denn zu Buchingers Vortrag ist die einzige Fachfrage, was es denn mit dem Vulkanier-Gruß auf sich habe. Vielleicht hat der Hipster doch nicht Physik gelernt.

Der eingangs erwähnte Hund ist mit seiner Leine am Stuhl festgebunden. Immer wieder steht er auf und versucht sich in Richtung Ausgang zu begeben. Als er sein Scheitern voraussieht, dehnt er sich wieder und gähnt. Oder dreht sich weg.

Andreas Burkart ist "Luftschiff-Fan" und "Drohnen-Fan", wie er dem Publikum mitteilt. Die Frage, der er sich widmet, steht dazu etwas im Widerspruch. Der Doktorand am Forschungszentrum Jülich will nämlich erläutern, warum Luftschiffe cooler sind als Drohnen. Antwort: Sie sind cooler. Man kann außerdem Werbung draufdrucken und, ja, leicht sind sie auch. Zur Veranschaulichung lässt er ein Luftschiff durch das Boui Boui Bilk brausen, was ganz leise ist. "Wie ein Fisch schwimmt es durch die Luft", sagt Burkart. Die entsprechenden Teile hat er mit seinem 3D-Drucker ausgedruckt und die Anleitung hierfür ins Netz gestellt. So könne das ja jeder Zuhause selbst nachdrucken.

Egal, was im Boui Boui Bilk passiert, die Menschen strömen hin. Ein junger freundlicher Mann sagt: "Ist ja ganz schön voll hier". Dann geht er Bier holen. Wenn das Ziel des Konzepts sein soll, dass das Publikum lacht, dann funktioniert es teilweise. Nämlich immer dann, wenn der Vortragende Mut zur Selbstironie beweist. Der Hipster findet Nerds zwar neuerdings cool, ist aber noch etwas skeptisch.

(RP)