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Flurstraße: Auf ein Bier in die Klinik

Flurstraße : Auf ein Bier in die Klinik

Auf wenigen Metern zeigt die Flurstraße ihre zwei Gesichter: Der belebte Geschäftsteil mündet in ein ruhiges Wohnviertel. Angekommen ist dort inzwischen auch Flingerns Kunst- und Mode-Szene.

Die Flurstraße ist stadtbekannt. Sie ist für viele Düsseldorfer die erste, die sie in ihrem Leben gesehen haben. Auf dem Arm ihrer Eltern nach überstandener Geburt. Über Jahrzehnte wurden in den Gemäuern der Frauenklinik an der Flurstraße Kinder geboren. Leben herrscht in der Flurklinik auch heute noch, obwohl das Krankenhaus längst geschlossen ist. Wohnungen wurden in den oberen Etagen eingerichtet, unten haben sich Achim und Fadimi Spyra den guten Namen des Hospitals zu Nutzen gemacht. Jetzt trinken Flingeraner in der "Flurklinik" ihr Bier — an warmen Tagen am liebsten auf der Terrasse.

Das Lokal ist im belebten Abschnitt einer zweigeteilten Straße, die sich auf sehr wenigen Metern sehr widersprüchlich präsentiert. Im verkehrsberuhigten und daher ruhigen Teil fallen gelbe, orangene und auch eine quietschgrüne Fassade, frisch renoviert, ins Auge. So bunt wie die Straße sind die Bilder, die in an Fenstern und Türen hängen. "Licht" hat eine Kinderhand geschrieben, "flöten" eine andere. Die Erklärung dazu: Die Erst- und Zweitklässler der Grundschule verschenken an ihre Nachbarn "gute Worte".

Eine der Nachbarn ist Handan Celebi. Die Designerin entwirft Leder- und Kaschmirteile, die von der Fotografin im Haus gegenüber fotografiert und von der benachbarten Werbeagentur beworben werden. Die Kunst- und Mode-Szene um die Ackerstraße zieht immer weitere Kreise, hat sich auch die Flurstraße einverleibt. "Flingern ist unser Notting Hill", vergleicht Celebi ihre Düsseldorfer Heimat mit dem Londoner Szene-Viertel.

Mit der Hoffeldstraße beginnt die Hektik der Passanten, beanspruchen Straßenbahnen und Autos die Flurstraße für sich. An der Ecke ist das Eldorado für Modellbau-Fans. Bei Armin Baur suchen sie nach Booten, Flugzeugen und Rennwagen, die mit Fernsteuerung gelenkt werden.

Im Hinterzimmer setzen sich die Tüftler zusammen und schrauben an ihren Schätzchen, um samstags — beim Wintercup — ihre schokoladentafelgroßen Flitzer schnell um jede Kurve zu lenken. "Es gibt hier eine kleine Rennserie", sagt Baur und zeigt die elf mal zweieinhalb Meter große Strecke, die er im hinteren Bereich seines Geschäfts aufgebaut hat. "Die Fahrer bekommen nicht genug", erzählt Baur. "Abends muss ich die richtig rausschmeißen."

Zwei Schwestern führen bei einer weiteren Institution der Flurstraße Regie. Munter brutzelt der Backfisch im heißen Fett, während Evelyn und Margot ("unsere Nachnamen kennt hier kein Mensch") erzählen. Wie ihre Eltern vor 45 Jahren die Fischgaststätte Walldorf eröffnet haben und die ganze Straße noch voller Geschäfte war. Jetzt steht die nächste Generation am Herd und begrüßt Stammkunden, die sogar aus Wuppertal anreisen.